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Grabower Küsschen : Grabower Süßwaren im Warnstreik

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Rund 200 Beschäftigte legten gestern für Stunden die Arbeit nieder/ NGG: Arbeitgeber will Ergebnis nicht im Tarifvertrag festschreiben

von
erstellt am 27.Jan.2015 | 21:15 Uhr

Der Lärm der Trillerpfeifen war ohrenbetäubend, per Megaphon, mit Transparenten und Plakaten machten die Streikenden gestern Mittag vor dem Werktor der Grabower Süßwaren GmbH auf ihre Situation aufmerksam. „100 % Ost in 10 Jahren - Altersarmut“, „Zusätzlich Hartz IV - nicht wir“, 100 % Leistung - 76,5 % Lohn - Warum“ – mit diesen und anderen Aussagen brachten die rund 200 Beschäftigten der Grabower Süßwaren GmbH ihren Unmut über den Verlauf der Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft und dem holländischen Konzern zum Ausdruck. Am Betriebstor hing ein Plakat. „Lieber Arbeitgeber 3 Fragen: Sagen Sie, was Sie denken? Denken Sie, was Sie sagen? Und warum unterschreiben Sie den Tarifvertrag nicht?“ Klare Ansage an die Geschäftsführung und Konzernspitze. Seit Juni 2010 ist Grabow ein Unternehmen der niederländischen Continental Bakeries Gruppe. „Der Arbeitgeber hat keinen Tarifvertrag unterschrieben, nur eine Absichtserklärung vorgelegt“, so Ulf Evers, der Betriebsratsvorsitzende des Grabower Unternehmens und gleichzeitig auch Gesamtbetriebsratsvorsitzender des Konzerns, gegenüber SVZ.

„Zur Eröffnung der 2. Tarifrunde wurde ein schriftliches Angebot unterbreitet mit der Absicht, bis 2025 dann 100 Prozent Tarif Ost in der Süßwarenbranche zu zahlen“, ergänzt der Gewerkschafter. Vereinbart war eine Anhebung der Tarife auf 81 Prozent im Jahr 2015, dann eine jährliche Anhebung von 2,1 Prozent, so dass man dann im Jahre 2025 bei 100 Prozent im Flächentarif Ost angelangt sei.

Bislang gab es drei Verhandlungsrunden: Am 11. November, am 12. Dezember und jüngst am 7. Januar 2015. Weil das bisherige Ergebnis nicht zufrieden stellt, hatten Betriebsrat und die Gewerkschaft NGG zum Warnstreik aufgerufen. „In der Zeit von 12 bis 15 Uhr legen die Beschäftigten die Arbeit nieder. Und das wird auch am kommenden Freitag so sein, dann findet die nächsten Tarifverhandlung statt“, erklärte Jörg Dahms, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG).

„Wir haben mit den Kollegen am Standort Bassenheim bei Koblenz gesprochen. Ohne Anstalten zu machen, werden da 100 Prozent Tarif gezahlt - und wir reden hier von Ost-Tarif“, ergänzt Uwe Evers, der nicht unerwähnt lassen will, dass die Bevölkerung aus der Region hinter den Forderungen der Grabower Schaumkussproduzenten stehe. „Für uns ist es das erste Mal in Deutschland, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig sind, aber dann sagt der Arbeitgeber, er verankert das im Tarifvertrag nicht“, kritisiert Jörg Dahms.


An Altersvorsorge gar nicht zu denken


Auch für Michael Schrank (43) ist das unverständlich. „Man kommt mit dem Geld über die Runden, man arrangiert sich, aber von Altersvorsorge ist da gar nicht zu reden“, sagte der Schichthandwerker, der seit acht Jahren im Grabower Betrieb arbeitet. Und wenn Unternehmen der Lebensmittelbranche der Region in einem Umkreis von 30 Kilometern 100 Prozent Ost-Tarif zahlen, dann sei es nicht nachzuvollziehen, warum das hier in Grabow nicht auch möglich sein sollte, so der 43-Jährige.

„Wir befinden uns noch in Tarifverhandlungen“, so Simone Koltzau, die Grabower Werkleiterin. „Wir haben bei den Konditionen und bei der Verständigung 100 Prozent Übereinstimmung erreicht, deshalb bin ich überrascht, dass gestreikt wird. Gerne möchte die Gewerkschaft einen 10-Jahres-Vertrag abschließen, das wäre erstmalig in der Gewerkschaftsarbeit. Aber wir als Unternehmen müssen zu einem seriösen Ergebnis kommen“, so Simone Koltzau. Remmer Bockelmann, Geschäftsführer der deutschen Unternehmen unterm Dach der Bakeries Group, bekräftigte, dass es eine Übereinstimmung bei den Konditionen zwischen Gewerkschaft und Tarifkommission gegeben habe. Er war überrascht, aus den Medien vom Warnstreik zu erfahren. „Noch sind wir in laufenden Tarifverhandlungen. Wir sind nicht bereit, dazu Kommentare zu geben.“

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