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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 04:25 Uhr

Hohen Woos : Glücklich am finstersten Ort

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Astronomen aus ganz Deutschland treffen sich einmal im Jahr bei Döschers in Hohen Woos und sind begeistert von Stille und Dunkelheit

von
erstellt am 02.Sep.2016 | 07:00 Uhr

Wenn der Nachthimmel so klar ist, dass sich das weiße Band der Milchstraße quer über den Himmel zieht und man die Andromedagalaxie mit bloßem Auge erkennt - dann gibt es für Horst Mütze keinen schöneren Ort als Döschers Hof in Hohen Woos. „Traumhaft war es“, schwärmt der 71-Jährige noch heute von der vorletzten Neumondnacht. „Wir haben so viel da oben gesehen, dass an Schlafen nicht zu denken war.“

Seit gestern campen dutzende Astronomen aus ganz Deutschland auf der Wiese neben dem Töpferhof.

Den Platz hat sich Organisator Nils Kloth ausgesucht, weil die angrenzende Heide nachts  zu den dunkelsten Orten Deutschlands gehört. „Auf der Karte der Lichtverschmutzung hat Hohen Woos mit die saubersten Werte“, sagt Kloth.

Und genau deshalb sind sie hier. Je dunkler die Nacht, desto besser die Sicht. Kloth kommt aus dem Ruhrgebiet, das nachts praktisch komplett unter einer Lichtglocke stecke. Was er hier auf dem Heide-Teleskoptreffen in Mecklenburg am Himmel entdeckt, bekommt er zuhause so nie zu Gesicht.

Vor 15 Jahren hat Niels Kloth Horst Mütze das erste Mal durch sein Teleskop blicken lassen. „Da habe ich tatsächlich den Cirrus-Nebel gesehen und konnte es nicht glauben“, sagt Horst Mütze. Seitdem gehört der Rentner zum festen Stamm des jährlichen Camps. Auch hier in Hohen Woos entdeckt er den Cirrus-Nebel im Sternbild Schwan. Das so genannte Deep Sky Objekt ist tief im Himmel versteckt und wird nur durch ein spezielles Filterglas auf dem Teleskop für das menschliche Auge sichtbar.

Für Horst Mütze sind diese Nächte wie eine Reise in die Vergangenheit. „Die Gase und Nebel sind Überreste einer Supernova. Wir sehen hier Sterne, die vor acht Millionen Jahren zerplatzt sind.“ Der Rentner liebt die endlosen Nächte im Spätsommer unter dem Sternenhimmel. Wenn ein Raunen durch die Campingstuhlreihen geht, weil wieder einer eine spektakuläre Entdeckung gemacht. Bis Sonntag noch bleiben die Astronomen in Hohen Woos. Wer sich für den Blick durchs Teleskop interessiert, darf gern vorbeischauen. Am Sonnabend während des Marktes auf dem Töpferhof können die Gäste durch das Teleskop auch Eruptionen der Sonne beobachten.

Wer lieber nachts dabei sein will, muss die Taschenlampen zu hause lassen und das Auto weit vorn am Hof abstellen. Damit es dunkel bleibt. „Wir holen die Gäste dann mit Rotlicht ab“, sagt Kloth. Einfach vorher anrufen unter 0173-8430956.

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