Raddenfort : Hier feiert jedes Tier Geburtstag

Hier muss jeder mit anpacken: Die dreiköpfige Familie Scheper widmet jede freie Minute den Tieren auf ihrem Hof in Raddenfort.
Hier muss jeder mit anpacken: Die dreiköpfige Familie Scheper widmet jede freie Minute den Tieren auf ihrem Hof in Raddenfort.

Vor zehn Jahren wurden die Schepers aus Raddenfort die ersten Züchter der Bunten Bentheimer in Mecklenburg-Vorpommern

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14. September 2020, 10:35 Uhr

Das Bunte Bentheimer Schwein ist eine bedrohte Haustierrasse, die allerdings aktuell nicht auf der Roten Liste steht. Der Erhalt dieser liebenswerten Tiere ist für die genetische Vielfalt und als Kulturgut notwendig und die Passion von Nebenerwerbslandwirt Torsten Scheper aus Raddenfort.

Angefangen hat die ganze „Schweinerei“ vor gut zehn Jahren, als der gelernte Maschinenbauer einen Frischling von der Straße rettete. Das Tier gewann schnell das Herz von ihm, seiner Ehefrau Kathleen und Tochter Sandrine. Als sich die Familie um richtiges Futter kümmern musste, nahm Torsten Scheper Kontakt mit einem Bauern in der Nähe auf. Zufällig entdeckte er dadurch seine bis heute große Leidenschaft: Die Schweinerasse Bunte Bentheimer.

Das Bunte Bentheimer ist ein mittelgroßes Schwein mit unregelmäßigen schwarzen Flecken auf weißem oder hellgrauem Untergrund. Die gelbe Ohrmarke kennzeichnet, dass es sich tatsächlich um die besondere Schweinerasse handelt und dass die Tiere registriert sind. Durch die besondere Physiologie eignen sich Bunte Bentheimer Schweine dankenswerterweise nicht für die Massentierhaltung. „Durch die weit verbreiteten Optimierungen von immer geringeren Fettanteilen und kürzeren Wachstumsphasen sind andere Züchtungen im Nachteil. Beispielsweise haben die sogenannten Hybridschweine eine viel niedrigere Stressschwelle als die Bentheimer“, erklärt der 43-jährige Züchter.

Die Tiere bekommen bei Familie Scheper in den zwölf bis 24 Monaten viel Auslauf. Das wirkt sich natürlich auch auf die Fleisch- und Wurstqualität aus. Die Verarbeitung seiner Schweine managt Torsten Scheper zum großen Teil selbst. Schlachten lässt er die Tiere bei einem Fachmann in Lenzen, wo er alles genau im Auge behalten kann. Das Fleisch vermarktet der Nebenerwerbslandwirt aber direkt vom eigenen Hof. Die Kunden können also jederzeit einen Blick auf die Zucht werfen und sich von der Haltung überzeugen.

Ein Schwein, welches in knapp 100 Tagen zur Schlachtreife gemästet wird, hat für den Raddenforter keine gute Fleischqualität. Diese Einstellung honorieren auch die Kunden. „Bei uns feiert jedes Tier Geburtstag. Die Schweine werden nämlich deutlich über ein Jahr alt“, erklärt die Familie, die seit wenigen Wochen wieder elf neue Ferkel beherbergt.

Nicht nur deswegen beobachten sie mit Argusaugen die Entwicklungen der Schweinepest. „Man kann dahingehend nicht planen, aber natürlich würde es sehr schwierig für uns werden. Den notwendigen Platz, um so eine Situation zu meistern, hätten wir definitiv nicht“, bedauert Torsten Scheper.

Damit sie ihrer Leidenschaft weiter nachgehen können, nimmt Familie Scheper nicht nur dieses Risiko in Kauf. Der Familie bleibt auch wenig Zeit für Privates. „Bei uns müssen alle mit anpacken“, betont die 18-jährige Tochter Sandrine, die gerade ihr letztes Schuljahr angetreten hat. Der letzte große Familienurlaub ist schon eine ganze Weile her. „Meistens fahren wir dann getrennt, weil die Tiere eben jeden Tag gefüttert werden wollen“, erklärt Ehefrau Kathleen die Situation. Ein Nachbar kann das nicht übernehmen. Vor allem, weil sich die Unterstützung aus der Raddenforter Gemeinde und von der örtlichen Agrar-Genossenschaft eher in Grenzen hält. Das bedauert die Familie sehr. „Wir würden uns wünschen, dass unsere Arbeit mehr geachtet wird. Wir sind sehr stolz, dass wir es damals ohne viel fremde Hilfe geschafft haben, uns diese Nebentätigkeit aufzubauen. Wir sind überzeugt von dem, was wir tun und lassen uns das nicht kaputt machen.“



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