Norddeutsche Tage in Dömitz : Glanzvolles Fest als "Lückenbüßer"

Das waren noch Zeiten, als bei der Vielanker Bäckerei Voigt noch Mark und Pfennig in der alten Anker-Kasse landeten. Am Sonntag kostete das Ringbrot bei Doreen Bittermann stolze 3,50 in Euro.
1 von 2
Das waren noch Zeiten, als bei der Vielanker Bäckerei Voigt noch Mark und Pfennig in der alten Anker-Kasse landeten. Am Sonntag kostete das Ringbrot bei Doreen Bittermann stolze 3,50 in Euro.

Sichtlich wohl fühlte sich Landesvater Erwin Sellering zum Auftakt der Norddeutschen Tage am Sonntag auf dem historischen Handwerkermarkt im Innenhofes der Festung Dömitz. Der Ministerpräsident mischte sich unters Volk.

von
29. Mai 2012, 09:34 Uhr

DÖMITZ | Sichtlich wohl fühlte sich Landesvater Erwin Sellering zum Auftakt der Norddeutschen Tage am Sonntag auf dem historischen Handwerkermarkt im weiten Rund des Innenhofes der Festung Dömitz. Der Ministerpräsident legte Formalismen und Jackett ab und mischte sich unters Volk. Auf dem Rastplatz des Lützower Freikorps verband er ein Prosit zur Dömitzer Bürgermeisterin Renate Vollbrecht mit dem Versprechen, alle bisherigen Veranstaltungen des mittlerweile in Insolvenz geratenen Landesheimatverbandes MV als Einzelentscheidungen am Leben zu erhalten. Wie es nach der gerichtlichen Klärung mit dem Verband weiter voran gehen kann, das bleibe erst einmal abzuwarten.

Umso mehr dankte Sellering den Dömitzern für die Leistung, diese Auftaktveranstaltung zu einem repräsentativen Tag der Landeskultur inszeniert zu haben; ermöglicht mit finanzieller Unterstützung von Land und Kreis. Dass die Festung ein idealer Treffpunkt für vielfältigste Veranstaltungen ist, davon erfuhr der Ministerpräsident in zahlreichen Smalltalks beim Rundgang entlang der Kunsthandwerkerstände. Am Stand von Kuno Karls, der die in Mundart gehaltene Hagenower Schriftenreihe ausgelegt hatte, erhielt der hohe Gast eine auf DVD gebrannte Dokumentation über die Zwangsaussiedlung im Sperrgebiet der DDR-Grenzgebiete von Boizenburg bis Dömitz.

Die Dömitzer Bürgermeisterin konnte an diesem Tag gleich vier dicke Pluspunkte im Logbuch des Ministerpräsidenten verbuchen: Sellering erlebte ein straff organisiertes Volksfest, dass die kulturell-überörtlichen wie regional-touristischen Vorzüge der Stadt im Dreiländereck sowie mit einzigartigem Naturerbe aufzeigte. Zweitens: Die Dömitzer waren als Lückenbüßer kurzfristig eingesprungen. Glänzten als exzellenter Gastgeber mit einem multikulturellen Programm. Drittens: Zum Doppelplus addierte sich, dass die Festung mit dem Innenhof, zwar ohne überdachte Bühne, aber als Klanggeber eine Extraklasse besitzt. Der Lauenburger Shantychor "Die Kielschweine" ließ diesen Vorzug über die Festungsmauern und sicherlich bis in die Ohren des ersten Mannes im Lande dringen. Schließlich: Sellering nahm die Notwendigkeit eines Ersatzbaues für die "Hohe Brücke" mitsamt einer Entlastungsstraße für Dömitz in einem separaten Gespräch im Festungscafé mit auf den Weg in die Landeshauptstadt.

Diese Auftaktveranstaltung der Norddeutschen Tage als Generalprobe für die 775-Jahrfeier der Stadt im kommenden Monat genommen, garantiert ein Stadtjubiläum, das für Dömitz bisher einmalig sein dürfte. Am Sonntag jedenfalls stimmte die Mischung schon bestens: Die Kreismusikschule Prignitz aus dem brandenburgischen Perleberg stimmte das Publikum auf einen unterhaltsamen Tag mit internationalen Evergreens aus Rock, Pop, Jazz und Blues ein. Die Tanzschule Schier-Rösel ging später auf’s Ganze und bezog das Publikum mit ihren Show-Tänzen ein. Da gab es sogar erstaunte Gesichter auf den schattigen Plätzen: Wer es wie die Perleberger kann, dem gelingt selbst ein feurig-heißer Tango auf dem Frühlingsgrün des Festungrasens. Mit Gitarre und Tuba ließ das Bremer Gesangsduo Werner Wilms und Günter Orendi den Norddeutschen Tag in Dömitz in friesischer Mundart ausklingen. Das Duo hatte im vergangenen Jahr den Niederdeutschen Liederwettbewerb in Stavenhagen gewonnen.

Die Norddeutschen Tage finden ihre Fortsetzung am 3. Juni ab 16.30 Uhr im brandenburgischen Lenzen; am 9. Juni ab 14 Uhr im Forsthof Glaisin; am 10. Juni ab 9.45 Uhr ab Dömitz-Hafen auf der Elbe mit einer Schiffstour von Langendorf, über Hitzacker bis nach Neu Dar-chau und am 1. Juli ab 11 Uhr im Vie lanker Brauhaus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen