Ludwigslust : Helferinnen mit viel Herz

Sie gehören zu den „Herzdamen“ und zeigen Produkte der Arbeit des Vereins: Kerstin Dabelstein, Janina Jörss, Kerstin Bollow, Lydia May und Manuela Schmidt (v. l. n. r.).
Sie gehören zu den „Herzdamen“ und zeigen Produkte der Arbeit des Vereins: Kerstin Dabelstein, Janina Jörss, Kerstin Bollow, Lydia May und Manuela Schmidt (v. l. n. r.).

Verein aus der Region kümmert sich seit vier Jahren auf ganz eigene Weise um Frauen und Kinder in sechs Krankenhäusern

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28. Dezember 2016, 07:00 Uhr

„Ich bin 72 Jahre alt und habe mich einer Totaloperation meiner rechten Brust unterzogen. Gleich am nächsten Tag übergaben mir die Schwestern das schöne Kissen. Es hat mich in den ersten Tagen sehr getröstet, denn ich fühlte mich wie ein abgeknickter Zweig, brutal aus meinem gewohnten Leben gerissen. Durch Ihre liebevollen Worte auf dem Schildchen wurde mir bewusst, dass ich nicht alleine bin und auch andere Frauen wie ich das Gleiche durchgemacht haben.“

„Ich bin 32 Jahre und habe vor zwei Wochen die Diagnose Brustkrebs erhalten. Ich bin in der Uniklinik Rostock in Behandlung und habe die OP hinter mich gebracht. Dann kam eine nette Krankenschwester mit dem Herzkissen um die Ecke. Mir hat es über die Nacht sehr geholfen. Ich werde das Kissen weiterhin als Begleiter nehmen für meinen bevorstehenden Weg.“

Nur zwei von vielen Dank-E-Mails, die die „Herzdamen Ludwigslust“, ein eingetragener Verein, in der letzten Zeit erhalten haben. Die Frauen nähen spezielle Herzkissen für an Brustkrebs erkrankte Frauen. Diese schützen vor Druck und Stoß und sollen Trost von Frau zu Frau spenden. „Sie werden so unter dem Arm getragen“ zeigt Kerstin Bollow. „Dort befindet sich meistens die OP-Narbe. Die Kissen bringen Entlastung.“

Die herzförmigen Kissen waren das erste Projekt des Vereins und werden heute immer noch genäht. Mit diesen Hilfsmitteln beliefern die Frauen inzwischen Krankenhäuser in Güstrow, Ludwigslust, Schwerin, Rostock, Hamburg und Nordhorn. In diesem Jahr haben die „Herzdamen“ fast 800 Kissen fertiggestellt, im letzten Jahr waren es 300.

Das ist nur mit rationellem Tun zu schaffen. Und so teilen sich die Frauen, die Arbeit auf: Zuschneiden, Abschneiden, Stopfen, Zunähen…

Von den Kliniken kam die Anregung, dass auch Drainagebeutel gut wären. Also haben sie auch solche genäht und vielen Frauen geholfen, mit mehr Diskretion über Krankenhausflure gehen zu können. Oder sie fertigen Beanie-Mützen für Frauen, die gerade eine Chemotherapie durchmachen, die oft mit Haarausfall begleitet ist.

Die „Herzdamen“ gibt es seit 2012. Genau 28 Frauen sind es momentan, die sich auf diese ganz spezielle Weise engagieren.

Zu den Herzkissen hinzugekommen sind Plüschtiere für krebskranke Kinder und seit neuestem die Idee für Sachen für „Frühchen“, ausgelöst durch eine Erfahrung, die ein Mitglied der Gruppe selbst machen musste. – Und auch für „Sternchenkinder“, eine sanfte Umschreibung für Frühgeborene, die dies nicht überleben. Die Frauen nähen kleine Taschen, in denen diese Kinder bestattet werden können – es gibt großen Bedarf, wie die Frauen von einem Mitglied ihrer Gruppe wissen, weshalb diese Aufgabe jetzt gerade Vorrang hat. Decken, Bodys und Mützen für Frühchen sind ein Projekt, das die Frauen sich speziell für das kommende Jahr vorgenommen haben.

Je nachdem, wie sie Zeit haben, denn alle sind ehrenamtlich aktiv und kommen aus den unterschiedlichsten Berufen. Lydia May aus Kaliß gehört dazu. Sie ist bereits Rentnerin. „Ich bin gern dabei“, sagt sie. „Man kommt unter Leute und hat eine sinnvolle Aufgabe.“ Andere Frauen sind im Schichtdienst. Sie alle treffen sich unregelmäßig, aber freitags nachmittags ist die feste Größe im Terminkalender.

Weitere Mitstreiter sind natürlich gern gesehen. „Wir freuen uns über jede Unterstützung“, sagt Kerstin Bollow.

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