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Ludwigslust : „Heißer Stuhl“ lässt Jugend kalt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Frage-Antwort-Runde mit sechs Politikern lässt Jugend eher unbeeindruckt zurück

von
erstellt am 16.Jul.2016 | 07:24 Uhr

Kichern in den hinteren Reihen. Eine Dose rollt polternd über das Parkett, ein Handy klingelt. Keine fünf Minuten sitzen die Landtagskandidaten auf ihren „heißen Stühlen“ – da wird es im Saal des Zebef auch schon unruhig. Als der dritte Kandidat sich vorstellen will, zieht es ein Junge vor, sich lieber die Kopfhörer über die Ohren zu stülpen und laute Musik zu hören.

Dabei hatte sich der Jugendrat alle Mühe gegeben, die Kulisse für den „Heißen Stuhl“ zur Landtagswahl spannend zu gestalten. Hinter den Stühlen der sechs eingeladenen Kandidaten flimmert auf der großen Leinwand ein Countdown. 60, 59, 58. Nur eine Minute Zeit bleibt den Kandidaten, sich vorzustellen. Doch schon beim zweiten versagt die Technik und Moderatorin Lilly (15) muss ihren Handy-Wecker zu Hilfe nehmen. Damit auch das Publikum Einfluss auf die Inhalte hat, waren unter den Zuhörern Rote Karten verteilt worden. „Wir wollten verhindern, dass die Politiker sich in Floskeln verlieren und ins Labern verfallen“, sagt Olaf Schmidt. Als Verwaltungsmitarbeiter für Jugend und Kultur begleitet er den Jugendrat seit Jahren. 2008 gab es den ersten „Heißen Stuhl“. Robert Hintz hatte ihn als Jugendratsmitglied mit vorbereitet. Am Donnerstagabend sitzt er nun selbst oben im Podium. Als einer der sechs Kandidaten, die zur Landtagswahl im September antreten spricht auch er von „Bürokratieabbau, unkomplizierterer Förderung von Jugendarbeit, mehr Mobilität im ländlichen Raum…“

Nach zehn Minuten verlassen die ersten jungen Zuhörer den Saal. Nach 15 Minuten gibt’s den ersten Applaus. Nicht für einen Politiker, sondern für einen Zuhörer, den es nicht mehr auf der Fensterbank hält. Michael Bobzin, seit Jahren engagiert in der Jugendarbeit von Ludwigslust, will wissen, warum in Ludwigslust „Rock gegen Rechts“ eingedampft wurde. „Da heißt es immer, es gibt viel zu viel rechtes Gedankengut, und dann wird so etwas einfach mal gestrichen. Das macht die Jugendlichen wütend. Und mich auch.“ Die Politiker forderte Bobzin auf, nicht gegeneinander zu arbeiten, nicht immer nur zu reden, sondern gemeinsam aktiver gegen Rechts zu arbeiten. „So hat es die AfD hier leicht. Und wenn die erst einmal im Landtag drin ist, dann kriegen wir sie auch nicht mehr raus.“ Vor fünf Jahren war Bobzin nicht zur Wahl gegangen. Aus Verärgerung und Verdrossenheit, wie er sagt. „Dieses Jahr wähle ich und hoffe, dass es die AfD nicht schafft.“ Gewählt haben auch die Jugendlichen am Donnerstag vor und nach der Runde im Zebef. Statt 50 Jugendliche gaben am Ende aber nur noch 35 ihre Stimme ab. Auch Noah (19). Der Gymnasiast aus Ludwigslust zeigte sich gestern enttäuscht von den vielen „oft belanglosen Redebeiträgen“ der Kandidaten. „Sie haben doch meistens nur ihre Parteiprogramme abgespult“, sagt Noah. Viel mehr hätte ihn interessiert, was das Land tun will, um mehr Geld zu verdienen und sich interessanter für junge Leute zu machen.

Die Rote Karte wurde während der Gesprächsrunde nicht einmal gezückt. „Schade“, sagt Noah. „Hätte ich eine gehabt, ich hätte sie gezogen. Das hätte dem Abend sicher gutgetan.“

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