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Ludwigslust/ Lübtheen : Gefährlicher Einsatz für Naturerbe

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Forstleute des Bundesforstbetriebes Trave sind in der Heide auch auf kampfmittelbelasteten Flächen am Werk

von
erstellt am 08.Sep.2017 | 21:00 Uhr

Der Quaster Tag konnte in diesem Jahr erstmals wieder mitten auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lübtheen am Gedenkstein begangen werden. Die Teilnehmer der Veranstaltung wurden aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen mit Fahrzeugen der Feuerwehr vom Parkplatz in Hohenwoos zum Ort des Gedenkens gefahren.

„Es darf also keiner, wie es vor ein paar Jahren gang und gäbe war, mit dem Fahrrad oder dem eigenen Auto, geschweige denn zu Fuß das Gelände betreten“, heißt es in einem Leserbrief von Irmgard und Jürgen Wolf aus Hohenwoos. Beide fragen sich nun aber, warum andere dann in das in das Gebiet mit Fahrzeugen und schwerer Technik hinein dürfen. In dem Gebiet, das noch unter dem „Absoluten Betretungsverbot – Lebensgefahr“ steht, wurde Holz gemacht. „Harvester und der Rücker sind den ganzen Tag, schon über längere Zeit damit beschäftigt, Bäume zu fällen und aus dem Wald zu holen. Es wird kreuz und quer durch das ganze Gebiet gefahren. Auf Nachfrage wurde gesagt, die Leute seien ja versichert. Fliegt man, wenn man versichert ist, nicht in die Luft oder was nützt die Versicherung, wenn man tot ist? Langsam muss sich die Obrigkeit doch lächerlich vorkommen“, heißt es in ihrem Leserbrief an die SVZ weiter.

Einer, der es ganz genau wissen muss, was es mit diesen Arbeiten auf sich hat, ist Forstoberrat Andreas Wolters Funktionsbereichsleiter Liegenschaften im Bundesforstbetrieb Trave. Im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), Eigentümerin des ehemaligen Truppenübungsplatzes, der nun als Nationales Naturerbe eingestuft ist, sind Forstleute dort im Einsatz. „Umfangreiche Arbeiten, die in drei Ziele unterteilt sind, müssen dort ausgeführt werden. Zum einen sollen Waldflächen Urwald bleiben, die Offenlandflächen sollen offen bleiben und es ist ein naturverträgliches Besucherkonzept zu entwickeln. Das heißt, die Flächen sollen erlebbar sein. Dabei haben wir als Bundesforst die Verpflichtungen der EU umzusetzen“, so Andreas Wolters.


Risiko für alle Arbeiten trägt der Eigentümer


„Nationales Naturerbe heißt, der ganze Platz ist ein Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiet, einige Teile sind Vogelschutzgebiete. Das alles gilt es bei unserer Arbeit zu berücksichtigen. In diesem Auftrag bewegen wir uns auf den anderen Flächen, die noch kampfmittelbelastet sind. Das ist für den normalen Waldbesucher sicher schwer zu verstehen. Er muss hinter den Sperrschildern stehen bleiben und darf die belasteten Flächen nicht betreten.“ Das Risiko für alle Maßnahmen, die auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz passieren, trage der Eigentümer, so Andreas Wolters. „Aber auf den noch belasteten Flächen machen wir auch das, was wir schon auf anderen militärischen Flächen getan haben. Unsere Leute sind speziell durch den Munitionsbergungsdienst geschult und instruiert“, so der Forstoberrat. „Wir als Bundesforst haben uns auch schon umgestellt, was die Jagd auf diesen Flächen angeht. Früher wurden große Drückjagden durchgeführt, die auch offen für Dritte waren, das gibt es jetzt nicht mehr.“ Entschieden wurde das vor dem Hintergrund, dass die Teilnehmer der Jagden sich hier nicht auskannten. Andreas Wolters: „Jetzt gehen wir noch mit unseren eigenen Leuten, die sich auskennen, auf die Flächen. Was zum Beispiel zu Schwierigkeiten führen wird, z.B. den Abschussplan bei Wildschweinen zu erfüllen, wenn wir das nur noch mit eigenen Kräften stemmen sollen.“

Zu den vordringlichen Aufgaben bei der Entwicklung des Nationalen Naturerbes geht es erst einmal um Kartierungsaufgaben, z.B. sind Vogelarten in den Schutzgebieten und Pflanzen im Naturerbeplan zu erfassen. „Ebenso ist zu untersuchen, wie naturnah die Waldbestände sind, es gibt zudem Forstschutzkontrollen. Auflichtungsarbeiten gehören zu den Waldentwickungsmaßnahmen, mit denen wir nach und nach die Naturvielfalt auf den Flächen erhöhen wollen. Pflegemaßnahmen in der Heide gehörten in den vergangenen Wochen zu unseren aktuellen Aufgaben“, so Andreas Wolters. „Wir müssen in der Art der Bewirtschaftung total umdenken und sehen die Fläche jetzt mit anderen Augen aus der Sicht des Nationalen Naturerbes. Dabei stellt sich aber auch die Frage, ob wir uns aus Sicherheitsgründen mit unseren Arbeiten auch künftig so wie bisher auf Flächen des Truppenübungsplatzes bewegen oder Aufwand und Einsatz nicht herunterfahren sollten.“

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