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Wir in Gorlosen : „In der Stadt könnte ich nicht leben“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Horst Friel ist in Gorlosen geboren - in dem Haus, in dem er heute noch wohnt

svz.de von
erstellt am 12.Okt.2015 | 07:21 Uhr

Ein Leben in der Stadt? Horst Friel lacht. „Niemals. Das ist mir dort zu beengt. Zu unpersönlich. Die Menschen da tun immer so als ob sie sich nicht kennen würden. Das gefällt mir nicht.“ Hier in Gorlosen sei das ganz anders. „Wenn wir  uns draußen sehen, dann winken wir uns zu und reden miteinander.“

Friel, der eben noch auf einem Hocker in seinem Vorgarten saß und den Zaun von Grünspan befreit hat, steht nun auf, grüßt freundlich und erzählt.  Von seiner Kindheit auf dem Bauernhof, vom Dorftanz, bei dem er seine Frau Margarete kurz nach dem Krieg kennen gelernt hat, von der Arbeit als Buchhalter in der LPG, von seinen zwei Kindern, den fünf Enkeln und den zwei Urenkeln. Mit 88 Jahren ist  Horst Friel der älteste   Gorlosener. Keiner seiner zwölf  Mitschüler aus der alten Dorfschule lebt  noch.

Vor zwanzig Jahren  wohnten in der Gemeinde 570 Menschen, heute sind es nur noch 500. Allein im Dorf  Gorlosen würden zurzeit sieben Häuser leer stehen, weil die Bewohner gestorben sind  und sich keine Käufer finden. „Junge Menschen sieht man hier leider nur noch an den  Wochenenden“, sagt Horsts Frau Margarete. Friels haben Glück. Ihre Tochter ist im Ort geblieben, der älteste Enkel Mike wohnt mit Freundin  Chhig Chhig und Sohn Joseph  sogar mit in ihrem  großen Haus.  Joseph ist gerade ein Jahr alt geworden. Seine Mutter stammt aus Kambodscha. Mike hatte sie bei einer langen Asienreise vor sechs Jahren kennen gelernt. „Der Kleine bringt so viel Leben und Freude  ins Haus“, sagt Margarete Friel. Das Familienleben ist ihr wichtig. Dienstags, wenn die Tochter lange arbeiten muss, kommen die Enkel  und Urenkel  zum Abendbrot, erzählt sie.  „Dann ist hier Trubel und wir sitzen  zu acht am Tisch.“  Auch Nachbarin Christel Ide ist oft Gast im Haus, seit ihr Mann gestorben ist.  „Sie ist Fußballfan. Und wenn ein wichtiges Spiel ansteht, dann sehen wir uns das   alle gemeinsam im Fernsehen an.“

Um ihren Hof müssen sich Friels keine Sorgen machen. Enkel Mike will in Gorlosen bleiben. Chhig Chhig und er möchten heiraten, Sohn Joseph soll in der Natur mit den Tieren aufwachsen. Wie sein Vater, seine Oma und sein Urgroßvater.

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