Neu Kaliss : Großer Spatenstich am Deich

Mit großem Gerät vollzieht Till Backhaus den symbolischen Start für die Arbeiten am Kalisser Deich.
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Mit großem Gerät vollzieht Till Backhaus den symbolischen Start für die Arbeiten am Kalisser Deich.

Für die Ertüchtigung des Kalisser Deiches ist der erste Spatenstich gesetzt worden. Während des Juni-Hochwassers hatten die Deichwachen hier mehr als 100 Gefahrenmeldungen abgegeben.

svz.de von
04. Dezember 2013, 07:00 Uhr

Rechter Hebel nach hinten, linker Hebel nach rechts. Schon senkt sich die Schaufel des gelben Baggers und greift in das Erdreich. Im Fahrerhaus sitzt Till Backhaus, Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister. Er ist ein guter Fahrschüler. „Ich habe es nur einmal erklärt, und es hat gleich geklappt“, lobt Baggerführer Jochen König, der Backhaus zuvor eine kleine Einweisung gegeben hatte. Der Minister ist gestern Mittag nach Neu Kaliß gekommen, um den ersten Spatenstich bei den Bauarbeiten am Kalisser Deich zu machen. Einen Spaten nimmt er zwar nicht in die Hand, aber darauf kommt es auch nicht an. Wichtig ist, dass es losgeht.

Während des Hochwassers hätten die Deichwachen vom Heiddorfer und vom Neu-Kalisser Deich mehr als 100 Meldungen zu Qualmwasser- und Sickerstellen abgegeben, erinnert Walter Klamann, Leiter der Dömitzer Außenstelle des Staatlichen Amts für Landwirtschaft und Umwelt (StALU), an die dramatischen Tage im Juni. „Wie viele Bigbags lagen hier, um den Deich zu sichern“, ergänzt Bürgermeister Burkhard Thees. All das soll es künftig nicht mehr geben. Denn im Zuge der jetzt begonnenen Arbeiten wird die Berme, der horizontale Abschnitt am Fuße des Deiches, erhöht und verbreitert. Dadurch hat das durchdrückende Wasser einen längeren Weg durch den Damm, der Deich wird standsicherer.

Die beauftragte Firma Eggers, Niederlassung Wittenberge, trägt dazu landseitig am Fuß des Deiches Mutterboden ab. Anschließend wird bis 1,50 Meter unterhalb der Deichkrone Sand aufgeschüttet und verdichtet, schließlich eine Schotterschicht und Mutterboden aufgetragen. „Weil wir nicht wissen, wie Winter und Frühjahr werden, wird in 800 bis 1000 Meter langen Abschnitten vorgegangen“, erklärt Walter Klamann. Insgesamt werden 2,8 Kilometer Deich zwischen der Hohen Brücke bei Dömitz und der Ortslage Neu Kaliß auf diese Art und Weise verstärkt. Am anderen Ufer der Müritz-Elde-Wasserstraße sind die gleichen Arbeiten bereits zur Hälfte vollendet. Insgesamt rund 750 000 Euro fließen aus dem Aufbau-Fonds für Hochwasserschäden in diese beiden Bauprojekte. „Dass die Arbeiten so schnell beginnen würden, hätte ich nicht gedacht“, lobt der Bürgermeister. „Die Menschen sehen, dass wir nicht nur schnacken, sondern etwas machen.“

Die Baumaßnahmen links und rechts der Müritz-Elde-Wasserstraße sind zwei von insgesamt 55 Sofortmaßnahmen, die nach dem Juni-Hochwasser als notwendig herausgearbeitet worden waren. „35 davon sind bereits realisiert oder befinden sich in der Umsetzung“, betont Till Backhaus. Die Befreiung der Deiche von den Sandsäcken, die Instandsetzung der Wege im Bauschpark und die Beseitigung von Spurrinnen gehörten ebenfalls dazu. Eine weitere könnte die Spundwand in Heiddorf werden. „Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass wir hier bei Hochwasser alle zwei Jahre die gleiche Situation haben“, so Backhaus. Deshalb werde angestrebt, statt eines langwierigen Planfeststellungsverfahrens ein Plangenehmigungsverfahren durchzuführen. „Wenn alles gut geht, dann wären wir in der Lage, 2015 zu bauen.“

Für den Kalisser und den Heiddorfer Deich werden die jetzigen Baumaßnahmen möglicherweise nicht die letzten sein. Sie waren nach Aussage von Walter Klamann 1830 errichtet und Mitte der 1990-er Jahre verstärkt und erhöht worden – auf das damalige Bemessungshochwasser von 1983. Das liegt bei 17,35 Metern über Normalhöhennull und entspricht einer Deichhöhe von 6,80 Metern. Wohl nur dank des Freibordes – 50 Zentimeter Höhe zusätz-lich – schwappte das Juni-Hochwasser mit einem Pegel von 7,21 Metern in Dömitz nicht über den Schutzwall hinweg. „Ob die Bemessungswerte noch ausreichen, wird derzeit in Studien geprüft“, reagiert Till Backhaus auf die Frage nach der Deichhöhe. Zuvor hatte er bereits auf den Sonderrahmenplan „Präventiver Hochwasserschutz“ verwiesen, der Bestandteil der ausgehandelten Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und SPD ist. Erstmals sei auch der Bund daran beteiligt, so Backhaus. Es gelange allmählich in das Bewusstsein, dass es besser ist, jetzt zu investieren, als irgendwann wieder Hochwasserschäden in Höhe von acht Milliarden Euro beklagen zu müssen.

Auf der Sonderkonferenz der Elbe-Minister morgen in Berlin wird eine weitere vorsorgliche Hochwasserschutzmaßnahme eines der Themen sein. „Auch wenn es Widerstand geben wird – wir werden im Elbvorland eingreifen müssen“, betont Till Backhaus. „Das Gehölzmanagement wird kommen.“ Es geht um den Bewuchs an den Ufern des Flusses, der die Elbe aufstaut. Ohne diesen Aufstau würde das Wasser zwischen 37 und 55 Zentimetern niedriger auflaufen. „Entweder wir bauen höhere Deiche, die aber brechen können. Oder wir ergreifen Maßnahmen, die die mögliche Durchflussmenge erhöhen.“


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