Lübtheen : Glocke stumm: Klöppel abgestürzt

Der Klöppel der Glocke ist am Freitag zerbrochen. Pastor Markus Holmer will das Problem so schnell wie möglich lösen.  Fotos: Stefani Kortmann
Der Klöppel der Glocke ist am Freitag zerbrochen. Pastor Markus Holmer will das Problem so schnell wie möglich lösen. Fotos: Stefani Kortmann

Seit zwei Jahren ist Markus Holmer Pastor in Lübtheen / Ein Gespräch über Glauben, Lübtheen und die seit Freitag defekte Glocke

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23. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Ausgerechnet zu Weihnachten bleibt die Glocke der Lübtheener Kirche still. Am Freitag löste sich während des Läutens der Klöppel der Glocke und flog mit Schwung erst gegen einen an der Wand des Glockenturms angebrachten Kunststoffkasten, von dem ein Stück abbrach und fiel dann zu Boden. „Leider lässt sich so schnell kein Ersatz beschaffen“, stellt Pastor Markus Holmer fest. Der Klöppel ist genau an der unteren der drei Schrauben aus der Verankerung gebrochen, dort, wo die größte Kraft auf das Material wirkt. „Die Glocke ist regelmäßig gewartet worden. Haarrisse oder andere Materialermüdungserscheinungen sind dabei nicht aufgefallen“, erklärt der Pastor. Nun müsse geprüft werden, woher Ersatz kommen könne. Die Kosten, die auf die Gemeinde zukommen werden, konnte er noch nicht einschätzen.

Und dennoch, leise ist es in der Kirche nicht. Während Markus Holmer bei Dauerregen und Sturm die 20 an die Kirchtür hängt, treffen bereits die ersten Sänger ein, denn heute, am Samstag, findet zum Abschluss des Weihnachtsmarktes das traditionelle Weihnachtskonzert der Lübtheener Chöre statt. Doch bis das losgeht, finden wir noch Muße für ein Gespräch im Pfarrhaus.

Muße, das sei auch ein gutes Wort für die Weihnachtszeit, stellt Markus Holmer fest. Weihnachten sei doch mehr als nur der Weihnachtsmarkt, das laute und bunte, hektische Treiben und Rennen um die letzten Geschenke. „Für mich steht Weihnachten dafür, dass Gott in unsere Menschlichkeit hineingekommen ist. Dass wir wahrnehmen, Gott hat etwas mit uns zu tun. Genau deshalb ist Jesus auch in einem Stall und nicht in einem wohlhabenden Haus geboren worden, denn damit ist kein Mensch ausgeschlossen.“ Das sei übrigens auch der Grund, warum es Pastoren und Pfarrhäuser gebe. Es gehe darum, den Menschen den Glauben nahe zu bringen. Die Kirche habe viele Jahrhunderte lang Europas Geschichte geprägt, vieles, was uns heute selbstverständlich erscheint, habe seine Wurzeln im Christentum.

Glaube, das vermittelt Markus Holmer im Gespräch, stehe auch für Demut. Das Bekennen dazu, dass man nicht allmächtig sei. Dass es eine Institution gebe, vor der man sein Tun rechtfertigen müsse. Wenn etwa ein Ministerpräsident es nicht über sich bringe, die Formel „So wahr mir Gott helfe“ auszusprechen, meint Markus Holmer, was hieße das denn? Glaube er an seine eigene Allmacht? „Das macht mir Angst“, meint er.

Dabei ist Ängstlichkeit etwas, dass Pastor Holmer mit seiner offenen, ruhigen und klugen Art so gar nicht ausstrahlt. Dafür lässt ihm der Alltag wohl auch nur wenig Raum. Denn der ist geprägt von Besuchsdiensten bei seinen rund 1000 Gemeindemitgliedern, von Konfirmandennachmittagen, Taufgesprächen, Predigtschreiben, Verwaltungsaufgaben und auch vom Organisieren der Glaubenskurse. Der zweite seiner Amtszeit hat in diesem Herbst stattgefunden. Er bietet Menschen, ob sie nun einer Kirche angehören oder nicht, Vorwissen mitbringen oder das letzte Mal in Kindertagen etwas von Gott gehört haben, die Gelegenheit, sich zu Fragen des Glaubens auszutauschen. „Die hat ja eigentlich jeder“, stellt er fest und muss auch schon aufbrechen. Die Kirche ist mittlerweile voll besetzt, sogar einige Konfirmanden sind unter den Besuchern. Auf dem Weihnachtsmarkt vor der Kirche dagegen wird es leerer. Die Familien gehen nach Hause und die Bühne ist verwaist.

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