Ludwigslust : Gewölbe aus der Nähe begutachtet

Während der Bauabnahme auf der Plattform direkt unterhalb des Tonnengewölbes.
Während der Bauabnahme auf der Plattform direkt unterhalb des Tonnengewölbes.

Bauabnahme nach Sanierungsarbeiten in der Stadtkirche Ludwigslust / Pastor Lotz lädt zu besonderem Gottesdienst am 3. Advent

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04. November 2014, 07:00 Uhr

In den nächsten 500 Jahren wird dem Tonnengewölbe vielleicht kein Mensch mehr so nahe kommen. Die Sanierung der Ludwigsluster Stadtkirche ist so gut wie abgeschlossen. Am gestrigen Montag war Bauabnahme für die letzten Gewerke. Dazu trafen sich alle Beteiligten ein letztes Mal auf der Gerüst-Plattform 13 Meter über dem Erdboden, direkt unter dem Tonnengewölbe.

Es ging um die Malerarbeiten am Gewölbe und die dort befindlichen Rosetten. Diplom-Restauratorin Bettina Strauß hatte hinsichtlich der Pappmaché-Rosetten keine Beanstandungen. Diplom-Restaurator Andreas Volkmar, der die Rosetten in den vergangenen Monaten erneuert hatte, wies auf einige Beonderheiten hin. „Entgegen weit verbreiteter Annahme bestanden die Rosetten nicht aus Pappmaché, sondern aus zusammen geklebten Papierlagen. Dafür wurde vor hunderten Jahren offenbar auch Papier kirchlicher Schriften verwendet“, erklärte Volkmar.

Bei der Erneuerung der Rosetten verwendete er jetzt u. a. Spezialpapier aus der Papierfabrik Neu Kaliß. „Heutiges Zeitungspapier würde aufgrund seiner Zusammensetzung nicht allzu lange halten“, so Volkmar. Neben zwei Rosetten, die komplett neu angefertigt werden mussten, restaurierte der Experte weitere dieser Kunstwerke. „In einigen von ihnen hatten Vögel ihre Nester gebaut, die offenbar im Laufe der Jahre in die Kirche gelangt waren“, erklärte Andreas Volkmar.

Mit Blick auf die Malerarbeiten am Tonnengewölbe machte Diplom-Restauratorin Bettina Strauß auf einzelne Mängel aufmerksam. Sie wies auf Flecken an einigen Stellen des Gewölbes hin. Maler-Restaurator Jan Seifert erklärte, dass diese Flecken auch nach mehrmaligen Versuchen nicht völlig beseitigt werden konnten. Trotzdem wollte er bis zum morgigen Mittwoch nochmals versuchen, besagte Stellen zu bearbeiten. Dann nämlich wird in diesem Bereich mit dem Abbau des Gerüsts begonnen.

Karl-Heinz Schilling vom Ludwigsluster Büro Architekten und Ingenieure Kaschig+Schilling: „Beim Blick von unten auf das gesamte Tonnengewölbe werden sich betroffene Flächen verlieren.“ Wie Schilling hervorhebt, konzentriert sich die Wahrnehmung von unten aus auf die gesamte Geometrie des Tonnengewölbes. „Die Qualität der Decke ist diese Geometrie“, so Schilling. „Die gesamte Gemeinde ist von großer Freude erfüllt, dass die lang ersehnte Restaurierung jetzt beendet ist. Damit ist unser Gotteshaus wieder ein Stück schöner geworden. Es ist wie in der eigenen Wohnung. Man fühlt sich wohler, wenn sie renoviert ist. Das trifft auf unsere Kirche auch zu“, freut sich Pastor Albrecht Lotz.

Anlässlich des Abschlusses der Sanierung lädt Pastor Lotz zum 3. Advent am 14. Dezember (10 Uhr) zu einem besonderen Gottesdienst ein. Anschließend ist ein Empfang für alle an den Arbeiten Beteiligten geplant.

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