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Ludwigslust : „Herr Bürgermeister, eine Frage...“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Schüler spielen Stadtvertretung und überraschen die echten Abgeordneten mit „leidenschaftlicher Debatte und klugen Ideen“

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2017 | 22:29 Uhr

Sergej ist der erste, der den Arm hebt, und vom Stadtpräsidenten Helmut Schapper das Wort erteilt bekommt. Er ist nervös. Noch liest er jedes Wort vom Blatt: „Wir haben den Eindruck, dass auf dem Skaterplatz keine Sicherheit mehr herrscht“, so der Schüler. „Hier gibt es Alkohol, Drogen und Waffenmissbrauch. Herr Bürgermeister, was gedenken Sie zu tun?“ Sergej ist Fraktionsmitglied der WfL (Wege für Ludwigslust). Den Namen haben sich die Schüler selbst ausgedacht. Mit der WfL sitzen noch die PFR (Partei für Fortschritt und Rechtsstaatlichkeit) und die AfJL( Alternative für Jugendliche in Ludwigslust) an dem großen Sitzungstisch im Rathaussaal. Die sechszehn Schüler der Lennéschule und des Goethegymnasiums beteiligen sich am kommunalpolitischen Planspiel „Ohne Jugend ist kein Staat zu machen“. Das Spiel der Friedrich-Ebert-Stiftung verläuft ähnlich wie ein Workshop über mehrere Tage. An einem Wochenende lernen die Jugendlichen politische Strukturen auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene kennen. Dann hospitieren sie auf einer regulären Stadtver-tretersitzung, treffen sich danach noch einmal zu Gruppengesprächen mit den Stadtvertretern. Und am Ende sind sie es schließlich, die selbst in die Rolle der Kommunalpolitiker schlüpfen und mit Anträgen und Beschlüssen demokratisch über die Entwicklung ihrer Stadt entscheiden. „Es hat Spaß gemacht“, sagt Lea Schumacher aus der 10. Klasse der Lennéschule. „Wenn wir mal morgens am Sonnabend müde waren, haben uns die Teamleiter von der Stiftung mit lockeren Spielen schnell wieder motiviert.“ Lea sitzt für die AfJL im Parlament und konfrontiert den Bürgermeister während der Sitzung mit dem Neubau einer Schwimmhalle auf dem Festplatz in der Helene- von-Bülow-Straße. Für die Deckung der Investition von 2,7 Mio Euro schlägt sie gleich vier Fördertöpfe vor. Und Ideen, wie man die Betriebskosten gering halten kann, hat sie auch: „Mit Solar- oder Erdwärme-Energie.“Außerdem könnten Personalkosten eingespart werden, indem Schüler an der Kasse jobben oder als Rettungsschwimmer arbeiten.

Neuer Kunstrasen für den Sportplatz, ein Fahrradweg an der Neuen Torstraße, überdachte Sitzplätze neben Spielplätzen und öffentliches WLAN an Bushaltestellen – sind nur einige der Themen, die die Schüler auf ihre Tagesordnung setzen. Nicht in allen Punkten sind sie sich einig. Es wird viel diskutiert. Und am Ende gehen die Abstimmungen ähnlich aus wie in der Wirklichkeit. „Die Fraktionen halten geschlossen zusammen. Das kommt mir doch bekannt vor“, so Helmut Schapper. Der Stadtpräsident zeigt sich nach Sitzungsende überrascht: „Wow. Das war richtig gut. Die Jugendlichen haben sich kluge Gedanken gemacht und man kann sich nur wünschen, dass sie auch weiterhin mit uns zusammenarbeiten.“ Bürgermeister Reinhard Mach, der an diesem Abend viele Aufgaben mit auf den Weg bekam, lobt die Debattierfreude der jungen Leute: „Es wäre schön, wenn sie sich weiter einmischen und am Ball bleiben.“ So wie der Ludwigsluster Robert Hintz, der im vergangenen Jahr für die Grünen im Landtag kandidierte. Oder Sophie Kuropka. Sie war als Schülerin beim letzten Kommunal-Planspiel dabei. Heute sitzt sie als sachkundige Einwohnerin im Ludwigsluster Sozialausschuss.



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