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Kerzenscheune Gross Laasch : Gegossen, nicht gezogen

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Christine Gabler kann in ihrer Kerzenscheune Hobby und Beruf verbinden / Adventszeit ist Hochsaison für die Laascher Handwerker

svz.de von
erstellt am 26.Dez.2015 | 12:00 Uhr

Das Wachs ist heiß genug. Vorsichtig nimmt Christine Gabler den Becher aus dem Schmelzgerät und lässt die rote Flüssigkeit langsam in die Form fließen. Jetzt heißt es warten. Bevor die Laascherin die nächste Schicht gießen kann, muss die erste fest sein. „Das dauert pro Schicht eine halbe bis eine Stunde“, erklärt sie. „Wie lange genau hängt auch von der Umgebungstemperatur ab.“ In der Zwischenzeit ruht Christine Gabler allerdings nicht aus, sondern bereitet die nächsten Kerzen vor. Sie werden immer gegossen und nicht – wie bei manch anderem Hersteller – gezogen. Vor allem in der Weihnachtszeit sind die handgemachten Produkte aus Tines Web- und Kerzenscheune gefragt.

Und so waren Christine Gabler und ihr Mann Rudi seit Ende November fast ständig auf Weihnachtsmärkten unterwegs. Wenn der eine Markt beendet war, produzierten die beiden Laascher in der heimischen Werkstatt Nachschub für den nächsten. Dazwischen führten sie noch Besuchergruppen in die Kunst des Kerzengießens ein. „Es ist toll zu erleben, wie die eigene Begeisterung überschwappt“, sagt die 63-jährige Jungunternehmerin. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“

Vor rund acht Jahren hatte sie sich mit ganz anderen Erwartungen selbstständig gemacht. „Ich hoffte, dass ich es mit der Web- und Kerzenscheune bis zur Rente schaffe“, sagt Christine Gabler. „Dass es jetzt so läuft, hätte ich im Traum nicht gedacht.“

Ein Zufall hatte damals schon für einen rasanten Start gesorgt. Als beim Weihnachtsmarkt in Ludwigslust ein Händler abgesprungen war, fragten die Veranstalter über einen Bekannten bei Christine Gabler an. „Ich hatte aber erst ein Schmelzgerät, drei Handvoll Formen und auch nicht sonderlich viele Kerzen auf Lager und war mir nicht sicher, das schaffen zu können“, erinnert sie sich. Doch Schwiegersohn und Tochter bestärkten sie und halfen kräftig mit. „Wir haben Nachtschichten gemacht, um genügend Kerzen zu haben“, so Christine Gabler. Und die Kinder standen in der Hütte auf dem Markt und haben verkauft. „Im Januar stand unser Telefon nicht mehr still“, erzählt die Laascherin. Anfragen fürs Kerzengießen mit Schulklassen, Bestellungen, Buchungen für weitere Märkte. „Zu Anfang hatten wir uns zum Ziel gesetzt, nur in einem Umkreis von 50 Kilometern zwischen Elbe und Schwerin unterwegs zu sein“, sagt die 63-Jährige. „Doch jetzt sind wir auch in Hitzacker, im südlichen Hamburg, in Neubrandenburg und Stralsund.“ Und viele Angebote müsse man aus Zeitgründen ausschlagen.

Nach dem Gießen schlägt die Stunde von Ehemann Rudi. Er schneidet den Docht auf Länge, begradigt die Kerzen bei Bedarf, entfernt Grat und poliert – „mit alten Feinstrumpfhosen“, wie er verrät. Die Arbeit in der Kerzenmanufaktur ist ihm genauso ans Herz gewachsen wie seiner Frau. „Sie macht so viel Spaß und ist eine gute Therapie“, sagt er aus eigener Erfahrung. „Ein Leben ohne Kerzen kann ich mir nicht vorstellen.“

Nach dem Adventstrubel kehrt in der Kerzenscheune ein bisschen Ruhe ein. Aber nicht für lange Zeit. Nach Silvester nehmen Gablers Kurs auf die nächsten Märkte und Feiertage. Die ersten Osterkerzen sind schon fertig.

 

 

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