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Neustadt-Glewe : Handgeklapper und „Hoppla“-Rufe

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

22. Neustädter Burgfest: Tausende Gäste bejubeln lautstark die Ritter / Zur Huscarl-Schlacht reisen Kämpfer aus drei Kontinenten an

Der Schweiß rinnt über ihre Gesichter. Die schwarze Schminke, eben noch zwei akkurat gezogene Striche unter den Augen, zerläuft unter den Helmen. Noch stehen sich die Krieger mit vorgehaltenen Schildern ruhig gegenüber. Dann ein Schrei: „Neustaaaaaadt.“ Die Männer machen sich Mut, bevor sie Sekunden später mit Lanzen aufeinander los gehen.

Anders als in gewöhnlichen Mittelalter-Schlachten ist hier unterhalb der Burg von Neustadt der ganze Körper Trefferzone. Das macht die Schlacht so besonders, und deshalb kommen jedes Jahr 300 Kämpfer aus Norwegen, Schweden, den USA, Dänemark, Russland, Frankreich oder Polen in die Stadt an der Elde .

Sechshundert Menschen in mittelalterlichen Gewändern haben sich am Wochenende an der Burg in Neustadt-Glewe niedergelassen. Händler, Gaukler, Musiker, Handwerker, Krieger. Birgit aus Plau am See ist mit ihrem Mann Wido das dritte Mal dabei. „Wer hier rein kommt, lässt den Alltag da draußen hinter sich und taucht ein in eine andere fremde Welt“, sagt sie. Während vom Turnierplatz das dumpfe Klirren der Waffen zu ihr dringt, sitzt sie vor ihrem Zelt und bindet Wolle mit einer Nadel aus Schweineknochen zu einer Mütze. Ihr Mann schürft Speckstein zu Schmuckanhängern. Am liebsten würde er jetzt mitkämpfen. „Aber meine Frau verbietet das. Zu gefährlich“, sagt er. Neustadt-Glewe sei für ihn das größte und spektakulärste Mittelalterfest in Mecklenburg. Aber es müsse aufpassen, nicht zu kommerziell zu werden. „Kein Plastik, keine maschinell genähten Kleider, keine Thüringer Rostbratwürste - die Besucher erwarten Originalität.“

Wie Jörn Oldag, der mit seiner Familie aus Schwerin zum Fest kam. Die Schlacht hat ihn weniger begeistert. Dafür die handbetriebenen Kinderkarusselle, die Spiele der Gaukler und die Turniere der Ritter. „Es ist authentisch hier“, sagt er. „Die Kinder erleben das Mittelalter in all seinen Facetten, von der Sprache bis hin zum Essen.“

So ist Applaus hier ein „Handgeklapper“ und statt „Buh“ rufen die Zuschauer ein „Hoppla“, wenn der Ritter mit der Lanze sein Ziel verfehlt. Oben im Burginnenhof werden kleine Knappen zum Ritter geschlagen, Mädchen lassen sich Haarbänder filzen, Jungs werfen Äxte und Männer stehen Schlange für ein Stück geschmortes Wild.

Die Huscarl-Schlacht auf dem Turnierplatz neigt sich nach drei Runden dem Ende entgegen. Sanitäter kleben die ersten Pflaster auf Schrammen und blutige Nasen. Ein Mann muss mit starken Nackenschmerzen vom Feld getragen werden. Auch Mark von Beckum wird versorgt. Der Mann aus Lippstadt blutet im Gesicht. Eine Platzwunde vom verrutschten Helm. „Halb so wild“, sagt er. Schon am nächsten Tag will er wieder in die Schlacht ziehen.





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erstellt am 02.Jun.2014 | 07:00 Uhr

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