zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

23. Oktober 2017 | 13:50 Uhr

dömitz : Gräber sollen weiter mahnen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ruhestätte von zwei am 7. Mai 1945 erschossenen Männern wird wieder hergerichtet / Auch große Kriegsgräberanlage wird instand gesetzt

Fast 70 Jahre lang hatten sie in Frieden auf dem Dömitzer Friedhof geruht. Dann waren die Gräber von Erich und seinem Freund Achim, die am 7. Mai 1945 in der Elbestadt erschossen worden waren, plötzlich eingeebnet worden. Für Christel Fuhrmann, die einen der Jungen persönlich kannte, ein Schock. „Betoneinfassung, der angepflanzte Kriechwacholder, Blumen – alles war weg“, erzählt sie. „Man konnte kaum noch erkennen, wo sich die Gräber befunden haben.“ Mindestens genauso geärgert hat sich die Dömitzerin darüber, dass die Holzkreuze, die ihr verstorbener Mann geschnitzt hatte, vernichtet wurden. „Sie waren Kulturgut“, sagt Christel Fuhrmann.

Die Kreuze kann niemand zurückbringen, doch die beiden Gräber sollen nach Aussage von Dömitz’ Bürgermeister Helmut Bode noch in diesem Jahr an alter Stelle wieder hergestellt werden. „Wenn wir die Rückmeldung haben, dass sie in die Kriegsgräberliste aufgenommen worden sind, setzen wir uns mit der Kriegsgräberfürsorge in Verbindung, um die Gräber wieder herrichten zu lassen.“ Die aktualisierte Liste ist nach Auskunft vom Landkreis Ludwigslust-Parchim in der vergangenen Woche an das zuständige Landesamt für innere Verwaltung gegangen. Damit sind für Dömitz nunmehr 41 Kriegsgräber offiziell registriert. Für sie gilt laut Gräbergesetz ein dauerhaftes Ruherecht. Als Kriegsgrab gilt ein Grab danach allerdings nicht, wenn es privat gepflegt wird. Die ursprünglich angedachte Umbettung von den beiden Gräbern auf die große Kriegsgräberanlage ist nicht möglich.

Christel Fuhrmann wäre zufrieden, wenn die Gräber wieder hergerichtet werden und die beiden Toten – etwa auf einer Grabplatte – ihre Namen zurückbekommen würden. „Als Mahnung und Erinnerung“, sagt die Dömitzerin, der die Gräber besonders am Herzen liegen. Ihr späterer Mann und sie waren gemeinsam mit Erich zur Schule gegangen. In den letzten Kriegstagen hatten sich Erich und Achim, die zuvor als Luftwaffenhelfer in Wittenberge eingesetzt waren, bis nach Dömitz durchgeschlagen. Noch in Uniform kamen sie in der Elbestadt an. Weil Erichs Eltern aber schon im Westen waren, ging er zum Elternhaus seines Schulfreundes. „Dort bekamen sie Zivilsachen und auch ein Kahn wurde bereitgestellt, damit sie über die Elbe kommen“, erinnert sich Christel Fuhrmann an die Erzählungen ihres Schwiegervaters. „Doch Erich wollte von zu Hause unbedingt noch seine Karl-May-Bücher holen. Als mein Schwiegervater die Schüsse hörte, wusste er sofort, was passiert war.“ Die beiden Jungen – 17, höchstens 18 Jahre jung – waren auf dem Wall erschossen worden. Einen Tag später war der Krieg zu Ende.

Während Erich und Achim im Einzelgrab beigesetzt worden waren, fanden die späteren Kriegsopfer – unter anderem Männer, die im Lazarett an ihren Kriegsverletzungen verstarben – an anderer Stelle auf dem Friedhof Seite an Seite ihre letzte Ruhestätte. Diese Anlage soll in diesem Jahr für rund 40 000 Euro instand gesetzt werden, so Helmut Bode. Der Zuwendungsbescheid über die finanziellen Mittel liegt der Stadt bereits vor. Geplant sei unter anderem, die zum größten Teil unleserlichen Grabsteine zu restaurieren oder durch neue zu ersetzen.

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen