Ludwigslust : Gemeinsam auch mal offline sein

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Medienexperte Thomas Feibel rät Eltern, beim Thema Smartphone ein besseres Vorbild zu sein / Maßvoller Umgang wichtig

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30. November 2017, 12:00 Uhr

Nachrichten auf WhatsApp verschicken, auf dem Weg zum Bus eine Sprachnachricht abhören und direkt antworten, Bilder auf Instagram posten, nebenbei noch ein Spiel spielen, im Bus Musik hören und dabei in der Fußball-App nachgucken, wie der Lieblingsverein am Vorabend gespielt hat – das und noch viel mehr haben Kinder und Jugendliche heutzutage an ihrem Smartphone zu tun. „Die hängen ständig nur vor diesen Dingern“, beschweren sich dann Eltern, Großeltern oder Onkel und Tanten, während sie selbst mal kurz den Blick von ihren Smartphones abwenden. „Wir verlangen etwas von unseren Kinder, das wir selbst nicht können“, sagt Thomas Feibel, Autor und Medienexperte aus Berlin. Während einer Lesung für Eltern und Lehrer, die gemeinsam von der Stadtbibliothek und dem Zebef veranstaltet wurde, stellte er sein neues Buch „Jetzt pack doch mal das Handy weg“ vor.

„Warum haben Kinder überhaupt ein Smartphone“, fragt Thomas Feibel in die Runde der Eltern und Lehrer im Saal des Zebef. Zum Spielen und Musik hören, für den Notfall, um Freunde zu kontaktieren und Videos zu drehen, antworten die Eltern. „Weil wir als Eltern es ihnen kaufen“, entgegnet Thomas Feibel, selbst Vater von vier Kindern. Sein Ansatz in der Diskussion um die Smartphone-Begeisterung Kinder und Jugendlicher lautet, ihnen als Eltern bzw. Erwachsene selbst ein besseres Vorbild zu sein und gemeinsam Regeln aufzustellen. „Und an diese müssen sich dann natürlich auch die Eltern halten“, so Feibel, der bereits mehrere Sachbücher und Jugendromane zum Thema „Neue Medien“ veröffentlicht hat.

Wichtig sei es außerdem, das Thema Smartphone als Eltern von Anfang an zu begleiten und die Kinder über mögliche Gefahren aufzuklären. Außerdem sollten die Sicherheitseinstellungen des Gerätes regelmäßig überprüft werden. Das richtige Alter für das erste Smartphone gebe es laut Thomas Feibel nicht. „Kinderpsychologen empfehlen es ab dem zehnten Lebensjahr. Aber dabei muss man natürlich auch bedenken, dass jedes Kind anders ist.“

Für Thomas Feibel seien die größten Probleme im Umgang mit den Smartphones die ständige Erreichbarkeit und die geteilte Aufmerksamkeit. „Eltern achten in den Momenten nicht auf ihre Kinder und diese wiederum achten nicht auf ihre Umwelt.“ Trotzdem sollten Eltern auch unterscheiden können, wofür ihre Kinder das Smartphone nutzen. „Für Hausaufgaben oder um der besten Freundin beim Liebeskummer zu helfen, das ist natürlich im richtigen Maß in Ordnung“, so Feibel, der das Büro für Kindermedien in Berlin leitet. Handyentzug hingegen wäre ein völlig falsches Signal. „Stellen Sie sich nur einmal vor, das würde man mit Ihnen machen“, gibt der Autor zu bedenken.

Zum Ende der Lesung hat Thomas Feibel dann noch einen Tipp für die Eltern. „Unternehmen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern etwas ohne Smartphones. Das ist ein völliges neues Erlebnis. Versprochen.“

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