Dr. Jürgen Rogge verzichtet auf Auszeichnung : Gillhoff-Tag 2012 ohne Gillhoff-Preis

<fettakgl>Der Vorstand der Fritz-Reuter-Gesellschaft</fettakgl> in Neubrandenburg wurde am Sonnabend in Glaisin mit der Reuter-Medaille der Landsmannschaft Mecklenburg ausgezeichnet. In Empfang genommen wurde die Auszeichnung von Hartmut Brun (links), Geschäftsführer August Bath und Schatzmeister Albrecht Donner. <fotos> Fotos: Jürgen Seidel </fotos>
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Der Vorstand der Fritz-Reuter-Gesellschaft in Neubrandenburg wurde am Sonnabend in Glaisin mit der Reuter-Medaille der Landsmannschaft Mecklenburg ausgezeichnet. In Empfang genommen wurde die Auszeichnung von Hartmut Brun (links), Geschäftsführer August Bath und Schatzmeister Albrecht Donner. Fotos: Jürgen Seidel

Eine solche Situation hatte es in der Geschichte der Johannes-Gillhoff-Gesellschaft noch nicht gegeben - der diesjährige Gillhoff-Tag in Glaisin fand ohne die übliche Verleihung des Johannes-Gillhoff-Preises statt.

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11. Juni 2012, 11:23 Uhr

Glaisin | Eine solche Situation hatte es in der Geschichte der Johannes-Gillhoff-Gesellschaft noch nicht gegeben - der diesjährige Gillhoff-Tag in Glaisin fand ohne die ansonsten übliche Verleihung des Johannes-Gillhoff-Preises 2012 statt. Reinhard Mach, der Bürgermeister von Ludwigslust, dessen wunderschöner Ortsteil Glaisin ist, erklärte in seiner kurzen Begrüßungsrede noch einmal, warum es in diesem Jahr erstmals so gekommen war: "Von 1980 bis 2011 wurde jedes Jahr ohne Unterbrechung eine Persönlichkeit mit dem Johannes-Gillhoff-Preis geehrt, die sich Verdienste um Johannes Gillhoff, um sein Lebenswerk, um die plattdeutsche Literatur und Kultur in Mecklenburg erworben hat.

In diesem Jahr wird das nicht der Fall sein. Dr. Jürgen Rogge hat vorgestern auf die Ehrung verzichtet. Ich sage ganz ehrlich, dass ich persönlich darüber sehr erleichtert bin", erklärte Mach und fügte hinzu, dass er sich diese Entscheidung viel früher gewünscht hätte. Die Diskussion der vergangenen Wochen und Tage sei nicht im Sinne von Johannes Gillhoff gewesen, dessen 150. Geburtstag im vergangenem Jahr gefeiert worden war. Er wünsche sich dennoch für heute eine würdige Veranstaltung im Gedenken an Johannes Gillhoff und möchte dem Vorstand der Gillhoff-Gesellschaft Mut für die Zukunft machen und forderte ihn auf, die Geschehnisse dieses Jahres auszuwerten. Er sei sicher, so Reinhard Mach, dass der Vorstand in Zukunft wieder würdige Preisträger für den Johannes-Gillhoff-Literaturpreis finden werde.

Zahlreiche Politiker hatten ihre Teilnahme abgesagt

Hintergrund waren in den letzten Tagen laut gewordene Stasi-Vorwürfe gegen den designierten Preisträger Dr. Jürgen Rogge, der in seiner beruflichen Tätigkeit als Chefarzt der Psychiatrischen Klinik des Haftkrankenhauses Leipzig-Meusdorf fast anderthalb Jahrzehnte als Inoffizieller Mitarbeiter IME tätig gewesen war. Nachdem diese Vorwürfe nach einer Mitteilung der Stasiunterlagenbehörde wenige Tage vor der Preisverleihung öffentlich wurden, hatten mehrere dazu eingeladene Politiker, darunter Landrat Rolf Christiansen und der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Hacker (SPD) sowie die Landtagsabgeordneten Silke Gajek (Grüne) und Maika Friemann-Jennert (CDU) ihre Teilnahme an der Veranstaltung abgesagt.

Der Vorsitzende der Johannes-Gillhoff-Gesellschaft, Hartmut Brun, sagte zu Beginn seiner Begrüßung: "Johannes Gillhoff war ein gläubiger Christ. Zu seinen vorzüglichsten Charaktereigenschaften gehörten ein außergewöhnlicher Fleiß, zäh daran festhaltend, was er sich einmal vorgenommen hat, Toleranz und die Fähigkeit, Menschen zu vergeben, wenn sie einmal gefehlt haben. Es schadet wirklich nichts, Gillhoff einmal zu lesen", so Brun. "Wenn wir mit der Vergabe des Johannes-Gillhoff-Literaturpreises 2012 gefehlt haben sollten, so bedauern wir das und bitten die Beteiligten um Vergebung."

Anstatt des in diesem Jahr nicht vergebenen Preises wurde der Vorstand der Fritz-Reuter-Gesellschaft in Neubrandenburg mit der Fritz-Reuter-Medaille der Landsmannschaft Mecklenburg ausgezeichnet.

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