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Christoph Biemann in Ludwigslust : Gefeiert wie ein Popstar

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Christoph Biemann aus der „Sendung mit der Maus“ erklärte heute Ludwigsluster Schülern die Welt und ermutigte sie zum Experimentieren

von
erstellt am 16.Jun.2017 | 20:55 Uhr

Gas kann man mit Tüten backen. Und dafür muss man kein Chemiker sein. „Glaubt Ihr nicht? Stimmt aber.“  Christoph Biemann kramt ein Tütchen Brausepulver aus seinem Koffer und kippt es in eine kleine Plastikröhre voller Wasser. Stöpsel rauf. Und abwarten. Die Kinder in der Ludwigsluster Stadthalle recken die Hälse. Manche hält es nicht mehr auf den Stühlen. Keiner will verpassen, was der  Mann im grünen Pullover da oben auf der Bühne gerade angekündigt hat.

Drei Sekunden dauert es, da zischt das kleine Röhrchen wie eine Rakete in hohem Bogen  durch den Saal, ploppt bis hoch an die Hallendecke. Ein erstauntes Raunen geht durch die Menge. Die Kinder klatschen begeistert in die Hände. Ein Junge ruft mutig „Zugabe“.

Der Mann mit den grauen Haaren wird gefeiert wie ein Popstar. Die meisten der Grundschulkinder, die gestern Morgen zum „Experimentieren mit Christoph Biemann“ kamen, kennen ihn längst aus dem Fernsehen. „Ich sehe ihn oft  Sonntagmittag  in der  Sendung mit der Maus“, erzählt Matthias aus der dritten Klasse der Techentiner Grundschule. „Und wenn ich es nicht schaffe, dann hole ich das in der Mediathek nach. Man muss sich beeilen, sonst ist die Folge schnell wieder gelöscht.“ Der Neunjährige gehört zum Team der kleinen Forscher an seiner Schule.  Als Christoph Biemann gestern von den Schülern wissen will, wer von ihnen denn später einmal Wissenschaftler werden möchte, hebt auch Matthias seinen Arm. „Experimentieren ist voll nice“, sagt er. Ein paar von den Versuchen, die Christoph Biemann gestern vorführt, kennt  Matthias schon.  Zum Beispiel das mit dem Ei und der Flasche. Wie von Zauberhand befördert der Moderator  ein  gepelltes Ei durch einen engen Flaschenhals in eine Milchflasche ohne es anzufassen.  Man braucht nur ein bisschen heißes Wasser in der Flasche, das beim Abkühlen einen Unterdruck erzeugt, der das Ei hineinsaugt. Auch das Ei bekommt an diesem Morgen tosenden Applaus von den Kindern.  

Als Biemann nach 45 Minuten das letzte Experiment ankündigt, sind die Kinder fast enttäuscht. Lukas (9) aus Ludwigslust hätte gern  noch weiter zugesehen.  Dafür hat er Glück und  ergattert das letzte Buchexemplar  von „Christophs Experimenten“, in das der Autor ihm auch noch eine persönliche Widmung schreibt. Am Ende stürmen  350 Kinder vor zur Bühne, winken mit  Autogrammkarten und warten später geduldig in der Schlange. Für den Klassenlehrer  René Kruck ist die Begeisterung seiner Schüler keine Überraschung. „Wir haben schon im Unterricht viel über die Sendung mit der Maus gesprochen und ein paar Experimente durchgespielt. Da war schon abzusehen, dass die Kinder hier heute viel Spaß haben werden.“ Der 51-Jährige konnte früher als Kind nie die Sendung sehen. „Bedauerlicherweise“, sagt er. „Ich habe in Sachsen gelebt und hatten keinen Westempfang.“ Dafür sieht er heute die Sendung öfter. „Auch als Erwachsener kann man dabei noch jede Menge dazu lernen."

Er ist ein Kind aus Ludwigslust

Sie sind in Ludwigslust geboren und lebten  mit Ihren Eltern in Grabow. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Meine Eltern sind 1954, da war ich zwei Jahre alt, in den Westen gegangen. Aber ich habe meine Oma in Grabow später  als Ferienkind oft im Sommer besucht. Ich weiß noch, wie man mir im Zug am Grenzübergang in Büchen die Micky-Maus-Hefte wegnahm. Das war traumatisch. Ansonsten habe ich sehr schöne Erinnerungen an Streifzüge durch Kiefernwälder und gefährliche Spiele  auf  Truppenübungsplätzen. Und natürlich ans Schwimmen in der Elde.

Haben Sie heute noch persönliche Verbindungen hierher?

Meine Schwester wohnt in Dannenberg. Vor zwei Jahren waren wir mit der Familie im Ludwigsluster Schlosspark beim Feuerwerk. Ich habe meinem Sohn mein Geburtshaus Stift Bethlehem gezeigt. Die Anfrage der Ludwigsluster Bibliothek, hier in meiner Geburtsstadt vor Grundschülern zu experimentieren, hat  mich  sehr gefreut.

Sie hatten die Kinder  hier  in der Stadthalle  schnell in Ihrem  Bann. Heute wie vor 40 Jahren begeistern Sie Ihre Zuschauer mit so simplen wie faszinierenden Experimenten. Wie geht das?

Ganz einfach. Man muss ehrlich sein und neugierig bleiben. Unsere Sendung will nicht belehren, sondern unterhalten. Wenn Kinder etwas erfahren, was sie Minuten vorher nicht gewusst haben, dann erzeugt das Begeisterung.

In Ihrem Buch „Christophs Experimente“ geben Sie  Anleitungen zum Nachmachen zuhause. Darunter sind auch Experimente, die die Sinne schärfen oder der Seele gut tun.  Wenden Sie die auch in Ihrem eigenen Alltag an?

Ja. Klar.  Jeden Tag im Auto. Ich lächle  einfach so vor mich hin. Das vertreibt von ganz allein den Trübsinn beim Fahren.

Welche Fragen  möchten Sie  unbedingt noch in einer der nächsten „Sendungen mit der Maus“ beantworten? 

Ach da gibt es viele. Meine Enkel haben immer wieder neue Ideen. Letztens wollten sie wissen, woher der Schaum auf den Wellen in den Flüssen kommt oder  wie Muschelbabys aussehen. Mein nächster konkreter Auftrag aber ist, herauszufinden, wie so eine piepsende Einparkhilfe  funktioniert.

kahe

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