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Eldena : Gedanken an Sohn gaben Karin Halt im Gefängnis

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Elke Ferners Buch „Ich will mein Kind!“ beschreibt das Martyrium einer Mutter in den Fängen der Stasi

von
erstellt am 13.Okt.2017 | 19:00 Uhr

Karin stellt wiederholt mit ihrem Mann, dessen Verwandtschaft zum größten Teil im Westen lebt, seit 1975 einen Ausreiseantrag. Im Mai 1980 wird sie in Magdeburg, wo sie in einem Plattenbau wohnt, verhaftet. Ein Brief als letzter Hilferuf wird ihr zum Verhängnis. Stasi-Spitzel haben sie verraten. Der Brief, der erst in der BRD auf die Reise geschickt werden soll, wird an der Grenze abgefangen.

Eine unmenschliche Tragik ist die urplötzliche Trennung der Mutter von ihrem achtjährigen Sohn Matthias – davon handelt das neue Buch von Elke Ferner „Ich will mein Kind!“. Die Autorin, die zuletzt Anekdoten aus dem DDR-Alltag und auf Plattdeutsch veröffentlichte, wandte sich einem für sie völlig neuen Thema zu, das auch heute noch – 28 Jahre nach dem Untergang der DDR – voller politischer Brisanz ist.

„Ich schreibe schon seit jungen Jahren Kurzgeschichten und Alltagsgeschichten aus der DDR, die ich dann auch in Lesungen vorstelle. Daher kannte mich auch Karin. Sie trat dann eines Tages an mich heran und sagte, sie hätte etwas für mich, ob ich das für sie aufschreiben würde. Wir trafen uns und sie erzählte mir ihre Geschichte. Und als ich dann von ihr den Satz hörte: ,Noch einmal möchte ich mein Kind sehen’, war das für mich der Auslöser, das alles aufzuschreiben“, so Elke Ferner.

Die gewünschte Ausreise in die BRD bildet die Hintergrundgeschichte für das menschliche Leid. Ein Fall von Tausenden zeigt schonungslos die Macht des Ministeriums für Staatssicherheit, der Stasi, die im Auftrag der SED handelte. Durch die Konfrontation mit dem DDR-Herrschaftssystem macht Karin brutalste Erfahrung mit der Willkür der Herrschenden. Die Einweisung ihres Sohnes in den Jugendwerkhof und der entwürdigende Haftalltag bringen Karin an ihre Schmerzgrenze – und das nur, weil sie nicht den geforderten Normen entspricht. „Karin vertritt felsenfest ihre Meinung und Werte, lässt sich niemals einschüchtern oder umkrempeln“, war der Autorin als Eindruck aus den Gesprächen mit Karin im Gedächtnis geblieben. Für sie fühlt sich die Ausreise in die BRD richtig an, Karin fixiert sie selbst unter psychischem Druck.

Es ist der 5. Mai 1980. Der Tag wird tragisch enden, was Karin morgens noch nicht ahnt. Die damals 30-Jährige denkt an den geplanten Urlaub im Sommer und freut sich auf Polen, wo sie und ihre Familie bei Freunden weilen wollen. Sehr gern reist die Familie in andere Länder, natürlich ins sozialistische Ausland. Inzwischen sogar mit Söhnchen Matthias. Der bald aus der Schule kommen müsste. Ein Blick auf die Uhr gibt zu erkennen, dass der Junge in zwanzig Minuten heimkommen würde. Doch stattdessen kommt die Stasi und holt sie ab. Den Sohn, den sie dann einer guten Nachbarin im Haus in Obhut gibt, wird sie lange nicht wiedersehen – denn auch ihn holt die Staatssicherheit ab. Die Nachbarin hat Karin verraten – sie war selbst ein Stasi-Spitzel.

Was bedeutet für Karin die Stasi-Haft? Wie ergeht es der Mutter im Frauengefängnis Stollberg-Hoheneck, wo sie unentwegt an ihr Kind denkt? Für ihren Sohn muss sie durchhalten. Wie wirkt sich die einjährige Haft auf die Psyche und das weitere Leben von Karin und der ganzen Familie aus, wie geht es Karin nach dem Freikauf in der BRD?

Auf all das gibt das Buch von Elke Ferner Antworten. Vorstellen wird die Autorin die Geschichte von Karin und ihrer Familie am 24. November um 14.30 Uhr im Alten Forsthof der Volkssolidarität in Ludwigslust. „Dort werde ich zusammen mit Günter Möller Passagen aus dem Buch vortragen“, so Elke Ferner. Wer vorab schon mal ein Exemplar erwerben möchte, sollte bei Elke Ferner zu Hause im Eldenaer Ortsteil Güritz in der Waldstraße 17c vorbeischauen.

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