dömitz : „Häuser retten“ in kleinen Schritten

Mario-Timo Moldenhauer zeigt Anke Laschtowitz, wie das Bleiverglasen funktioniert.
Mario-Timo Moldenhauer zeigt Anke Laschtowitz, wie das Bleiverglasen funktioniert.

Gefördertes Kleinprojekt will Dömitzer aufmerksam machen, wie wertvoll die Bausubstanz ist, und anregen, etwas für deren Erhalt zu tun

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14. Dezember 2013, 07:00 Uhr

„Mario, habe ich die jetzt zu klein gemacht?“ fragt Anke Laschtowitz schuldbewusst und schiebt die kleine Scheibe hin und her. Ihr „Lehrmeister“ beruhigt. „Nein, du musst sie nur umdrehen, dann passt sie“, sagt Mario-Timo Moldenhauer und rückt das helle Glas an die richtige Stelle. Anke Laschtowitz  legt eine Bleirute an, klopft sie fest und schneidet das überstehende Ende ab. „Da musst du aufpassen, dass du nicht das Glas triffst“, warnt Moldenhauer die Ludwigslusterin. „Das würde gleich einen Sprung bekommen.“

Moldenhauer ist Glaser und gibt sein Wissen über Bleiverglasung an diesem Nachmittag bei einem Workshop im Seminarhaus „Alte Brauerei“ in Dömitz an interessierte Laien weiter. Der Workshop ist – genauso wie ein Exkurs in die Welt von Stuck und plastischem Gestalten mit Gips unter Leitung von  Stuckateur Karsten (Castano) Schumann – ein Angebot im Rahmen des Projektes „Häuser retten“, das sich mit einem Tag der offenen Tür Einheimischen und Gästen vorstellen will. Das mit EU- und Landesmitteln geförderte Kleinprojekt geht auf die Privatinitiative von Einwohnern zurück. „Dömitz hat auf der einen Seite eine ganz wertvolle Struktur, weil die Altstadt noch als geschlossenes Ensemble existiert. Auf der anderen Seite befinden sich viele Häuser in einem bedauernswerten Zustand“, erklärt Glaskünstlerin Ute Stender. „Mit dem Projekt wollen wir das Bewusstsein für diese Probleme entwickeln, Eigentümer anregen, etwas für ihre Häuser zu tun, und ein Stück Anleitung geben, wie mit wenigen Mitteln einiges erreicht werden kann.“ Vielen Eigentümern sei nicht klar, wie wertvoll diese Gebäude sind, sie hätten kein Interesse, etwas für deren Erhalt zu tun. Das hänge zum Teil auch damit zusammen, dass es zu wenige Nutzer und Mieter für die Objekte gibt, erklärt Ute Stender. Anderen Eigentümern wieder fehlten die finanziellen Mittel, etwas zu tun. „Sie sind machtlos, hilflos und entmutigt.“

Und dort wollen die Mitstreiter des in Kürze endenden Projektes – neben Ute Stender, Mario-Timo Moldenhauer und Castano gehören noch Allrounder Sven Feind und Tänzerin Suhana zum Kern – ansetzen. Sie wollen aufzeigen, welche Möglichkeiten es gibt und dass auch mit ehrenamtlichem Engagement einiges zu erreichen ist. Und weil der größte Feind der alten Bausubstanz die Feuchtigkeit ist, hatten sie den Schuppen einer Nachbarin, in den Wasser eindrang, als ein Objekt gewählt. Gemeinsam deckten sie das Dach neu. „Sonst wäre das Gebäude in wenigen Jahren ganz zerstört gewesen“, so Ute Stender. „Mir tut es um jedes Haus leid, das leidet.“ Auch andere Handwerker konnten für das Projekt gewonnen werden, zeigten unter anderem, wie man Mauerwerk richtig verfugt.

Häuser wirklich retten – das können die Projekt-Mitstreiter aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel eigentlich nicht. „Aber wir wollen anregen, Häuser zu retten, und zeigen, wie es gehen kann und dass es in Gemeinschaft leichter ist“, betont Ute Stender. „Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe geben.“
 

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