Ludwigslust : Gummibärchen für die Probe-OP’s

Rettungsassistent Holger Jahnke (l.) und Rettungssanitäter Andreas Wiechert (r.) zeigen, worauf es bei einer Wiederbelebung ankommt.  Fotos: Franziska Meier
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Rettungsassistent Holger Jahnke (l.) und Rettungssanitäter Andreas Wiechert (r.) zeigen, worauf es bei einer Wiederbelebung ankommt. Fotos: Franziska Meier

Der Stift Bethlehem öffnete seine Türen. Etwa 1000 Besucher kamen und wagten einen Blick hinter die Kulissen

svz.de von
06. Juni 2016, 21:00 Uhr

Marlies Quade blickt konzentriert auf den kleinen Monitor, der vor ihr steht. Die 53-Jährige probiert sich das erste Mal in einer Schlüsselloch-Chirurgie an einem Phantom-Torso aus. Denn am vergangenen Wochenende öffnete das Stift Bethlehem seine Türen für Neugierige und Interessierte der Medizin.

Auf verschiedenen Stationen können die Besucher sich rund um die Themen Herz, Gefäßchirurgie, Organspende, Radiologie, Anästhesie, Darmkrebsvorsorge und vieles mehr informieren. Und einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen. Zusätzlich werden Vorträge von Fachärzten angeboten.

So ist auch Marlies Quade an diesem Tag gekommen, um ihre Neugierde zu stillen. Nun hält die Neustädterin in der rechten Hand einen verlängerten Greifarm. Mit diesem versucht sie verzweifelt, das kleine grüne Gummibärchen zu greifen. Vergebens. „Meine Güte, ist das anstrengend“, stellt sie schließlich nach einigen Minuten erschöpft fest und übergibt das Instrument an ihren Ehemann. Pfleger Hans Pinnow greift helfend ein. Er hält die mikroskopische Kamera. „Dafür braucht man ja auch sehr viel Übung. Man weiß eigentlich nie so recht, was einen vorher erwartet. Denn jeder Patient sieht von innen anders aus. Stellen Sie sich vor, bei diesem Eingriff handelt es sich um eine komplizierte Gallen-Entfernung. Das könnte schon mal bis zu vier Stunden dauern“, weiß er.

Marlies Quade ist überrascht: „Das hätte ich nun wirklich nicht erwartet. Man muss bei den Bewegungen anfänglich umdenken und die Arme tun einem so schnell weh“, sagt sie und lacht.

Auch Jana Tiede und Anke Ackermann versuchen sich im Innenhof an einer Endoskopie, ebenfalls anhand eines Gummibärchens. Die beiden Krankenschwestern Martina Stier und Ute Fischer zeigen den beiden Frauen, wie das Gerät funktioniert und erklären den Ablauf des Eingriffes. Dabei stehen sie direkt vor einem etwa 20 Meter langen begehbaren „Darm“. „Damit wollen wir den Menschen einfach die Angst bezüglich der Untersuchung zur Darmkrebsvorsorge nehmen und darauf hinweisen, dass dieses Thema mit zunehmendem Alter immer wichtiger wird“, sagt Ute Fischer, die bereits seit etwa zehn Jahren im Stift arbeitet. Derweil zeigen Andreas Wiechert und Holger Jahnke mit Hilfe der Wiederbelebungspuppe namens „Anne“, worauf man bei einem Erste-Hilfe-Eingriff als Laie achten sollte. „Es ist möglich, die Atmung der Puppe zu verstellen, sodass wir verschiedene Krankheiten durchspielen können. Außerdem kann man den Puls ertasten und das Herz schlagen hören“, erzählt der Rettungssanitäter Wiechert, der sich gerade zusätzlich in Ausbildung zum Notfallsanitäter befindet.

„Es ist großartig, dass zahlreiche Pfleger, Krankenschwestern, Ärzte und Personal an diesem Tag mitanpacken und sehr gute Teamarbeit leisten. Sonst hätten wir diese Veranstaltung nicht auf die Beine stellen können“, betont der 57-jährige Stiftspropst Jürgen Stobbe im SVZ-Gespräch. Diese Aktion sei besonders wichtig, um den Menschen in der Umgebung zu zeigen, wie gut das Krankenhaus mit dem Schwerpunkt auf innere Medizin und Gefäßchirurgie gerade nach dem Zusammenschluss mit dem Hagenower Krankenhaus aufgestellt sei. „Außerdem wollen wir auch endlich der Gerüchteküche entgegenwirken. Denn wir fungieren als lebendiger und gut funktionierender Verbund“, so Stobbe. Auch Sabine Oesterlin, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, ist zufrieden an diesem Nachmittag. „Wir haben heute wunderbares Wetter und um die 1000 Besucher zu verzeichnen.“

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