Kummer : Gemeinsam durch den Tag

Mitarbeiterin Catrin Maschke beim Plätzchenbacken mit Anita Rahn und Ella Jungblut
Mitarbeiterin Catrin Maschke beim Plätzchenbacken mit Anita Rahn und Ella Jungblut

Region Ludwigslust-Grabow ist mit Tagespflegeeinrichtungen für Senioren gut versorgt / Jeder Pflegebedürftige kann sie nutzen

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31. Dezember 2016, 07:20 Uhr

Rita Junghans greift ein bisschen Teig und formt einen Vanillekipferl. „Wir haben früher immer Pfeffernüsse gebacken – acht Pfund dunkle und acht Pfund helle“, erzählt die Ludwigslusterin. „Aber dieses Jahr habe ich zu Hause zum ersten Mal nicht selbst gebacken, sondern nur bei meiner Tochter zugeschaut.“ In der Senioren-Tages-Residenz Johnke in Kummer, die die 83-Jährige an zwei Tagen in der Woche besucht, ist sie dann doch wieder unter die Bäcker gegangen.

Zehn Frauen sitzen an diesem Morgen rund um den großen Tisch im Wohnzimmer, stechen Teig aus oder formen Fantasiefiguren. Zwei Herren spielen nebenan Karten. „Wir bieten vieles an und jeder Tagesgast schaut, was er gern machen möchte“, erzählt Pflegedienstleiterin Rebekka Johnke. Am Ende machen die Besucher – maximal zwölf am Tag – doch vieles zusammen. „Der Tag beginnt mit dem gemeinsamen Frühstück und der Zeitungsschau“, erzählt Rebekka Johnke. Anschließend geht es in den Sportraum, wo ein bisschen Gymnastik und kognitives Training folgen – Stadt-Land-Fluss, Gedichte aufsagen oder Sprichwörter raten zum Beispiel. „Wenn das Wetter schön ist, gehen wir mit den Tagesgästen, die es möchten, an die frische Luft“, erzählt die Pflegedienstleiterin weiter. Nach der Mittagsruhe wird oft gespielt. „Bingo und Mensch-ärgere-dich-nicht sind besonders gefragt – und bei den Männern Skat.“

Ursula Knaape kommt täglich in die Senioren-Tages-Residenz. „Zu Hause wäre ich ja sonst allein“, sagt die 79-Jährige. Die Loosenerin hat in der Einrichtung viel mehr gefunden als Zerstreuung und Gesellschaft für den Tag. Rebekka Johnke hat ihr eine Katze vermittelt – Jürgi. „Die Katze kommt jeden Abend mit nach Hause“, erzählt Ursula Knaape. „Ich habe mich sehr an sie gewöhnt.“ Für sie ist die Tagespflege ein Glücksgriff. „Seit meine Tante dort betreut wird, ist sie wieder aufgeblüht“, betont ihr Neffe Uwe Schulz. „Solche Tagespflegeeinrichtungen sind wichtig, damit die Leute solange wie möglich zu Hause leben können.“ Er sei überrascht, wie sich die Mitarbeiter der Senioren-Tages-Residenz Johnke kümmern. „Ich glaube, da sind viele Dinge dabei, die sie nicht machen müssten.“

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim und die Region Ludwigslust sind nach Aussage von Sarah Ledwig von der Kreisverwaltung mit Plätzen in der Senioren-Tagespflege gut versorgt. „In unserer Pflegesozialplanung 2013 haben wir für unseren Landkreis 1,1 Plätze je 100 Einwohner ab 75 Jahre als Ziel ausgegeben“, erklärt Sarah Ledwig. „Aktuell sind es im Durchschnitt 1,8.“ Damit weise der Landkreis insgesamt eine gute Versorgung auf. Allerdings gebe es sieben Amtsbereiche ohne Tagespflege-Angebot. Besonders gut sieht es in den Amtsbereichen Ludwigslust-Land und Grabow aus – dort gibt es sogar 2,8 bzw. 2,1 Plätze je 100 Senioren ab 75 Jahre. Die Stadt Ludwigslust liegt bei 2,3 und hat allein im Ortsteil Kummer gleich zwei Einrichtungen.

Keinen Steinwurf von der Residenz Johnke entfernt befindet sich die Tagespflege „Parkidylle“, die am 1. Mai dieses Jahres ihre Türen öffnete. Dort gibt es zunächst 15 Plätze für Tagesgäste. Rund 20 Frauen und Männer nutzen das Angebot. „Unser Ziel ist es, die Selbstständigkeit der Senioren zu fördern und ihrer Vereinsamung entgegenzuwirken“, erklärt Ines Fentzahn. Damit die Senioren lange in ihrer häuslichen Umgebung bleiben können, werde eng mit Angehörigen und Pflegediensten zusammengearbeitet.

Solche Tagespflegeeinrichtungen kann jeder Pflegebedürftige besuchen – „egal welche Pflegestufe er hat“, erklärt Sylke Seehase vom Pflegestützpunkt Ludwigslust. „Die Pflegekasse übernimmt die Kosten.“ Allerdings müsse der Pflegebedürftige ein Entgelt, unter anderem für die Verpflegung, selbst tragen. Die Höhe variiert je nach Einrichtung. „Dafür kann man aber den Entlastungsbetrag nutzen, der jedem Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege zusteht“, so Sylke Seehase. Er liegt ab kommendem Jahr bei 125 Euro pro Monat. „Die Tagespflege ist eine gute Sache, nicht nur für die Senioren, sondern auch für die Angehörigen, die dadurch deutlich entlastet werden.“


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