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Gemeinde Malk Göhren : Gemeindeeigene Kita wird geschlossen

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Suche nach neuem Träger ohne Erfolg: Die gemeindeeigene Kita in Malk Göhren wird zu Silvester endgültig geschlossen. Das Aus erkläre sich aus der finanziellen Situation der Gemeinde, informiert der Bürgermeister.

svz.de von
erstellt am 23.Dez.2012 | 06:19 Uhr

MALK GÖHREN | Aus. In acht Tagen schließt die Kindertagesstätte "Sonnenblume" in Malk Göhren endgültig. Die Gemeinde kann sich die eigene Sozialeinrichtung aus finanzieller Not heraus nicht mehr leisten, begründet Bürgermeister Siegmund Holter diesen gesellschaftlichen Einschnitt. Einen anderen Betreiber fand die Gemeindevertretung nicht.

Viel Platz zum Herumtollen also für den fünfjährigen Julian Philipp Becker und seinen einzigen Spielgefährten in der Kita, dem dreijährigen Adrian Grünberg. Die beiden Knirpse waren die Nesthäkchen von Bärbel Kruse, Hiltraud Grzymislawska, Bettina Makowsky und Heike Schütt, die mit guten Worten und einem Blumenstrauß vom Bürgermeister und Stellvertreter Gert Witt verabschiedet wurden.

Für Leiterin Bärbel Kruse, die 23 Jahre in der Malk Göhrener Kita als Erzieherin ihre pädagogischen Spuren hinterließ, gibt es eine berufliche Perspektive. Auch für Bettina Makowsky, die vor zwölf Monaten über die Arbeitsvermittlung von Schleswig-Holstein in die Griese Gegend fand. Hingegen steht Hiltraud Grzymislawsky nach stolzen 31 Jahren als Erzieherin vorerst ein letztes Weihnachten und Silvester in bezahlter Stellung. Und auch Heike Schütte muss sich nach sechs Jahren dem Wettbewerb am Arbeitsmarkt stellen. Die vielen Rasselbanden bändigen sowie kleine und größere Probleme ihrer Schützlinge lösen, dass bereitete dem Quartett Freude und war berufliche Herausforderung zugleich. Das Übernahmeangebot durch die jetzt nicht mehr interessierte Kita-Vereinsführung aus Karenz (SVZ berichtete) schlugen alle vier aus. Gemeinsamer Tenor: Es lag nicht am Geld, den Ausschlag gaben die Bedingungen, die wir erfüllen sollten.

Die Kita in Malk Göhren war schon lange kein rentables Haus mehr, die Gemeindekasse ein klapperndes Wirtschaftsgerüst. Das war auch schon so, als die Kündigungen für die Kita-Frauen im vergangenen Juni versandt wurden. Hätte die Gemeindeführung bis zum kommenden Jahr durchgehalten, wäre der Erhalt der Kita politischer Wille der großen Politik gewesen und keine freiwillige Leistung mehr. Vielleicht wäre das der Rettungsanker gewesen. Doch die Kosten wären weiter angestiegen, mutmaßt Holter. Was der Bürgermeister meint, sind 36 000 Euro Zuschuss für 2012 im nicht ausgeglichenen Gemeindehaushalt, wobei die Kostenstelle "Kita" ohnehin mehr als 100 000 Euro im Jahr erforderte. Der finanzielle Abwärtstrend zeichnete sich hingegen bereits seit 2008 in ganzer Dramatik ab, so Holter. Die Gemeinde liegt heute mit der Forderung eines Haushaltskonsolidierungskonzeptes an der Leine der Kommunalaufsicht. Und von dort wurde aufgefordert, alle freiwilligen Aufgaben strikt zu reduzieren, sonst fließt kein Fördergeld mehr, schiebt Holter ein Stück Verantwortung in Richtung Land und Landkreis. Auch die Erhöhung der Hebesätze bei den Steuern auf das Landesniveau gehört für den Bürgermeister zum unliebsamen Muss, damit die Gemeinde flüssig bleiben kann. Holters Fazit zum Jahresausklang: "Wenn die Landespolitik weiter in dem Stil von oben herab Druck gegen freiwillige Ausgaben macht, dann können wir das Dorf zu machen!"

Kein Geld, keine Kinder, keine Zukunft lautet nun das Endergebnis für die "Sonnenblume" in Malk Göhren, eine der wichtigsten sozialen Angebote in der kleinen Gemeinde im ländlichen Raum vor und nach der Wende. Der Rettungsfaden für die "Sonnenblume" wurde nach den Personalkündigungen im Sommer von den Eltern selbst durchtrennt: Von den 26 Kita-Kindern kamen täglich immer weniger, bis Julian Philipp und Adrian übrig blieben. "Die Kündigungen haben sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Die Eltern hatten kein Vertrauen mehr in die Einrichtung. Ein sicherer Kita-Platz war zu DDR-Zeiten Normalität.Und er gehört auch in der heutigen Zeit nun einmal für die allermeisten Erziehenden zur abgesicherten Lebensexistenz", weiß Bärbel Kruse um diesen Wert.

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