Ludwigslust : Grenzgänger mit der Kamera

Günter Grätsch und Ines Senftleben, Fachbereichsleiterin Arbeit im Lebenshilfewerk, beim Aufbau der Ausstellung im Landratsamt.
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Günter Grätsch und Ines Senftleben, Fachbereichsleiterin Arbeit im Lebenshilfewerk, beim Aufbau der Ausstellung im Landratsamt.

Außergewöhnliche Ausstellung des Fotoclubs der Lebenshilfe Mölln-Hagenow vor der Eröffnung in Ludwigslust

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30. September 2015, 07:00 Uhr

Auf einem großen Foto strahlt Till Backhaus mitten in einer bunten Gruppe Jugendlicher. Der Minister hat sich unter Menschen unterschiedlicher Nationalität gemengt. Das sieht der Betrachter auf den ersten Blick. Die Aufnahme ist in Lübtheen entstanden – ausgerechnet, wird mancher sagen, ist die kleine Stadt doch durch dort wohnende ultrarechts gesinnte Menschen bekannt geworden.

Das Bild passt so gesehen punktgenau in die Ausstellung „Grenzlichter“, die vom 3. bis 31. Oktober im Foyer der Ludwigsluster Dienststelle der Kreisverwaltung zu sehen sein wird. Die Mitglieder des Fotoclubs „Lichtwerk“ des Lebenshilfewerks Mölln-Hagenow haben sich auf die Suche nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Ost-West-Vereinigung begeben. Menschen mit unterschiedlichen Arten und Graden von Behinderungen haben entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze Fotos gemacht, die für sich sprechen und die keine Zufallstreffer sind.

Das betont Günter Grätsch, Fotojournalist und früher beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag, der die Gruppe anleitet. Im Rahmen des vor 15 Jahren initiierten Projektes „Begegnungen“, einer Integrationsoffensive, entstand auf Anregung des Geschäftsführers des Lebenshilfewerks Mölln-Hagenow, Hans-Joachim Grätsch, die Idee, mit dem Fotoclub ein Projekt zum 25. Jahrestag der deutschen Einheit zu verwirklichen.

Entstanden sind Momentaufnahmen einer bezaubernden Landschaft zwischen Schaalsee und Ostsee mit den Menschen, die hier wohnen und arbeiten. Der überraschende Blickwinkel tritt zutage, der auch hässlichen Stacheldraht zum (gewollten) Blickfang machen kann.

Dazu haben Menschen erzählt, wie sie den Abend des Mauerfalls im November 1989 erlebt haben. Besucher der Ausstellung werden dies lesen können. Genauso wie wichtige geschichtliche Fakten, die mit der innerdeutschen Grenze zusammenhängen. Dadurch entstehen Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen, nachzufragen, in Frage zu stellen und neue Perspektiven einzunehmen – sowohl vor als auch hinter der Kamera.

Gegründet wurde der Fotoclub im Herbst 2007. An den Standorten Mölln, Geesthacht, Schwarzenbek und Hagenow wurden Foto-Arbeitsgemeinschaften eingerichtet, in denen behinderte Beschäftigte und Bewohner der Werk- und Wohnstätten den Umgang mit der Kamera erlernen und ausprobieren. Sie haben Spaß an der Fotografie – aber auch am Gespräch über die Bilder. Bei ihren Treffen geht es um Fragen der Bildgestaltung, die Technik und um Begegnungen.

Daneben wird den Mitgliedern des Fotoclubs die Fotografie in Workshops näher gebracht. Unter der fachlichen Leitung des Fotojournalisten hat man sich vom schnellen „Knipsen“ verabschiedet und nähert sich so dem durchdachten und gut gestalteten Foto.

Assistenten der Fotoclubs stehen dabei als ausgebildete Begleiter und Anleiter mit Rat, Tat und Ideen vor Ort zur Seite.

Das Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow wurde im Jahre 2001 gegründet. Nach dem Grundsatz der Akzeptanz eines jedes Menschen in seiner Einzigartigkeit arbeiten 450 Mitarbeiter für Menschen mit Behinderungen in den unterschiedlichsten Einrichtungen.

Termin:

Die Ausstellung „Grenzlichter“ wird am Sonnabend, 3. Oktober, um 13 Uhr im Gebäude des Landratsamtes Ludwigslust, Garnisonsstraße 1, eröffnet. Eine Gesprächsrunde zum Thema moderiert SVZ-Chefredakteur Michael Seidel. Neben Minister Dr. Till Backhaus sind auch Mitglieder des Fotoclubs Gesprächspartner.

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