Wöbbelin : Gedenken am Grab von Janusz Kahl

An der Grabstätte von Janusz Kahl auf dem Friedhof Zyrardow: Tochter Jolanta Woszczyk, Ramona Ramsenthaler und Inge Wandersee vom Förderverein, Dr. Urszula Spinkiewicz (Klub ehemaliger Häftlinge des KZ Neuengamme) sowie der Sohn Zbiegnew Kahl (v.l.n.r.)
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An der Grabstätte von Janusz Kahl auf dem Friedhof Zyrardow: Tochter Jolanta Woszczyk, Ramona Ramsenthaler und Inge Wandersee vom Förderverein, Dr. Urszula Spinkiewicz (Klub ehemaliger Häftlinge des KZ Neuengamme) sowie der Sohn Zbiegnew Kahl (v.l.n.r.)

Mitglieder des Träger- und des Fördervereins Mahn- und Gedenkstätten reisten in die polnische Hauptstadt Warschau

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24. April 2017, 21:00 Uhr

Der Besuch war ihnen wichtig. Wichtig für das Abschiednehmen von Janusz Kahl, der Anfang November vergangenen Jahres plötzlich verstorben war. Mitglieder des Trägervereins Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin und des Vereins Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis besuchten dieser Tage das Grab des KZ-Überlebenden in Zyrardow bei Warschau. Kahl gehörte zu den Zeitzeugen, die der jüngeren Generation aus eigenem Erleben von diesem dunklen Kapitel berichten konnten.

Janusz Kahl, der 89 Jahre alt wurde, war wie fast alle polnischen Überlebenden des KZ Wöbbelin nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes verhaftet worden. Am 1. August 1944 hatte sich die Polnische Heimatarmee gegen die deutschen Besatzer erhoben. In einem ungleichen Kampf hielten die Aufständischen 63 Tage stand, bevor ihr Kommandant Tadeusz Bor-Komorowski angesichts der erdrückenden Übermacht vor dem berüchtigten SS-Obergruppenführer Erich von dem Bach-Zelewski kapitulierte. Danach gab es viele Verhaftungen, darunter auch der damals 17-jährige Janusz Kahl und sein Vater. Sie hatten im Untergrund gelebt, wo der junge Mann sogar sein Abitur ablegte.

Kahl war immer wieder Gast in Wöbbelin gewesen und hatte über Jahre die Erinnerungsarbeit gefördert.

Er hatte das Martyrium des KZ Wöbbelin überstanden und besonders der Jugend immer wieder davon erzählt – in einer Art und Weise, dass die jungen Menschen an seinen Lippen hingen. Ohne Pathos, ohne eine Spur von Sensationshascherei. Am 23. März 1945 war er nach Wöbbelin gekommen und musste beim Aufbau des neuen Steinbarackenlager Schwerstarbeit verrichten – 40 Tage lang, bevor das Lager von amerikanischen Fallschirmjägern und Infanteristen befreit wurde.

Die unterschiedlichen Nationalitäten und Verhaftungsgeschichten sind Themen der Bildungsarbeit in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Welches Niveau sie dabei erreicht haben, das wurde unerwartet in einer Rede beim Empfang deutlich, zu dem sich die Vereine der ehemaligen KZ-Häftlinge in der polnischen Hauptstadt getroffen hatten. Krystyna Zajac, Überlebende des KZ Ravensbrück und des Todesmarsches in der Region, würdigte die Erinnerungsarbeit in Wöbbelin, Ludwigslust und Neustadt-Glewe und auch die Neugestaltung der Gedenkstätten.

Bei dem Treffen in Warschau war auch Dr. Urszula Spinkiewicz dabei. Sie war beim Warschauer Aufstand vier Jahre alt und wurde beim Häuserkampf durch eine Kugel verletzt. Auch ihr Vater ist nach dem Aufstand verhaftet worden. Vor 25 Jahren hat Urszula Spinkiewicz herausgefunden, dass ihr Vater im KZ Neuengamme bei Hamburg umgekommen ist. Zwischen 1938 und 1945 starben in diesem Lager mindestens 50 000 Menschen infolge der unmenschlichen Haft- und Arbeitsbedingungen. Eine Ausstellung über dieses Konzentrationslager wird übrigens im September/Oktober dieses Jahres im Lichthof des Ludwigsluster Rathauses gezeigt.

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