Ludwigslust : Helfer entlasten Familien von Demenzkranken

Bei der Betreuung von Demenzkranken können Ehrenamtliche helfen, um die Angehörigen rechtzeitig zu entlasten.
Bei der Betreuung von Demenzkranken können Ehrenamtliche helfen, um die Angehörigen rechtzeitig zu entlasten.

Arbeit des Helferkreises Ludwigslust angelaufen / Ehrenamtliche übernehmen stundenweise Betreuung

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25. Juni 2015, 08:26 Uhr

Der demenzkranke Vater von Claudia M. lebt noch allein. Morgens kommt der Pflegedienst, um die Körperpflege zu erledigen. Gegen Mittag wird das Essen gebracht. Am Abend bringen Mitarbeiter des Pflegedienstes den alten Herren ins Bett. Doch die Stunden dazwischen sind lang, zu lang, um ihn die ganze Zeit allein zu lassen. Und so schauten Claudia M. und ihre Angehörigen jeden Tag ein- bis zweimal beim Vater vorbei. Gar nicht so einfach neben der eigenen Arbeit, dem eigenen Haushalt und eigenen Terminen. Claudia M. hat Unterstützung gesucht – und gefunden. Seit Kurzem besucht eine ehrenamtliche Helferin einmal pro Woche den Vater und verbringt mit ihm den Nachmittag. „Es ist wichtig, dass pflegende Angehörige rechtzeitig solche Entlastungsangebote nutzen“, sagt Susanne Müller vom Helferkreis Ludwigslust. „Sie sollen ja möglichst lange die Pflege übernehmen können.“

Der Helferkreis Ludwigslust ist noch jung. Vor knapp drei Monaten haben 14 Ehrenamtliche aus Ludwigslust, Grabow, Hagenow und Umgebung nach einer umfangreichen Schulung ihre Arbeit aufgenommen. Fünf Betreuungen laufen bereits. „Noch haben wir also freie Kapazitäten“, sagt Susanne Müller. Doch so allmählich spricht sich das spezielle Angebot herum. „Die Akzeptanz ist da. Das haben wir beim Gesundheitsmarkt im Ludwigsluster Lindencenter gemerkt“, betont Sylke Seehase vom Pflegestützpunkt Ludwigslust. Aber noch nicht jeder weiß, dass die Pflegeversicherung pro Monat 104 Euro (in besonders schweren Fällen 208 Euro) für niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote für Demenzkranke und Pflegebedürftige zahlt. „Und dass man noch bis zum 30. Juni eines Jahres das im vorangegangenen Jahr nicht verbrauchte Budget nutzen kann“, so Susanne Müller.

Die ehrenamtlichen Helfer sind keine Pflegekräfte. Sie betreuen die Demenzkranken. Wie – das hänge immer vom konkreten Einzelfall ab, so Susanne Müller. Ist der Erkrankte noch mobil, geht der Helfer mit ihm spazieren oder mal ins Museum. Er kann ihn auch zu Therapiestunden begleiten. Manchmal wird nur Kaffee getrunken und geredet. „Um einen Draht zum Betreuten bekommen zu können, werden Fakten aus dessen Biografie genutzt“, so Susanne Müller.

Nicht nur für die Familien und den Erkrankten ist die ehrenamtliche Betreuung ein Gewinn. „Die Ehrenamtlichen berichten mir, dass sie mit dem guten Gefühl nach Hause gehen, gebraucht zu werden“, sagt die Koordinatorin des Helferkreises.  

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