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Bürger protestierten gegen Impf-Versuche an Fohlen : Grabower gegen Gentechnik-Gefahren

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Bürger aus Grabow, Groß Laasch, Spornitz und der Lewitz-Region äußerten gestern bei einer Demo am Quarantänestall in Heidehof ihren Unmut über die Pläne des Gestüts Lewitz, Gen-Impfversuche an Pferden durchzuführen.

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erstellt am 15.Feb.2012 | 06:15 Uhr

Heidehof | "Gesunde Kinder statt genmanipulierter Bakterien", "Keine Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmitteln", "Keine Freisetzung genmanipulierter Bakterien in Grabow" - auf diesen und anderen Plakaten sowie Transparenten äußerten gestern rund 30 Bürger aus Grabow, Groß Laasch, Spornitz und der Lewitz-Region bei einer Zusammenkunft am Quarantänestall in Heidehof ihren Unmut über die Pläne des Gestüts Lewitz, Gen-Impfversuche an Pferden durchzuführen.

In den vergangenen Tagen hatten sich engagierte Bürger mit ihrer Sprecherin Gisela Welke aus Grabow, unterstützt vom BUND, dafür eingesetzt, dass dieses brisante Thema in der Öffentlichkeit Beachtung findet und auch von der Politik wahrgenommen wird.

Und die Zeit drängt, denn Einwendungen gegen dieses Vorhaben können nur noch bis heute Abend 18 Uhr im Bürgerbüro der Stadt Grabow abgegeben werden, denn dann endet die Einspruchsfrist. Zusammen mit den bisher beim Büro des Bürgermeisters eingereichten Einwendungen werden diese an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) geschickt, das wird am morgigen Freitag, dem 17. Februar, sein. Bürgermeister Ulrich Schult versicherte den anwesenden Bürgern noch einmal, dass die Stadt hinter ihnen stehe, die Stadtvertretung einen Beschluss gefasst habe, der diese Gen-Impf-Versuche ganz klar ablehne. Das Bundesamt will Anfang nächster Woche über die Einwendungen informieren.

Einwendungen noch bis heute um 18 Uhr im Bürgerbüro abgeben

Der angeblich abgesagte Freisetzungsversuch an Pferden im Gestüt Lewitz soll laut der beantragenden holländischen Firma Intervet International B.V. doch durchgeführt werden, heißt es in einer Erklärung des BUND. In einem dreijährigen Freisetzungsversuch sollen demnach Fohlen mit einem gentechnisch veränderten bakteriellen Lebend-Impfstoff gegen eine eitrige Lungenentzündung vorbeugend behandelt werden. Der BUND verweist auf die unvorhersehbaren Gefahren, die durch die Freisetzung gentechnisch veränderter Bakterien entstehen können und informiert darüber ausführlich in einer sechsseitigen Stellungnahme. Der Hersteller und eine Expertin sehen das anders.

Dr. Burkhard Roloff, Gentechnik-Experte beim BUND: "Der bereits abgesagte Freisetzungsversuch soll nun doch durchgeführt werden. Wir fordern jeden Bürger auf, der gegen diesen Freisetzungsversuch ist, seine Einwendungen schriftlich zu formulieren und noch bis zum heutigen Donnerstag im Rathaus abzugeben. Alle Einwendungen werden schriftlich beantwortet, bei der Bewertung des Antrags berücksichtigt und im Bescheid behandelt. Dadurch kann der Freisetzungsversuch verhindert, verzögert oder bei Genehmigung sicherer gemacht werden."

Die Grabowerin und Sprecherin besorgter Bürger vor Ort, Gisela Welke, erklärte zu den Gründen des Widerstandes gegen den Freisetzungsversuch in Grabow: "Ich bin, wie viele andere Grabower Bürger, in meinem Recht auf Gesundheit und körperliche Unversehrtheit durch die Risiken dieser Freisetzung beeinträchtigt. Da die Ausbreitung der gentechnisch veränderten Bakterien laut dem Freisetzungsantrag nicht durch Sicherheitsvorkehrungen beschränkt werden kann, bin ich von den schädlichen Auswirkungen der Freisetzung unmittelbar betroffen und kann nicht geschützt werden."

So wie sie sahen es auch viele andere Bürger, darunter auch Kinder, die dieses aus ihrer Sicht gesundheitsgefährdende Vorhaben ebenfalls ablehnen. "Es ist besser, Fördermittel für ökologischen Landbau und gesunde Ernährung auszugeben, als für solche Versuche", so Dr. Burkhard Roloff.

Im Rahmen der Freisetzung sollen in maximal drei aufeinanderfolgenden Jahrgängen Pferdefohlen mit einem genmanipulierten bakteriellen Lebendimpfstoff geimpft werden. Dieser soll die Tiere gegen die eitrige Lungenenentzündung Rhodococcus equi immunisieren. Diese kann auch bei Menschen, Schweinen, Rindern, Schafen, Ziegen, Katzen und Hunden auftreten. Es besteht die Gefahr, dass neue Krankheitserreger entstehen können, deren Wirkspektrum anders oder größer ist als der ursprüngliche Erreger. Da der Erreger sowohl passiv mit der Luft bzw. mit dem Pferdekot als auch im Staub oder Bodenabtrag und aktiv durch Vögel und Nager verbreitet wird, sind sowohl die Pferde in unmittelbarer Nachbarschaft des Gestütes als auch wild lebende Tiere, wie Wildschweine gefährdet.

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