Neustadt-Glewe : Hier gibt’s auch „schräge“ Möbel

Enrico Loga schiebt ein Möbelteil in die neue Kantenleimanlage des Unternehmens. Fotos: andreas münchow
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Enrico Loga schiebt ein Möbelteil in die neue Kantenleimanlage des Unternehmens. Fotos: andreas münchow

Möbelhersteller OECO in Neustadt-Glewe investierte in eine neue Kantenleimanlage.

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08. Mai 2017, 21:00 Uhr

Sägen kreischen ohrenbetäubend, Späne, wohin das Auge blickt. Typisch für ein Möbelwerk, könnte man denken. Stimmte vielleicht früher mal, doch heute regieren in der Branche eher Hightech-Maschinen, übernehmen sogar Computer viele Arbeiten.

Bestes Beispiel ist die OECO Büromöbelwerke Oelschlägel & Co. GmbH in Neustadt-Glewe. Das Unternehmen produziert Büromöbel und Schrankwände, fertigt für seine Kunden aber auch spezielle Produkte. „Über 50 Prozent unserer Produktion gehen in den medizinischen Bereich“, sagt Willy Oelschlägel, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Gerade in diesem Bereich seien die Anforderungen an die Hygiene besonders groß.

Deshalb hat das Unternehmen jetzt in eine neue Anlage investiert. „Die Kantenleimanlage ermöglicht per Lasersteuerung, dass die Möbelteile mit Heißleim zusammengepresst und Leimreste dann abgeschabt werden. Dadurch entsteht eine Verbindung, in die weder Wasser noch Desinfektionsmittel eindringen können, weil es praktisch Null-Fugen gibt“, erläutert Willy Oelschlägel.

Rund 280  000 Euro hat das Unternehmen investiert, Fördermittel kamen vom Land und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Seit 1996 produziert OECO in Neustadt-Glewe. Das Unternehmen ging aus einem Ingenieurbüro hervor, dass Willy Oelschlägel 1971 mit einem Freund in Hamburg gegründet hatte. Schon vor der Wende gab es wirtschaftliche Kontakte in die DDR. „Fast alle Minister der ersten Landesregierung einschließlich des Ministerpräsidenten hatten dann auch unsere Möbel in ihren Büros“, lacht Willy Oelschlägel. „Doch wir wollten nicht nur hierher liefern, sondern auch hier produzieren und errichteten 1991 eine Produktionsstätte in Schwerin-Görries, zumal die Kapazitäten in Hamburg nicht mehr reichten.“

Schließlich fasste die Firma den Entschluss, die Produktion von Hamburg und Schwerin zusammenzulegen und nach Neustadt-Glewe zu verlegen. Willy Oelschlägel: „Wir kauften das Grundstück an der Autobahn und begannen hier 1996 mit der Produktion. Für Neustadt-Glewe sprach neben den gut ausgebildeten Fachkräften hier natürlich auch die günstige Verkehrsanbindung. Immerhin liefern wir unsere Produkte deutschlandweit.“ Damals begann man mit 25 Beschäftigten in Neustadt-Glewe, heute sind es fast 40. „Wir haben kaum Fluktuation, die Leute sind hier zu Hause, viele haben Häuschen oder Garten. Das ist für uns ein Vorteil gegenüber einer Großstadt“, weiß Willy Oelschlägel, der von einem „sehr familiären Betriebsklima“ spricht. „Stress gibt es bei uns nicht.“

Die Produktion ist übrigens bei OECO sehr individuell, statt auf Serien setzt man hier auf Unikate. „Wir lassen uns nicht in Abmessungen oder Formen hineinpressen. Wir können für jedes Maß bauen, in so ziemlich jeder Form“, sagt Willy Oelschlägel.

Das betrifft beispielsweise Empfangstresen ebenso wie Tische oder Schränke – eben so, wie der Kunde es wünscht. Da gibt’s dann eben auch mal einen maßgenauen Schrank mit schrägen Kanten für das Dachgeschoss. „Unser längster Tresen, den wir bisher gebaut haben, ist 28 Meter lang und war für ein Wettbüro in Berlin“, so Oelschlägel, der diplomierter Maschinenbauingenieur ist und einst auch einige Semester Kunst studierte, daher das Design der Möbel selbst entwirft. „Für mich ist die Arbeit nicht unbedingt eine Sache des Verdienens. Ich habe einfach Spaß an der Freude“, so der 80-Jährige.

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