ludwigslust : Gehandicapt für ein paar Stunden

Projekt für 11. Klassen des Ludwigsluster Goethe-Gymnasiums hilft beim besseren Verstehen der Alltagssituation behinderter Mitmenschen

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28. März 2014, 07:00 Uhr

Hannes Clausen sitzt im Rollstuhl. Das kennt er nicht, denn normalerweise ist er zu Fuß unterwegs. Aber er spielt gerade Sitz-Basketball und ist total von den Socken. „Ich dachte, die rollen hier einfach nur ein bisschen rum, aber das geht ja sportlich richtig zur Sache“, so der Elftklässler aus dem Ludwigsluster Goethe-Gymnasium. Er meint damit die Behindertensportler, mit denen er auf dem Hallenparkett unterwegs ist. „Wenn man hier mal 20 Minuten gespielt hat, ist man ganz schön von ab. Mir steht schon der Schweiß auf der Stirn“, so der junge Mann. Er erzählt auch vom Rollstuhl-Parcours, auf dem die Schüler lernen, wie schwierig es sein kann, Treppen und Schrägen zu überwinden oder durch eine Tür zu gelangen. „Ich kann nur jedem empfehlen, das mal aus der Perspektive eines Rollstuhlfahrers zu betrachten, mit welchen Situationen die im Alltag zurechtkommen müssen“, sagt Hannes.

Das Projekt läuft in den 11. Klassen. „Wir wollen unsere Schüler damit vertraut machen, wie der Alltag von Menschen mit Handicap abläuft“, sagt Schulsozialarbeiterin Ramona Stein. „Eine Hemmschwelle soll überwunden werden. Wir wollen Berührungsängste abbauen“, so die Schulsozialarbeiterin. Die Schüler würden morgens aus vielen Orten in die Schule gebracht und nachmittags wieder abgeholt. Zwischendurch seien sie nur unter sich. Da gäbe es gar keine Chance, die Situation anderer Menschen kennenzulernen. Eingeladen waren am Donnerstag Menschen, die den Umgang mit ganz unterschiedlichen Behinderungen zeigten.

Sie zeigten den Schülern, wie man den Alltag mit Handicap bewältigt. Darunter waren Aphasie (Sprachstörungen), Blindheit, spastische Lähmungen, Tumorerkrankungen und Querschnittslähmungen. Es war ein vielfältiges Programm, das den Schülern an diesem Morgen geboten wurde. Ein Raum in der Schule gehörte Margarete Gieseler und anderen Angehörigen des Blinden- und Sehschwachenvereins. Sie hatten verschiedenste Hilfsmittel mitgebracht, welche Menschen, die ohne Augenlicht leben müssen, helfen, ihren Alltag so selbstständig wie möglich zu bewältigen. Auch einen Blindenhund hatten sie mit in die Schule gebracht.

Ein Zimmer weiter ging es um Aphasie, das sind Einschränkungen des Sprachzentrums. Aphasiker können neben der Sprachstörung noch andere Einschränkungen haben, zum Beispiel halbseitige Lähmung auf der rechten Körperseite. Andrea Groß und Ingrid Freier zeigten den Jugendlichen, wie schwierig es ist, sich mit einer Hand die Socken und Schuhe anzuziehen oder einhändig ein Brötchen aufzuschneiden. Manch einer hatte da so seine Schwierigkeiten beim selber Ausprobieren. Auch die siebte Auflage dieses besonderen Projekttages bietet viel Stoff zum Nachdenken.

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