Dömitz : Gleicher Ort, andere Zeit

Erika Will (92) hat nach dem 9. November 1989 unzählige Fotos von der alten Grenze gemacht. 25 Jahre später fuhr Ole Kühnhold (9) die alten Schauplätze wieder ab und fotografierte Wills Motive neu.
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Erika Will (92) hat nach dem 9. November 1989 unzählige Fotos von der alten Grenze gemacht. 25 Jahre später fuhr Ole Kühnhold (9) die alten Schauplätze wieder ab und fotografierte Wills Motive neu.

25 Jahre Grenzöffnung: Fotoausstellung im Dömitzer Zeughaus stellt Motive von damals und heute gegenüber

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08. November 2014, 07:00 Uhr

Als Karl-Heinz Niemann an einem späten sonnigen Novembertag vor 25 Jahren seinen täglichen Weg durch Gothmann radelte und sah, wie der Streckmetallzaun hinter dem Dorf an der Sude abmontiert wurde, drehte er sofort um. „Ich hatte meine Kamera zu Hause vergessen“, erzählt er. „Für mich war es fünf vor Zwölf. Ich wusste, wenn ich diesen Moment nicht einfange, ist er für immer verloren.“ Das Foto, das damals an jenem Tag entstand, hängt heute im Dömitzer Zeughaus. Es ist eines von 27 Exponaten der Fotoschau „Natur und Grenze“, die gestern feierlich eröffnet wurde. Minister Till Backhaus, der in der Region aufwuchs, verbindet fast jedes der Motive mit eigenen Erfahrungen. „Die Schau zeigt, wie sich die Natur in einem Vierteljahrhundert entwickeln kann, wenn man ihr Raum gibt“, sagte er gestern in seiner Eröffnungsrede. „Für mich ging in 1989 ein großer Traum in Erfüllung. Der Abriss der Grenze war ein Symbol grenzenloser Freiheit.“ Für Backhaus sei die aktuelle Fotoschau „ein Denkmal für nachfolgende Generationen. Sie erzählt Geschichten und hält das Geschehene wach.“

Die Ausstellung ist ein Projekt des Biosphärenreservats Schaalsee und des gleichnamigen Fördervereins. Neben Dömitz werden auch im Grenzhus in Schlagsdorf zeitgleich auf einer Schau Fotos von damals und heute ausgestellt. „Wir haben in beiden Regionen die Menschen gebeten, uns ihre Fotos oder Dias zu senden“, sagt Dirk Foitlänger vom Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V. Er selbst ist in einem Boizenburger Bildband auf alte Grenz-Aufnahmen von Erika Will gestoßen. „Ich habe sie einfach angerufen und sie hat für uns in ihren Archiven gekramt“, sagt Foitlänger. Während andere Fotografen, wie Jürgen Scharnweber, Eckhard Steffen oder Elke Dornblut nach 25 Jahren ihre alten Motive im Jahr 2014 neu fotografierten, haben sich in Boizenburg Kinder auf Spurensuche begeben. „Von der Grenze, die ganz nah an ihren Wohnorten verlief, wissen die Kinder heute nicht viel“, sagt Foitlänger. „Deshalb haben wir Juniorrangergruppen mit einbezogen. Jungs, wie Ole Kühnhold, haben sich da sehr engagiert und viele Schauplätze fotografiert.“

Die Ausstellung wird ein Jahr lang im Zeughaus zu sehen sein. Backhaus kündigte an, sie danach als Wanderausstellung durch Schulen und öffentliche Einrichtungen zu schicken. „Grenzen trennen, Natur verbindet“ - diese Botschaft müsse weit hinaus getragen werden.

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