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Eichenprozessionsspinner : Helikopter könnte Montag starten

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Landkreis Ludwigslust-Parchim ordnet Biozid-Einsatz aus der Luft an / Medizinerin kritisiert die Aktion als unangemessen

svz.de von
erstellt am 07.Mai.2014 | 16:48 Uhr

Ab Montag könnten die Hubschrauber im Kampf gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners abheben. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim hat gestern eine Allgemeinverfügung erlassen, in der der Biozideinsatz aus der Luft angeordnet wird. Einsatzzeitraum 12. Mai bis 5. Juni.

Das bedeutet allerdings nicht unbedingt, dass die Lufteinsätze tatsächlich am Montag starten werden. „Die konkreten Termine richten sich nach der Larvenentwicklung und den Witterungsbedingungen“, heißt es in der Verfügung. So werde bei Wind nicht geflogen. Die konkreten Bekämpfungsorte sollen jeweils am Tag vor der geplanten Sprühaktion auf der Internetseite des Landkreises (www.kreis-swm.de) bekannt gegeben werden. Dort findet man auch eine Karte mit den potenziellen Befallsflächen, die behandelt werden sollen. Weite Teile der B 5 zwischen Grabow und Boizenburg und der B 106 zwischen Ludwigslust und Schwerin gehören dazu. Gesprüht werden soll nur im Außenbereich, in Siedlungsrandlagen und innerorts, wenn Außenbereichsbedingungen vorliegen.

Den großflächigen Biozideinsatz aus der Luft hält längst nicht jeder im Landkreis für angemessen. „Der geplante Hubschraubereinsatz mit dem Mittel Foray ES steht in einem krassen Missverhältnis zur tatsächlichen Gefahrenlage“, sagt Dr. Renate Peßner, Allgemein- und Umweltmedizinerin aus Parchim. Es sei richtig, dass die Brennhaare der Raupen Kontaktallergien verursachen können. „Das kann das Mittel aber auch.“ Nicht umsonst ist Foray ES als Mittel eingestuft, das „allergische Hautreaktionen verursachen“ kann. Eine ganze Reihe von Sicherheitshinweisen werden dem Anwender gegeben. „Aerosol nicht einatmen“ beispielsweise. „Wie soll das gewährleistet werden, wenn gerade bei der Ausbringung mit dem Hubschrauber Sprühnebel entsteht?“, fragt Dr. Renate Peßner.

Der Landkreis will – wie im vergangenen Jahr – die jeweiligen Straßenabschnitte während des Sprüheinsatzes für rund 15 Minuten für den öffentlichen Straßenverkehr sperren. In der Anordnung ist auch betont, dass während der Behandlung und innerhalb von zwölf Stunden danach Menschen die behandelten Flächen nicht betreten dürfen. Das deckt sich mit den Anwendungsbestimmungen, die die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin für Foray ES herausgegeben hat. Dort heißt es jedoch darüber hinaus, dass die Öffentlichkeit vor, während und bis mindestens 48 Stunden nach der Behandlung „in geeigneter Weise, z.B. durch Warnschilder“ darüber zu informieren ist.

Für Renate Peßner ist es zudem verwunderlich, dass das im vergangenen Jahr nach Angaben der Behörden so erfolgreiche Mittel Dipel ES in diesem Jahr nicht zum Einsatz kommt, sondern stattdessen Foray ES. Dazu der Landkreis auf SVZ-Anfrage: „Der Wirkstoff (in beiden Mittel, d.Red.) ist identisch… Es ist Bacillus thuringiensis subsp. Kurstaki.“ Beide hätten auch die gleiche Zulassungsnummer. Während Dipel ES als Pflanzenschutzmittel eingesetzt wird, gibt es Foray ES als Biozid, also für Einsätze, die dem Schutz des Menschen dienen. „Die Unterscheidung, ob Pflanzenschutzmittel oder Biozid, hat nichts mit Inhaltsstoffen zu tun, sondern mit den rechtlichen Grundlagen, nach denen es angewandt werden muss.“

In seiner Begründung legt der Landkreis auch dar, warum man sich für kein anderes Mittel entschieden hat. So soll NeemAzal zwar im Labor gute Erfolgsquoten erzielt haben, in einem Freilandversuch in MV aber nicht. Allerdings ging es Dipel ES bei einem Bekämpfungsversuch in Heidhof 2011 nicht viel besser. In einer Information darüber im Julius-Kühn-Archiv heißt es dazu: „Insgesamt ist ersichtlich, dass weder Neem Protect noch Dipel ES einen akzeptablen Bekämpfungseffekt erreichten.“ Für die Sprühaktion des Vorjahres wird allerdings von einer 95-prozentigen Erfolgsquote gesprochen.

Gegen die Allgemeinverfügung des Landkreises kann man innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Eine aufschiebende Wirkung würde dieser jedoch nicht haben. Ein Widerspruch gegen die Verfügung des Vorjahres war übrigens vor wenigen Tagen beschieden worden – ablehnend.

Hier wird geflogen:
- Städte Hagenow, Lübtheen, Ludwigslust, Boizenburg

- Amt Boizenburg-Land

- Amt Hagenow-Land (alle Gemeinden außer Bobzin, Gammelin und Hülseburg)

- Amt Wittenburg (alle Gemeinden außer Stadt Wittenburg)

- Amt Zarrentin (alle Gemeinden außer Gallin, Kogel, Lüttow-Valluhn, Stadt Zarrentin)

 

 

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