Polz : Glocke aus der Scheune geborgen

Oswald Pilat und Günter Runow bauten 1963 die von Schweden gestiftete Kapelle in Polz auf. Fotos: Uwe Losch
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Oswald Pilat und Günter Runow bauten 1963 die von Schweden gestiftete Kapelle in Polz auf. Fotos: Uwe Losch

Gut besuchter Festgottesdienst zum 50-Jährigen der Kapelle in Polz

svz.de von
10. Dezember 2013, 07:00 Uhr

„Es ist gut, dass es einen Ort gibt, wo Menschen nach ihrem Sinn fragen und sich mit Gott auseinandersetzen. Es ist gut, dass es diese Kapelle gibt. Es ist gut, dass es Menschen gibt, die diesen Ort erhalten und ihn mit Leben erfüllen“, so Bischof Dr. Andreas von Maltzahn in seiner Festpredigt.

In der denkbar schwierigsten Zeit, zwei Jahre nach dem Bau der Mauer durch Deutschland und bei hartnäckiger Unterdrückung der Kirche – es wurden sogar Schüler von den Oberschulen geworfen, die sich zur Kirche bekannten, wurde in Polz eine Kapelle errichtet. Sie ist eine Spende der schwedischen Kirche. Doch nicht erst ab 1963 wurde in Polz Kirche abgehalten. „Schon in einem Lehrerbuch von 1904 fand man den Eintrag, dass im Landgottesdienst der Gemeinde Dömitz Geld gesammelt werden sollte, um in irgendeiner Weise zur Kirche zu kommen“, weiß der während des Baus der Kapelle in Dömitz amtierende Pastor a.D. Mützke. In den Jahren nach dem Krieg wurden Gottesdienste und selbst die Christenlehrestunden in Privathaushalten durchgeführt. „Seinerzeit hat sich die Kirchenälteste Frau Ballandat, in deren ,guter Stube’ Christenlehre und Gottesdienste durchgeführt wurden, sehr engagiert für die Kirche eingesetzt“, lobte Gertrud Wolter, in deren Wohnung ebenfalls Gottesdienste stattfanden. Später wurden die Gottesdienste in der Gaststätte Stech gefeiert. „Eine aufregende Zeit“, erinnert sich Pastor a.D. Mützke. „Bei der Weihung der Kapelle waren so viele Leute gekommen, dass der Festgottesdienst noch auf dem Saal der Gaststätte stattfinden musste, in der Kapelle wären sie nie untergekommen.“

Ebenso aufregend auch der Werdegang der Glocke, die noch heute in Polz läutet. „Die Glocke kam 1945 mit russischen Kavalleristen nach Klein Schmölen und hat dort die Mahlzeiten eingeläutet. Danach hat sie 17 Jahre in einer Scheune unter Heu vergraben zugebracht. Als 1963 die Kapelle gebaut wurde, haben sich einige der Glocke erinnert und sie in einem Moskwitsch nach Polz gebracht“, erzählt Werner Röder aus Klein Schmölen, der eigenhändig die Glocke mit einem Heuzupfer freilegte. So läutet noch heute in Polz ein Kriegsüberbleibsel.

Nach dem Festgottesdienst ging im Polzer Gemeinderaum ein extra Dank an Gertrud und Martin Wolter. Sie haben sich aktiv ins Polzer Kirchenleben eingebracht und wurden dafür mit einem Präsent ausgezeichnet.

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