ludwigslust : Glücklich als Hebamme

Elfriede Rieckhof hört im Sommer mit der Geburtshilfe auf, setzt sich aber noch nicht zur Ruhe

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12. März 2015, 07:00 Uhr

Die ältesten haben schon die 40 überschritten, die jüngsten sind erst ein paar Tage alt. Rund 3400 Erdenbürgern hat Elfriede Rieckhof – besser bekannt als Schwester Elfriede – in Ludwigslust und Hagenow schon auf diese Welt geholfen. Viel mehr werden es auch nicht werden. Die Hebamme feiert heute ihren 65. Geburtstag und hört mit der Geburtshilfe, die sie als Mitarbeiterin des Westmecklenburg Klinikums Helene von Bülow derzeit leistet, auf. Ganz zur Ruhe setzt sich Elfriede Rieckhof trotzdem nicht. Die Betreuung der Schwangeren vor der Entbindung (Vorsorge) und von Mutter und Kind nach der Geburt (Nachsorge) bietet sie – wie bisher freiberuflich – weiterhin an.

Eigentlich wollte sie Kindergärtnerin werden. Doch das blieb ihr zu DDR-Zeiten verwehrt. „Ich war damals schon sehr vorlaut…“, sagt Elfriede Rieckhof. Und so fing sie am 3. Oktober 1966 im Stift Bethlehem an. Zwei Jahre nach Abschluss der Schwesternausbildung begann sie in Magdeburg die Ausbildung zur Hebamme. Am 26. Oktober 1972 hielt sie ihr Examenszeugnis in den Händen und zwei Tage später das erste Baby, dem sie auf die Welt geholfen hatte. Ein Mädchen. „Vor ein paar Jahren habe ich genau dieser Frau dann bei der Entbindung zur Seite gestanden“, erzählt Elfriede Rieckhof nicht ohne Stolz. „Schon in der Ausbildung war ich der glücklichste Mensch. Seither sind Geburten und Kinder mein Leben.“ Dabei musste die Hebamme vor allem eines lernen: „Abwarten und Geduld haben“, sagt sie. „Dabei ist Geduld nicht so mein Ding, ich will alles immer schnell vollenden.“

Die Entscheidung, künftig nicht mehr als Geburtshelferin arbeiten zu wollen, hat Elfriede Rieckhof vor einem Jahr getroffen – ganz bewusst. „Ich hatte Sorge, dass ich jenseits der 65 bei Geburten doch irgendwann einen Fehler mache, und wollte zu einem Zeitpunkt gehen, zu dem ich noch alles beherrsche“, so die ab heute 65-Jährige, die zwei erwachsene Kinder hat. So habe sie dann auch mehr Gelegenheit, sich mal spontan mit ihren vier Enkelkindern zu verabreden – „solange die noch Lust haben, mit ihrer Oma etwas zu unternehmen“.

Nicht nur an ihre Arbeit als Geburtshelferin denkt Elfriede Rieckhof gern zurück, sondern auch an die Zeit im Stift Bethlehem, wo sie – mit einer Unterbrechung von elf Jahren – von 1966 bis 2010 tätig war. „Ich bin froh, dass ich dort gelernt und gearbeitet habe, weil ich viel lernen konnte – nicht nur in der Geburtshilfe, sondern auch zu allen anderen Krankheitsbildern“, erzählt die Hebamme. „Und wir waren ein riesengroßes Kollektiv, in dem sich niemand – ob Gynäkologe oder Schwesternschülerin – über die anderen erhob. Wir haben miteinander diskutiert und auch bei privaten Problemen einander geholfen.“ Das sei in den vergangenen Jahren nach und nach auseinandergebröckelt. Als zum 30. Juni 2010 die Entbindungsstation in Ludwigslust für immer schloss, ging Schwester Elfriede nach Hagenow. Ende Juli ist für sie persönlich nun auch dort Schluss.

Elfriede Rieckhof, die inzwischen in Ludwigslust lebt, freut sich auf den neuen „Lebensabschnitt“. Vor allem auf mehr Zeit. Bislang waren ihre Arbeitstage regelmäßig zehn bis 14 Stunden lang, weil sie die Hausbesuche zur Vor- und Nachsorge vor oder nach ihren Diensten im Krankenhaus machte. „Manchmal bin ich noch um 23 Uhr zu den Leuten gegangen. Dass die mich um diese Zeit reinlassen, hat mich immer gewundert“, so Elfriede Rieckhof. Ab Sommer wird das nicht mehr nötig sein. Außerdem freut sich die Ludwigslusterin auf noch mehr Reisen. Am Nordkap und in Irland war sie schon. In diesem Jahr sind eine Reise nach Portugal und eine Inseltour in Deutschland geplant.

Ein paar Jahre will Elfriede Rieckhof noch als freiberufliche Hebamme dranhängen, Vor- und Nachsorge machen und in ihren Räumen in der Neustädter Straße Geburtsvorbereitungskurse und Babytreff (jeden Mittwoch 15 bis 17 Uhr) anbieten. Und dann findet sich hoffentlich bald eine Nachfolgerin in Ludwigslust. „Zwei junge Frauen haben bei mir schon ein Praktikum gemacht, mindestens eine davon hat sich nun auch für die Ausbildung beworben“, sagt Elfriede Rieckhof. Ihnen würde sie gern ein gutes Stück ihres Fachwissens weitergeben.

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