zur Navigation springen

Wir in Alt Krenzlin : Wo jeder Augenblick zählt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Die Gutshofstiftung betreut 68 Senioren, die meisten von ihnen sind dement

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2016 | 10:10 Uhr

„Rosen, Tulpen, Nelken... “ Kaum hat die Demenzbetreuerin Kathrin Seyer die ersten Worte des Reimes gesprochen, werden die Augen von Alice Saß lebendig. Die 90-Jährige sitzt aufrecht in der Runde mit vier anderen Demenzkranken und unterbricht Kathrin Seyer: „Alle Blumen welken, nur die eine nicht. Das Vergissmeinnicht.“ Alice hatte den Spruch als Kind in ihrem Poesiealbum. „So ein einfaches braunes Buch war das“, erzählt sie. „Es müsste noch in meiner Kammer liegen.“ Ein lichter, sehr wacher Moment. Man merkt der 90-Jährigen die Demenz nicht an. „Aber in fünf Minuten wird sie nichts mehr davon wissen“, sagt Kathrin Seyer. Es sind immer nur Augenblicke, in denen die Erinnerungen aufblitzen. „Sie sind kurz, aber intensiv und sie versetzen selbst uns immer wieder in Erstaunen.“ Kathrin Seyer ist eine von 50 angestellten der Gutshofstiftung in Neu Krenzlin. Der Gutshof am Dorfrand war nach dem Krieg ein Feierabendheim, später ein Alten- und Pflegeheim der Gemeinde, bis im Jahr 2008 die Gemeindevertretung beschloss, eine Stiftung zu gründen. Die neue Gutshof-Stiftung sichert die Finanzierung und damit den Standort, der gefragter ist denn je. „Wir haben eine lange Warteliste“, sagt Birgit Schultz, die Leiterin der Einrichtung. Die meisten der Bewohner stammen aus den Dörfern der Umgebung. Auch die Pflegekräfte kommen aus der Region. „Das hat den Vorteil, dass man sich gut kennt und persönlich noch besser auf die Wünsche des Bewohners und der Angehörigen eingehen kann“, sagt Kathrin Seyer. „Wir sind dafür da, dass sie sich wohl fühlen. Wir wollen ihnen Abwechslung geben und sie so gut es geht für den Alltag motivieren.“

Musik spielt dabei eine große Rolle. Sie weckt Erinnerungen an Tanzschritte und Liedtexte. Oft kommen Schulklassen, Kitagruppen oder Sängerinnen aus dem benachbarten Picher. Ausflüge unternehmen die Bewohner vor allem zu ihren Heimatdörfern, spazieren auf bekannten Wege, entdecken dabei Vertrautes. „Das Wichtigste an unserer Arbeit ist Empathie. Wärme, Herzlichkeit, Liebe und ehrliche Augen“, sagt Kathrin Seyer. Sie ist Berufs-quereinsteigerin, arbeitete als Bankangestellte, bevor sie sich mit 45 Jahren berufsbegleitend zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft und Demenzbetreuerin umschulen ließ. In Neu Krenzlin verdient sie viel weniger als bei der Bank. Aber zurück in ihren alten Beruf will sie nicht. „Das, was man hier gibt und von den Bewohnern zurück bekommt, ist mehr wert als Geld.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen