Geteilte Welt im Landkreis beim Abfall

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07. Juni 2012, 10:07 Uhr

Parchim/Ludwigslust | Die Organisation der Abfallentsorgung im neuen Landkreis hat sich sehr schnell als großer Problemfall entpuppt, weil die Entsorgung für den Bereich des alten Kreises Parchim stark defizitär ist. Trotz Reste einer Rücklage wird für den alten Kreis so Ende des Jahres ein Minus von mehr als 440 000 Euro aufgelaufen sein. In der Folge wird es ab Januar neue, spürbar höhere Entsorgungsgebühren geben müssen. Wie hoch die Erhöhung ausfallen wird, weiß niemand. Die konkreten Zahlen sollen in zwei bis drei Monaten vorliegen.

Makaber ist, dass der Landkreis Parchim praktisch Wochen vor der lange bekannten Gebietsreform alle wesentlichen Verträge im Abfallbereich auf Jahre hinaus ausschrieb. In der Folge wird es im neuen Landkreis auf Jahre zwei unterschiedliche Gebührenbereiche geben. Im schlimmsten Fall, so Steffen Grünwaldt vom kreislichen Abfallwirtschaftsbetrieb, werde man die Bereiche erst ab 2017 zusammenführen können.

Keine Antwort gab es auf die Frage, warum der alte Kreis Parchim auf Jahre für die Bevölkerung so negative Fakten geschaffen hat. Das müsse man, so Landrat Rolf Christiansen zurückhaltend, die damaligen Verantwortlichen und nicht ihn fragen. Fakt sei, der alte Kreis Ludwigslust hatte auf das Problem hingewiesen, Parchim ging dann doch ohne weitere Absprache eigene Wege. Zwar mussten neue Verträge (die alten waren ausgelaufen) geschlossen werden, doch hätten Abschlüsse für ein Jahr gereicht. Jetzt muss der neue Kreis retten, was zu retten ist.

Bei der ersten Analyse kam heraus, dass es vor allem die Tätigkeit der PEG GmbH (komplett im kreislichen Besitz) war und ist, die Probleme bereitet. Hier stehen die Zeichen auf zügige Privatisierung. Der alte Kreis Parchim wollte alles allein und vor allem selbst machen. So gönnt sich dieser Bereich eine öffentliche Grünschnittentsorgung mit Großcontainern, was erheblich zum Defizit beiträgt. Auch hier kündigte die neue Kreisverwaltung schnell drastische Änderungen an. Die PEG und ihre Gewinne in Höhe von 530 000 Euro hatten auch in der jüngsten Sitzung des Kreistages für Aufsehen gesorgt. Olaf Steinberg von der CDU hatte dort gefordert, diesen Gewinn im Sinne der Parchimer Bürger gegenzurechnen. Steinberg, so Christiansen, habe dabei aber vergessen, dass der neue Kreis auch einen großen Kredit der PEG übernommen habe. Zugleich gäbe es große Zweifel an der Preis- und Kostenstruktur dieser Gesellschaft. Angesichts der schweren Gesamtlage sei es somit nur logisch, dass dieser Gewinn im Kreishaushalt nun aufgehe. Das hatte die große Mehrheit im Kreistag auch so gesehen und per Beschluss bestätigt.

Intern laufen die Berechnungen und Vorbereitungen für die neuen Gebühren auf Hochtouren. Mit im Blick ist dabei auch die völlig veraltete Müllumschlagstation (ebenfalls vom Kreis betrieben) in Paarsch. Nur wenige Kilometer entfernt, in Rom, gibt es eine hochmoderne Anlage eines privaten Anbieters.

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