Ludwigslust : Gefangen im Pannen-Fahrstuhl

Ludwigsluster steckt im Lift an der Fußgängerbrücke über die Bahngleise fest / Erst die freiwillige Feuerwehr kann ihn aus dem Aufzug befreien

svz.de von
17. Dezember 2013, 18:29 Uhr

Für Hartmut Eickhoff waren es die längsten knapp zwei Stunden seines Lebens. Er steckte am Montagabend im Fahrstuhl fest. Gefangen im Pannen-Lift.

Was viele Ludwigsluster schon lange befürchtet haben, ist nun tatsächlich eingetreten. Am Montagabend ist wieder einmal einer der Fahrstühle an der Fußgängerbrücke über die Bahngleise in Stiftsnähe stecken geblieben – und mit ihm zum ersten Mal ein Fahrgast. Es ist 17.45 Uhr. Hartmut Eickhoff ist mit seinem Hühnerschreck (Fahrrad mit Benzinmotor) auf dem Heimweg. Der Ludwigsluster kommt von seiner Mutter, fährt mit dem Lift auf der Stiftseite hoch. Auf der Seite zur Fleischerei steigt er wieder in den Fahrstuhl, um hinunterzufahren. Was dann kommt, beschreibt Hartmut Eickhoff so: „Ich drückte den Null-Knopf, der Fahrstuhl ruckte an und blieb schon 20 Zentimeter tiefer stecken.“

Für diesen Fall gibt’s an der Liftwand einen Notrufknopf. Den drückt Eickhoff auch. Der Notruf läuft in Berlin in der Zentrale des Fahrstuhlbauers auf, die den beauftragten Bereitschaftsdienst informiert. Obwohl laut Vertrag höchstens 30 Minuten zwischen Notruf und Ankunft bei der eingesperrten Person vergehen dürfen, sei die Schweriner Firma erst nach einer Stunde dagewesen, berichtete Jens Gröger, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung bei der Stadtverwaltung Ludwigslust, gestern.

„Gegen 19 Uhr fuhr unterhalb des Fahrstuhls ein Pkw mit der Aufschrift ,Wachdienst‘ vor“, berichtet Hartmut Eickhoff. „Der Wachmann kam dann auch hoch, hantierte mit zwei Schlüsseln an einem Kasten, in dem der Notfallschlüssel war, mit dem er die Fahrstuhltür öffnen wollte. Nur: Keiner der beiden mitgebrachten Schlüssel passte.“ Der für die Personenrettung zuständige Bereitschaftsdienst war also mit Verspätung da (der Mann hatte den Katzenbuckel zunächst nicht gefunden), konnte aber nicht retten.

Inzwischen haben sich am Pannen-Lift schon mehrere Menschen eingefunden, darunter auch Eickhoffs Tochter und Enkel. Auch ein Nachbar ist da. „Mein Nachbar unterhielt sich mit mir, so wurde mir die Zeit nicht ganz so lang“, erzählt Eickhoff, der zwischendurch auch mit seiner Frau telefoniert: „Sie sollte die Bratkartoffeln vom Herd nehmen, ich würde etwas später kommen...“

Weil er eine gut gefütterte Jacke trägt, wird Hartmut Eickhoff wenigstens nicht kalt. Und der Wachmann kann trotz langer Telefongespräche nicht helfen. Schließlich nimmt der Eingeschlossene die Sache selbst in die Hand und alarmiert über sein Handy die Polizei. Die schickt umgehend die Feuerwehr.

Parallel dazu hat Jens Gröger, der vom Fahrstuhlbauer inzwischen auch informiert wurde, Kontakt zu Stadtwehrführer Bodo Thees aufgenommen, um die Rettung des Eingeschlossenen auf den Weg zu bringen.

„Die Freiwillige Feuerwehr Ludwigslust ist um 19.13 Uhr von der Leitstelle alarmiert worden“, erklärte Bodo Thees. Sie rückt mit zehn Kameraden und zwei Fahrzeugen – einem LF 16 und einem Rüstwagen – aus. Der Feuerwehr gelingt es innerhalb kürzester Zeit, eine Verriegelung oberhalb der Tür zu öffnen, die Tür mit Gewalt auseinanderzudrücken und Hartmut Eickhoff nach fast zwei Stunden aus dem bockenden Aufzug zu befreien.

„Undenkbar, wenn ein älterer Mensch, ein Kind oder jemand, der unter Platzangst leidet, hier eingeschlossen gewesen wäre“, sagt Eickhoff, der als Kraftfahrer in einer Spedition arbeitet. Er selbst nutzt den Aufzug sonst eigentlich kaum.

Diese erste Rettungsaktion – bisher waren nie Personen in den immer wieder streikenden Liften gefangen gewesen – ist nach Ansicht von Jens Gröger grundlegend schiefgegangen. Er hat gleich gestern Morgen von der Aufzugsfirma eine Stellungnahme eingefordert.


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