SPD-Bundestagswahlliste: Auf aussichtslosem Platz : Hacker sieht sich als Opfer von SPD-Intrigen

 <fettakgl>Hans-Joachim Hacker</fettakgl> (r.)  vor zwei Wochen  mit dem  SPD-Kanzlerkandidaten  Peer Steinbrück in Schwerin <foto>Klawitter</foto>
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Hans-Joachim Hacker (r.) vor zwei Wochen mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück in Schwerin Klawitter

Seit dem 3. Oktober 1990 vertritt Hans-Joachim Hacker Schwerin und die Altkreise Ludwigslust und Hagenow im Bundestag. Nun landete er auf der Bundestagswahlliste seiner Partei auf einem aussichtslosen Platz.

svz.de von
19. März 2013, 06:36 Uhr

Schwerin | Er ist das SPD-Urgestein in der Region. Seit dem 3. Oktober 1990 vertritt Hans-Joachim Hacker die Landeshauptstadt und die Altkreise Ludwigslust und Hagenow im Bundestag. Er kümmert sich um Tourismuspolitik und ist tourismuspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion. Er war in den letzten 20 Jahren Mitglied in einer ganzen Reihe von Ausschüssen, sorgte dafür, dass Straßenbauprojekte in MV grünes Licht erhielten, lag aber auch immer mal quer mit seiner Meinung. So zum Beispiel bei diversen Abstimmungen zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Hacker stellte sich gegen die Forderung des eigenen Landesverbandes zum sofortigen Abzug der Bundeswehr. Noch bei der letzten Bundestagswahl 2009 führte Hans-Joachim Hacker die Landesliste der SPD an. Jetzt landete er auf Platz 4 nach seiner Bundestagskollegin Sonja Steffen aus Stralsund, nach dem Newcomer Frank Junge, Stadtsprecher in Wismar, nach der Neukandidatin Jeannine Pflugrath aus Neustrelitz. Ein aussichtsloser Platz 4 für den Einzug in den Bundestag blieb. "Was war da los, Herr Hacker", wollte SVZ-Redakteur Max-Stefan Koslik von ihm wissen.

Herr Hacker, sind Sie ein Auslaufmodell in der SPD im Land?

Hacker: Nein, ich arbeite seit 20 Jahren für die SPD im Bundestag und werde das auch weiterhin tun. Aber ich habe auf der Vertreterversammlung am Wochenende Argumente gehört, die wenig überzeugend sind. Die Begründungen gingen dahin, dass der Landesvorstand gesagt hat, man wolle unbekannteren Kandidaten eine Chance auf die vorderen Plätze geben. Gestandene Abgeordnete sollten eher auf den hin teren Plätzen Wählerstimmen ziehen. Das ist nicht nachvollziehbar. Ich habe im Bundestag immer Themen besetzt, die besonders die ostdeutschen Probleme betrafen. Die Rehabilitierungsfragen in den 90er Jahren, die Infrastruktur- und Baupolitik sind meine Themen, der Bau der A14, Tourismusfragen... Das sind alles Themen, mit denen man auch immer eine Person in Verbindung bringt. Das alles hat aber keine Rolle gespielt.

Was hat denn dann eine Rolle gespielt?

Hinter meinem Rücken wurden heimlich Absprachen getroffen. Offenbar haben die Kreisverbände und Kandidaten aus Wismar und Stralsund etwas anderes betrieben, als sie mir zuvor versicherten. Da kommt man nur gegen an, wenn man in diesem Kernnetz im Schweriner Schloss im Landtag sitzt. Ich habe gedacht, ich mache meinen Job in Berlin und werde dann gerecht bewertet. Ich wurde Opfer einer kühlen Rechenoperation. Für mich war klar, dass eine Frau auf Platz 1 steht. Ich wäre nie gegen Sonja Steffen angetreten. Aber auf Platz 2 sollte ein Mann stehen, nur auf der Liste stand nicht mein Name. Das wurde im Landesvorstand mit 7 zu 5 bestätigt. Deshalb habe ich auf eine Gegenkandidatur verzichtet. Aber das alles lief nicht ganz fair. So ist das in der Politik manchmal.

Sie wurden auf dem Parteitag nach ihrer Haltung zum Afghanistanabzug gefragt, hat man Ihnen ihr Abstimmungsverhalten da übel genommen?

Man hätte mir sagen können, weil Du nicht gegen Kriegseinsätze bist, haben wir die Liste so aufgestellt. Hat aber niemand gesagt. Zur Sache: Ja, ich habe da eine klare Linie. Ich bin dafür, dass wir das umsetzen, was die Bundespartei immer beschlossen hat. Beim Ausstieg haben wir beschlossen, dass wir einen geordneten Rückzug haben wollen, bis Ende 2014. Diese Position ist von Frank Steinmeier ausgegangen und diese Position habe ich immer unterstützt. Mir hat man wahrscheinlich angekreidet, dass ich mich anderen Überlegungen nicht angeschlossen habe. Für mich waren die Einschätzungen von Bundeswehroffizieren maßgeblich. Und die sagen, ein geordneter Abzug dauert neun bis zwölf Monate.

Vermuten Sie den Landesvorsitzenden Erwin Sellering hinter der Listenaufstellung, der für einen sofortigen Abzug ist?

Nein, der steckt nicht dahinter. Der Landesvorsitzende ist ja ein objektiver Mann.

Also wie jetzt weiter?

Jetzt kämpfe ich um meinen Wahlkreis und hole das Direktmandat.

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