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Ludwigsluster Tageblatt

24. Juni 2017 | 22:56 Uhr

Gorlosen : Gorlosener feiern ihren Ritter

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Geschichte von Martin von Waldenfels zum Auftakt der 700-Jahr-Feier auf der Bühne. Festumzug mit 40 Bildern führt durchs Dorf.

Das Theaterspiel hatte Christliebe Ehlert schon vor Jahren geschrieben. Am Freitagabend bescherte es – ein wenig aufgepeppt – der 700-Jahr-Feier Gorlosens einen amüsanten Auftakt, der die Einwohner der Gemeinde schnell in Feierlaune brachte. Die frühere Katechetin der Kirchengemeinde gab die Blumen im SVZ-Gespräch jedoch noch vor der Aufführung weiter: „Meine Schauspieler sind so toll, die könnten das als Beruf machen.“

 

Nach einem kurzen Abriss der frühen Gorlosener Geschichte, recherchiert und vorgetragen durch Bärbel Krambeer, öffnete sich der Vorhang. Zum Vorschein kamen eine rustikale Ritterstube und der Gorlosener Ritter Martin von Waldenfels, alias Axel Röhl, mit seinem Gefolge im Jahr 1545. Ritter Waldenfels, der dem dänischen König Soldaten überlassen hatte, den Sold dafür aber nicht bekam, wollte sich das ausstehende Geld nun auf andere Weise holen. Er ersann, den Lübecker Bischof Balthasar von Rantzau zu entführen und so die Zahlung zu erpressen. „Das ist nichts Ausgedachtes und keine Sage, wir spielen Geschichte“, erklärte Christliebe Ehlert, die nicht nur das Stück geschrieben hatte, sondern auch Regie führte und die Kulissen – Ritterstube, das Lübecker Holstentor und die große Kirchentür – in nächtelanger Kleinarbeit gestaltet hatte.

Die etwa 15 Schauspieler, darunter Bürgermeister Berthold Böttcher und der einstige Bürgermeister von Dadow, Bodo Döring, waren nicht nur in mittelalterliche Kostüme geschlüpft, sondern spielten die Charaktere mit Leib und Seele, mit Witz und der Freude daran, auch über sich selbst zu lachen. Das Publikum amüsierte sich, honorierte das Spiel mit tosendem Applaus und Gejohle.

Mit dem gleichen Einsatz wie das historische Theaterstück gestalteten die Einwohner der Gemeinde auch den Festumzug am Sonnabendmittag. Insgesamt 40 Bilder – von Landwirtschaft bis Feuerwehr, von Konsum bis Standesamt – zogen durch den Ort, bestaunt von unzähligen Zuschauern am Straßenrand. „Mit einer Länge von rund 260 Metern kann sich der Umzug sehen lassen“, sagte Bürgermeister Berthold Böttcher. Schon am Freitag hatte er sich für alle Mühen und Ideen bedankt und hervorgehoben, dass die Vorbereitung der Jubiläumsfeier das Gemeinschaftsgefühl in der Gemeinde Gorlosen gestärkt habe. „Jede Gemeinschaft lebt von Menschen, die mehr als ihre Pflicht tun“, so der Bürgermeister.

Stefan Sternberg, als leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Grabow unter den Ehrengästen, war ebenfalls beeindruckt. „Das ist das lebende Beispiel dafür, dass wir keine Gemeindefusionen brauchen, weil wir lebendige, gute Gemeinden haben“, sagte er mit Blick auf die aktuellen politischen Diskussionen in Mecklenburg-Vorpommern. „Es wäre lohnenswerter in die weitere Existenz der Gemeinden zu investieren, damit die Bürger vor Ort auch leben können.“

Der Name „Gorlosen“ ist nach Aussage von Bärbel Krambeer altslawischer Herkunft und steht für Bergwaldort. Erstmals erwähnt wurde er im Jahr 1317 in einem Schiedsspruch zu einem Friedensbruch und einer Grenzverletzung.

 

 

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erstellt am 18.Jun.2017 | 18:50 Uhr

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