Nitrat im Grundwasser : Hausbrunnen brauchen Kontrolle

Mit Wasser, das nicht aus kontrollierten Brunnen kommt, sollte man vorsichtig sein.
Mit Wasser, das nicht aus kontrollierten Brunnen kommt, sollte man vorsichtig sein.

In manchen Regionen ist zu viel Nitrat im Grundwasser / Umweltausschuss befasste sich mit der Situation im Landkreis

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12. März 2015, 21:00 Uhr

Wer einen Brunnen auf dem eigenen Gehöft betreibt, sollte das Wasser unbedingt untersuchen lassen. Auf keinen Fall sollte man es bedenkenlos trinken. Selbst auf das Wässern des Gemüses im Garten sollte bis zur Untersuchung verzichtet werden. Das war das Fazit aus einem Vortrag von Dr. Alexander Bachor vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) in Parchim. Der Fachmann informierte am Mittwochabend im Umweltausschuss des Kreistages über den Zustand des Oberflächen- und Grundwassers im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

An rund 270 Messstellen werden pro Jahr in Mecklenburg-Vorpommern Grundwasserproben gezogen. Die meisten davon liegen im oberen Leiter und damit in dem Bereich, den auch private Brunnenbetreiber nutzen, während die großen Versorger zunehmend Wasser aus der Tiefe pumpen.

52 Grundwasserkörper – verteilt auf das ganze Bundesland – werden durch das Lung untersucht. Über die Hälfte (27) stufte das Amt vom chemischen Zustand her als schlecht ein. Die meisten davon wegen zu hoher Nitrat- und Ammoniumbelastung, einige auch wegen der Konzentration an Chlorid und Sulfaten. Zu viel Nitrat und Sulfat ist beispielsweise südlich von Parchim im Grundwasser. Im Westen des Landkreises gibt es Probleme mit Ammonium und Nitrat.

Ein Liter Grundwasser sollte im Durchschnitt nicht mehr als 50 Milligramm Nitrat beinhalten. Dieser Wert wird mittlerweile an 45 Messstellen im Land überschritten, 17 davon liegen im Landkreis Ludwigslust-Parchim. In Tiefen zwischen sechs und 27 Metern liegen die Problemstellen in der Region. Um mehr als das Vierfache wird die Nitratbelastung beispielsweise überschritten an einer Messstelle bei Suckow (225 mg/l), um mehr als das Dreifache am Oberpegel in Grebbin (190), in Parchim (176), Holzendorf (169), Zarrentin (154), um mehr als das Doppelte in Barkow (144), Sternberg (127), Tessin-Dersekow (127), Friedrichsruhe (112), Altenlinden (104).

Von Überschreitungen der Grenzwerte bei Ammonium war am häufigsten der Bereich der Sude betroffen. Extrem hohe Konzentrationen wurden an Messstellen ermittelt, die nur wenige Meter unter dem Gelände unweit vom Plauer See liegen, in Barkow und Altenlinden. Dabei gibt es anders als beim Nitrat die meisten Problembereiche in Brunnen, die tiefer als 50 Meter sind. Insgesamt wird die Ammonium-Belastung an 26 Messstellen im Kreis überschritten.

Auf die Versorgung mit Trinkwasser durch die großen Versorger hat das offensichtlich bislang keinen Einfluss, wie im Umweltausschuss zu erfahren war. Das bestätigte auch Lothar Brockmann, Geschäftsführer des Wasser- und Abwasserzweckverbands Parchim-Lübz (WAZV), der im Osten des Landkreises 14 Wasserwerke betreibt auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir sind mit dem Nitratgehalt weit unter den Grenzwerten.“ Es sei aber bei einigen wenigen Standorten eine steigende Tendenz zu beobachten. Darauf könne notfalls mit dem Anlegen tieferer Brunnen oder auch der Schließung von Wasserwerken reagiert werden. Der Verband will deren Zahl weiter reduzieren.

Um den Zustand des Grundwassers zu verbessern, müssen die Stickstoffüberschüsse auf den Feldern reduziert werden, so Dr. Alexander Bachor. Helfen könnte u.a. eine neue Düngeverordnung, mit der die Sperrfristen für die Gülleausbringung verlängert werden, und auch der Anbau von Zwischenfrüchten.

Am problematischsten ist nach Aussagen von Fachleuten mittlerweile die Nitratbelastung des Grundwassers in Niedersachsen, wo es einen besonders hohen Viehbestand gibt. Dort werden im Durchschnitt auf 60 Prozent der Landesfläche zu hohe Nitratwerte im Grundwasser gemessen.

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