Wir in Muchow : Bei Oda und Omi im „Schneckenhäusl“

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Muchow hat zwar keine Kita mehr, aber zwei Tagesmütter

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11. Januar 2016, 07:04 Uhr

Mit einem Buch in der Hand kriecht sie in die kuschlige Höhle. Vier, fünf Steppkes krabbeln sofort hinterher, kuscheln sich an die 43-Jährige und lauschen gebannt ihren Worten. Während Mama und Papa bei der Arbeit sind, werden die Kleinen im Muchower „Schneckenhäusl“ umsorgt. Dass es in der Gemeinde noch eine Kindertagesbetreuung gibt, ist der 43-Jährigen und ihrer Mutter Brunhilde Rambow zu verdanken. Sie machten sich als Tagesmütter selbstständig, nachdem die örtliche Kindertagesstätte geschlossen worden war.

Die Idee war damals von Kita-Eltern gekommen. „Wir haben dann gesagt, wir probieren es, und fingen 2005 mit zwei Kindern an“, erinnert sich Brunhilde Rambow. Die beiden Frauen absolvierten eine Umschulung zur Kindertagespflegeperson und betreuten die Kleinen zunächst im alten Kindergarten, später im Haus von Tochter Doreen. Als dann immer mehr Kinder zu den beiden Tagesmüttern kamen, bauten diese im Dachgeschoss ein eigenes Reich aus mit einem großen Aufenthaltsraum mit Kochzeile, Schlafraum und Bad. „Wir haben unsere Entscheidung nicht bereut. Es ist eine Aufgabe, an der wir bis heute Freude haben“, sagt Brunhilde Rambow.

Zurzeit betreuen die beiden Muchower Tagesmütter sechs Tageskinder zwischen einem Jahr und dreieinhalb, im Moment allesamt aus anderen Orten. Am Nachmittag kommt dann ein Hortkind aus Muchow hinzu. „So viele kleine Kinder auf einmal – das ist auch für uns eine neue Situation“, so Brunhilde Rambow. Aber mit dem Sechs-Sitzer-Wagen kommen sie trotzdem bis zum Wald, der – wie die Arbeit mit Naturmaterialien und der Aufenthalt im Freien – wesentlicher Teil des Betreuungskonzeptes ist. In der Vergangenheit haben die beiden Tagesmüttern – von den Kindern Oda und Omi gerufen – mit ihren Schützlingen auch schon ganze Tage im Wald verbracht. „Das Essen bringt mein Mann und geschlafen wird mittags in Schlafsäcken“, so Brunhilde Rambow. Dafür sind die jetzt im „Schneckenhäusl“ betreuten Kinder allerdings noch ein bisschen zu klein. Aber sie haben ja noch ein paar Jahre Zeit. „Die meisten Mädchen und Jungen bleiben bis zur Einschulung bei uns“, erzählt die 65-Jährige. Die Eltern würden sich bewusst für Tagespflege statt Kita entscheiden, weil sie für die Betreuung ihrer Kinder eine familiäre Atmosphäre wünschen. Die flexiblen Betreuungszeiten spielten da kaum eine Rolle. Bis 17 Uhr ist in der Regel auch das letzte Kind abgeholt.

Und was wünschen sich die beiden Tagesmütter für ihre Heimatgemeinde: „Dass sie wieder mehr zusammenwächst“, sagt Brunhilde Rambow. „Dann würde man auch mit wenig Geld einiges schaffen können.“

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