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Ludwigsluster Tageblatt

24. Oktober 2017 | 09:49 Uhr

Ludwigslust : Für zwei Wochen Steinmetzin

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Marlen Kanzok aus Warlow hat sich für ihr Schülerpraktikum einen echten Männerberuf ausgesucht

von
erstellt am 23.Jul.2016 | 08:30 Uhr

Marlen Kanzok (16) und Lukas Blank (18) schlagen konzentriert mit Hammer und Meißel auf den Stein ein. Lukas, weil er eine Lehre als Steinmetz beginnen will, Marlen, weil sie als Neuntklässlerin in ihrem Schülerpraktikum mal etwas ganz anderes machen wollte, als man sich landläufig für ein junges Mädchen vorstellt. Beide mögen aus unterschiedlichen Motiven handeln, Thomas Mahnke, der Inhaber des Steinmetzbetriebes, hat ihnen jedoch eine gemeinsame Aufgabe übertragen. Beide schufen also gemeinsam einen Leuchtturm, der auf einem Sockel steht.

„Eine neue Erfahrung für beide, bei hohen Temperaturen auf Gedeih und Verderb als Duett zu agieren, dabei ihre ganz individuellen Ansprüche an die Gestaltung der Werkstücke zu stellen und als Höhepunkt den ganzen Tag schwere Hämmer zu schwingen“, sagt Thomas Mahnke.

Der Chef hat Marlen auf einem Berufsstartertag kennengelernt. Die Schülerin besucht das Goethe-Gymnasium in Ludwigslust. „Der Berufsstartertag fand bei uns in der Turnhalle statt. Herr Mahnke fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mal in den Beruf eines Steinmetzen hineinzuschnuppern“, erinnert sich Marlen Kanzok. „Es ist doch spannend, wenn Frauen sich für Männerberufe interessieren“, sagt Thomas Mahnke. Bei der jungen Warlowerin hat er offene Türen eingerannt. „Ich bin gern kreativ und wollte mal ausprobieren, wie der Beruf des Steinmetzen ist“, erklärt Marlen. Ihr Resümee nach zwei Wochen: Die Arbeit ist schwerer, als sie sich das vorgestellt hatte. Dennoch zeigt sich Thomas Mahnke begeistert, wie sich das Mädchen in seine Aufgabe hineingekniet hat. An einem Tag mochte Marlen ihren Arbeitsplatz nicht verlassen, obwohl Papa gekommen war, sie abzuholen. „Ich kann auch menschlich viel mitnehmen“, erklärt die Schülerpraktikantin. „Das ist ein super Team hier, und ich fühle mich richtig aufgenommen.“ Lukas Blank kann das nur bestätigen. Er hat in dieser Woche ein Bewerbungspraktikum in Ludwigslust absolviert und wird in einem anderen Steinmetzbetrieb in der Nähe von Rostock, wo er lebt, eine Lehre aufnehmen. Der handwerkliche Beruf eines Steinmetzen ist das Richtige für ihn, davon ist Lukas Blank überzeugt. Der 18-Jährige hat sich ausprobiert, zum Beispiel den Bundesfreiwilligendienst absolviert und mit behinderten Menschen gearbeitet. „Ich sehe dieses Praktikum hier im Steinmetzbetrieb auch als Möglichkeit an, ein noch gründlicheres Bild von mir selbst zu haben“, sagt er. Für Marlen haben die Ferien begonnen. Zeit, auch über ihr Praktikum nachzudenken.

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