Ludwigslust : Helfer aus der Schuldenfalle

Hartmut Langner ist Schuldnerberater beim Arbeitslosenverband in Ludwigslust.
Hartmut Langner ist Schuldnerberater beim Arbeitslosenverband in Ludwigslust.

Schuldnerberatung des Arbeitslosenverbandes: Mit durchschnittlich 27 000 Euro pro Kopf stehen Klienten in der Kreide.

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17. Juni 2016, 17:00 Uhr

Nicht erst zur bundesweit begangenen Woche der Schuldnerberatung ist das Problem in den Mittelpunkt gerückt. Das weiß Hartmut Langner, Schuldnerberater beim Landesverband des Arbeitslosenverbandes, aus der täglichen Arbeit. Er ist seit zweieinhalb Jahren im Ludwigsluster Arbeitslosenzentrum „Uns Hüsung“ Am Schlachthof tätig. Und da wird er sehr oft mit der Erkenntnis konfrontiert, dass finanzielle Notlage sich tückisch heranschleichen kann. An Menschen beispielsweise, die Konsum-Verlockungen nicht widerstehen können und sich auf leicht zu bekommende Kredite einlassen – ohne zu wissen, wie sie die zurückzahlen sollen. Oder auf Handwerker, die mit plötzlichen gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen haben und nicht mehr arbeiten können… Die Risiken sind mannigfaltig.

Gemeinsam mit der Schuldnerberatungsstelle des Arbeitslosenverbandes in Hagenow betreuen sie 600 Bürger. 212 davon sind in Langzeitbetreuung, über 170 Klienten sind im vergangenen Jahr hinzugekommen. Die Zahl von Hartmut Langners Klienten hat in den zweieinhalb Jahren nur geringfügig zugenommen. Die durchschnittliche Schuldensumme pro Klient klingt allerdings beachtlich: Es sind immerhin 27 421 Euro.

Die fachliche und gesellschaftliche Akzeptanz der Schuldnerberatungen hat zugenommen. Das zeigt sich zum Beispiel an den sogenannten „P-Kontenbescheinigungen“. Dahinter verbergen sich Anträge auf Pfändungsschutz, das heißt, ein genau festgelegter Betrag muss für die Bestreitung der Lebenshaltungskosten auf dem Konto bleiben. Diese Bescheinigungen wurden früher nur von Gerichten ausgestellt. Inzwischen sind auch zugelassene Schuldnerberatungsstellen dazu berechtigt.

40 Prozent der Arbeitszeit von Hartmut Langner nehmen die Beratungsgespräche ein, 60 Prozent gehen für die Aktenbearbeitung drauf.

„Die Prävention ist sehr wichtig“, unterstreicht er. „Darum bin ich zum Beispiel hin und wieder auch an der Berufsschule im Unterricht. Es geht mir darum klarzumachen, dass es nicht hilft, den Kopf in den Sand zu stecken, wenn man in die Schuldenfalle getappt ist“, so der Schuldnerberater.

Die diesjährige Aktionswoche Schuldnerberatung stellt den Zusammenhang von Krankheit und Schulden in den Mittelpunkt. Überschuldung bedeute für die Betroffenen häufig eine völlige Destabilisierung ihrer Existenz. Sie seien Stress und psychischem Druck ausgesetzt, was wiederum zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führe, zitiert Hartmut Langner eine Studie der Uni Mainz. Die gesundheitlichen Risiken gelten auch für die Schuldnerberater selbst. Sie befänden sich in einem ständigen Spagat zwischen Dienstleistung und sozialer Arbeit.

In Ludwigslust bieten sowohl der Arbeitslosenverband als auch die Arbeiterwohlfahrt Schuldnerberatung an.

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