Techentin : Herbst-Ritt wird zum Protest-Ritt

Reiter wehren sich gegen die Vielanker Idee, Pferdesteuern zu erheben

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16. November 2014, 14:01 Uhr

Es sollte der erste große gemeinsame Herbstritt nach 15 Jahren werden. Doch bevor die vielen Reiter aus Ludwigslust, Picher, Prislich, Grabow und Hornkaten am Sonnabend in Techentin ihre Pferde sattelten, schimpften, klagten und protestierten sie. Darüber, dass Gemeindevertreter im nicht weit entfernten Vielank öffentlich darüber nachdenken, Pferdesteuern zu erheben. Man dürfe keine Gelegenheit auslassen, sich dagegen zu wehren, so Martina Hädicke. „Setzt sich erst einmal eine Gemeinde mit dieser Idee durch, dann ziehen andere Kommunen nach. Das müssen wir verhindern.“ Die 49-Jährige hat sich vor zwei Jahren ihr Pferd „Ragon“ gekauft. „Die Unterhaltung ist jetzt schon ein Überlebenskampf“, sagt sie. „Kommt die Pferdesteuer, wäre das für mich eine persönliche Katastrophe.“ Wie ihr geht es den meisten Reitern, die sich an diesem Tag mit Pferden und Kutschen am Stall in Techentin versammeln. Melanie Behnke hatte über Facebook zu dem Herbstritt eingeladen. „Reiten stärkt den Zusammenhalt und die Gemeinschaft auf dem Land“, sagt die 27-Jährige. Die Techentinerin bringt Kindern das Reiten bei und erlebt täglich, wie glücklich sie dabei im Stall sind. „Manche kommen nur hierher, um die Pferde zu putzen und zu füttern. Die Arbeit macht sie selbstbewusst.“ Mit der Pferdesteuer würden die Kosten für das Training steigen, so Behnke. Normalverdienende Familien könnten sich das Training für ihre Kinder dann nicht mehr leisten.

Mit ihrem Tagesordnungspunkt „Pferdesteuer“ hatte die Vielanker Gemeindevertretung im Oktober nicht nur für Unmut im eigenen Dorf gesorgt. Aus ganz Mecklenburg-Vorpommern hagelte es Proteste. Auf einer spontanen Demo im Ort kritisierte Angela Händler aus Woosmerhof unter Tränen die Pläne. „Noch mehr finanzielle Belastung verträgt unser Pferdehof nicht. Der Traum vom Leben auf dem Lande würde so für uns schnell zum Albtraum.“ Post bekam Vielanks Bürgermeisterin Christel Drewes auch vom Landesverband MV für Reiten, Fahren und Voltigieren. In seinem Schreiben bittet Hans-Joachim Begall die Gemeinde, die Pläne wieder zurückzunehmen.

Noch ist die Idee in Vielank nicht vom Tisch. „Die Kommunen werden vom Land aufgefordert, Steuereinnahmen voranzutreiben“, sagt Vielanks stellvertretende Bürgermeister Heiko Bäuch. „Da muss es erlaubt sein, auch darüber nachzudenken.“ Wie Bäuch gestern gegenüber SVZ sagte, werden sich Gemeindevertreter im Dezember zur Pferdesteuer nicht öffentlich beraten und im Februar zu einem Runden Tisch einladen.

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