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Ludwigsluster Tageblatt

16. Dezember 2017 | 15:54 Uhr

Balow : Glamourös und mit skurriler Komik

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Show „Zauber der Travestie“ berauschte das Publikum mit Tabubrüchen / Rückkehr im kommenden Jahr schon fest im Blick

Was dieses Sextett und „Frl. Luise“ am Sonnabend in der Balower Mehrzweckhalle über drei Stunden an tabuloser Unterhaltung bot, war ein bestens amüsierendes Potpourri aus Glamour, Tanz, Gesang und skurriler Komik – mit Pointen, die das entscheidende Etwas zwischen Mann und Frau gekonnt wie gezielt aufs Korn nahmen. Die Wortwahl schlug dabei gewollt oft weit unterhalb der sogenannten Gürtellinie ein.

Die Show „Zauber der Travestie“ begeisterte das Publikum bereits tags zuvor im ebenfalls ausverkauften Saal. Dieses anrüchige Metier Travestie, der mögliche Moment, diese Männer in ihrem Femmé fatale-Habitus doch einmal zu entlarven, sich gleichzeitig an deren Sexappeal und speziellen Humor zu berauschen, das machte den Erfolg dieser fesselnden Show aus.

Besonders die verbalen Seitenhiebe auf das männliche Publikum von „Frl. Luise“, „Chris aus Berlin“ oder „Denisse Zambrana“ ließ die Frauenwelt in der Mehrzweckhalle vor Amüsement johlen. Es wurde gelacht, dass die Tränen flossen, und manch eine sonst Biedere schlug vor fassungsloser Begeisterung die Hände vors Gesicht. Den ersten heftigen Witz musste ein Kai in vorderer Publikumsreihe ertragen. „Marcel Bijou“ erklärte ihm, dass die meisten Frauen zur Show gekommen seien, um ihrem Problem zu Hause zu entkommen. Und Kai wurde auch darüber aufgeklärt, dass die Liebe zwar das Licht des Lebens ist, der Ehemann dabei aber den Stellenwert der Stromabrechnung einnimmt.

Die mit doppeldeutigen Andeutungen gespickten Redebeiträge sämtlicher Künstlerinnen trafen als Punktlandungen den Nerv des Publikums. Das war von den Darstellern gewollt und wurde vom Publikum erwartet, stets prompt mit tosendem Applaus belohnt. Selbstverständlich durfte die Shownummer mit einem Gast aus dem Publikum nicht fehlen. Der Spanier „Denisse Zambrana“ als heißblütige Flamencodiva wählte sich dazu Nico aus Balow aus. Der sich dann auf der Bühne vollziehende Stierkampf zwischen den beiden wurde dank des Zutuns des Balower „Gaststars“ und einem Kleid, dass das Gesäß der Tänzerin freigab, zur ungekrönten Shownummer des Abends. Ein weiterer Höhepunkt gelang nach der Pause „Frl. Luise“, die als „Puppendoktor Pille“ auftrat. Sie bekannte, dass sie in der Wendezeit aus dem Kinderprogramm des Fernsehens verschwinden musste und nun ihr Dasein in einem Altenheim als Pflegekraft fristet. Was sie dort alles erlebt, berichtete „Frl. Luise“ mit einzigartigem Vokabular und einem Lied über die Bedeutung und Nutzen des Katethers.

Das Ensemble trat in maximaler Besetzung als Septett auf. Ihr künstlerisches Können in Gesang, Tanz und als Illusionisten brachten insbesondere der Philippine „Ireen Sue“, der Transvestit „Lilian Carré“ und der Berliner „Miss Jennifer“ zur Geltung. Es war nicht zuletzt „Chris“, der als Die zum Schluss ihres Hausfrauen-Striptease „oben ohne blankzog“ und durch die Publikumsreihen abging. Das berührte und schockte erstmals einige Zuschauer.

Das Ensemble wird auch im Februar 2016 wieder nach Balow zurückkehren. Bis dahin touren die Travestiekünstler wieder von September bis Mai durch Deutschland, um im Verlauf von 130 Shows diese für eine breite Masse der Öffentlichkeit immer noch mehr als anrüchig geltende Shows zu präsentieren. Übrigens: „Frl. Louise“ ist verheiratet und ein wahrer Mann, wie beim Finale zu erkennen war.


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