Autocross in Tewswoos : Heiße Reifen – kühle Köpfe

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Konzentriert am Start bei 34 Grad: 105 Autocrosser durchwühlen Piste in Tewswoos. Fahrer rettet sich aus brennendem Auto

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28. August 2016, 21:00 Uhr

Bloß schnell raus. Das ist alles, was Carsten Frenz denkt, als er neben sich die Flammen sieht. Keine hundert Meter nach dem Start in der ersten Kurve brennt es in seinem Wagen. Carsten löst sofort den Gurt, klettert allein aus dem Wagen ins Freie.  Zeitgleich hebt der Streckenposten  die rote Fahne. Das Rennen ist abgebrochen. Feuerwehrmänner stürmen auf die Piste, löschen den Brand in wenigen Sekunden.

„Glück gehabt“, sagt Carsten eine Stunde später. Sein Auto, ein „Trabastra“ (eine Mischung aus Trabant und Opel Astra) steht im Camp vom Banana-Team Hohenwoos. Äußerlich unbeschadet, innen aber ist alles voller Sprühschaum. Die Benzinleitung ist offenbar geplatzt. Ein Funke hat gereicht.  „Gut, dass  ich feuerfeste Unterwäsche trage“, sagt Carsten Frenz.  Von den  Flammen sei bereits ein Ärmel seiner Jacke zerschmolzen. „Das hätte auch anders ausgehen können.“ Für den Gadebuscher, der in Hohenwoos aufgewachsen ist und aus alter Verbundenheit für seine Heimatgemeinde startet, ist das Autocross-Rennen  schon vorbei, bevor es richtig angefangen hat.

Mehr als einhundert Crossfahrer  aus ganz MV liefern sich am Sonnabend regelrecht eine Hitzeschlacht auf der 430 Meter langen Runde auf dem Stoppelfeld am Tewswooser Ortsrand. In der prallen Sonne strömen hunderte Zuschauer auf das Gelände. Sie suchen Schutz unter mitgebrachten Regenschirmen, Strohhüten und im Schatten  der Tribüne. Jeder Lauf wird kommentiert und von den Fans bejubelt. „Geil, was?“, sagt Andreas Timm, Mitorganisator. Hinter ihm  drehen fünf  Crossautos an der Startlinie kräftig auf. Motoren dröhnen, beim Start verschwinden die Autos in einer Wolke voller Staub und Erdklumpen.  „Je lauter desto besser“, ruft Timm, den alle hier „Big Timmi“ nennen.  Mit bis zu 100 Stundenkilometern  donnern die Autos auf der Geraden vor der Tribüne an den Zuschauern vorbei. Weil die Autos die Erde durchwühlen und die Fahrbahn dadurch auch absinkt, müssen zwischen den Läufen immer wieder Trecker die Piste aufschütten und mit  Walzen ebnen.

In vier Vorläufen können sich die Fahrer für die Finalläufe  am Abend qualifizieren. Extra gewertet werden auch jugendliche Starter ab 14 Jahren. Florian (17) hofft auf einen Platz im Endlauf. „Das ist Adrenalin pur“, sagt der Kallisser. Er mag „den Dreck, den Krach, die Beschleunigung“. Gefährlich sei das eigentlich nicht. „Wir sind ja gut geschützt. Wie in einem Käfig.“

Die Autos haben sich die Fahrer meist selbst gebaut. „Erst werden sie ausgeschlachtet und dann liebevoll wieder mit neuen Teilen zusammengeschraubt.  Carsten Frenz’ „Trabastra“ hat den Unterbau vom Opel Astra, das Fahrerhaus vom Trabant und  einen Zwei-Liter-Turbo-Motor vom Opel Calibra unter der Haube.

Schon am Tag nach dem Rennen  hat der 27-Jährige  mit  Kumpels und seiner Freundin angefangen,  die Brandspuren im Auto zu beseitigen.  „Wir müssen Kabel neu ziehen und  die Benzinleitung erneuern“, sagt er.   Nächstes Jahr, so Frenz,  ist „Trabastra“ wieder am Start. „Mit neuen Sitzen, neuen Gurten und neuer Hoffnung."
 

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