Ludwigslust : Hannes wird Landwirt

Hannes Burmeister beginnt in diesem Jahr seine Lehre.
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Hannes Burmeister beginnt in diesem Jahr seine Lehre.

Neues aus der 10 BR1: Der 17-jährige Hannes Burmeister hat Ausbildungsplatz ergattert

svz.de von
06. April 2015, 07:22 Uhr

Ausschlafen, mit Freunden abhängen oder einfach mal nichts tun. So könnte auch Hannes die Osterferien verbringen. Aber der 17-Jährige hat sich anders entschieden. Er will arbeiten. Im landwirtschaftlichen Betrieb Hof Karp in Kraak hat er sich freiwillig zum Dienst gemeldet. Sein Ferientag beginnt morgens punkt sieben Uhr auf dem Hof. Dann teilt Chef Christian Karp die Arbeiten zu. Hannes, der seit Jahren seinen „Praktischen Tag“ in jeder zweiten Schulwoche hier verbringt, wird Trecker fahren, melken, die Kälber umsorgen oder den Dreck aus der Biogasanlage schaufeln. „Ich bin gern hier“, sagt er. „Was soll ich zuhause rumsitzen, wenn ich hier etwas tun kann.“

Hannes gehört zu den elf Förderschülern der 10 BR1, die SVZ seit September begleitet. In der Klasse lernen Schüler in einem zusätzlichen Jahr für die Berufsreife. Im Gegensatz zu den anderen Förderschulabgängern nach der Neunten haben sie die Chance, direkt nach der Schule mit der Ausbildung zu beginnen. Als wir Hannes das letzte Mal trafen, gab es gerade die Halbjahreszeugnisse. Damit haben sich die Schüler in den Winterferien für einen Ausbildungsplatz beworben. Für Hannes war klar: Er will in die Landwirtschaft gehen. Auf dem Hof Karp, wo er jeden zweiten Donnerstag den Praxis-Schultag verbringt, hat er gelernt, worauf es in dem Beruf ankommt. Am liebsten fährt er mit dem Trecker raus und walzt die Wiesen. „Ich muss an die frische Luft, Büro wäre gar nichts für mich“, sagt er. Er fühle sich gut, wenn er nach Feierabend nach Hause kommt und weiß, was er geschafft habe.

Beworben hat sich Hannes bei der Landwirtschaftlichen Erzeugergenossenschaft Rastow. Auch Christian Karp in Kraak hätte ihn gern genommen. „Er hätte gut in unser Team gepasst“, sagt Karp. „Es ist immer von Vorteil, wenn wir die Bewerber schon im Praktikum bei uns kennen gelernt haben.“ Bei Hannes wisse Karp, dass er sich auf ihn verlassen kann. Nicht wenige Schüler hätten nach kurzer Zeit das Handtuch geworfen. „Denen fehlt es oft an Motivation. Sie haben keine Lust, und nach vier Tagen sind sie einfach weg.“ Hannes fehle nie, komme immer pünktlich und sei sich für harte Arbeit nicht zu schade. Dass sich der Schüler in Rastow beworben hat, hat nur einen Grund: Er wohnt dort, kann dann sogar mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.

Drei Jahre wird seine Ausbildung dauern, den theoretischen Teil wird Hannes im Berufsschulzentrum Nord in Zierow bei Wismar absolvieren, den praktischen in Rastow.

Die meisten aus der 10 BR1, sagt Hannes, hätten noch keine Antwort auf ihre Bewerbungen bekommen. Auch Hannes hat nach der Bewerbung nicht gleich Post erhalten. Er ist dann einfach selbst zum Betrieb gefahren und hat sich die gute Nachricht persönlich abgeholt. „Das Warten“, sagt er, „macht keinen Spaß.“

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