Ludwigslust : Für Politik des Gehörtwerdens

Robert Hintz (28) hat sich schon als Schüler im Jugendrat politisch engagiert und war bis 2012 auch als Fraktionsmitglied der Grünen in der Ludwigsluster Stadtvertretung.
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Robert Hintz (28) hat sich schon als Schüler im Jugendrat politisch engagiert und war bis 2012 auch als Fraktionsmitglied der Grünen in der Ludwigsluster Stadtvertretung.

„Was ich nicht weiß, kann ich nicht ändern“, sagt Landtagskandidat Robert Hintz (Grüne) und sucht die Gespräche vor Ort

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27. August 2016, 06:17 Uhr

Grabower Marktplatz, 12 Uhr. Zwei Stunden hat Robert Hintz hier neben der grünen Strandfahne vor dem Rathaus gestanden. Er hat grüne Windmühlen und Luftballons verteilt, hölzerne Chips für Einkaufswagen und grüne Sattelbezüge verschenkt. „Ich werde ab heute immer an Sie denken, wenn ich Rad fahre“, ruft ihm eine Frau zu. „Für Draht und Esel“ steht jetzt gelb auf grün auf ihrem Sattel geschrieben. „Draht“ vielleicht als Metapher für die direkte menschliche Begegnung. Für das Gespräch. Das Zuhören. „Was ich nicht weiß, kann ich nicht ändern“, sagt er. Deshalb sei es so wichtig vor Ort zu sein, den Bürger reden und auch meckern zu lassen. „Nicht allen werden wir es recht machen können. Aber wir nehmen ihre Probleme mit und gucken, ob sich ein Konsens und Mehrheiten für die Lösung finden lassen.“

Hintz nennt das „Politik des Gehörtwerdens“. Mit dem Slogan ist auch der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Stuttgart angetreten. Robert Hintz kennt den baden-württembergischen Landesvater gut. Er hat drei Jahre im Landtagsbüro der Grünen gearbeitet, war zuvor Praktikant bei Cem Özdemir während des Bundestagswahlkampfes 2013. Das alles in Stuttgart, wo die Grünen im März mit mehr als 30 Prozent die meisten Stimmen bekamen, wo alle vier der vier Direktkandidaten der Grünen in den Landtag einzogen.

Auch Hintz ist jetzt Direktkandidat. Nur, wenn er die meisten Stimmen in seinem Wahlkreis bekommt, kann er für die Grünen in Schwerin in den Landtag ziehen. „Ich weiß, dass das kaum möglich ist“, sagt er. Auch das Ergebnis der letzten Landtagswahl von 8,7 Prozent für die Grünen, sei unwahrscheinlich. „Wir hoffen aber auf über 6,3 Prozent“, sagt Hintz. Großes Ziel sei weiter die stärkste Grüne Fraktion in Ostdeutschland zu sein.

Politisch engagiert hat sich Hintz schon in der Schule. Philosophie war sein Lieblingsfach. „Weil man da so schön diskutieren konnte.“ Den Vater, Polizist, löchert er zuhause mit Fragen zu Themen aus der Tagesschau. Am Ludwigsluster Gymnasium war er Klassensprecher und lange Zeit Mitglied und Vorsitzender des Jugendrates der Stadt. „Wir haben uns oft in der Stadtvertretung Gehör verschafft und so die eine oder andere Aktion für Kinder und Jugendliche angeschoben.“ Auf der Bürgerwerkstatt 2008 schließlich, wo er vor 400 Leuten zu „Jugend und Bürgerbeteiligung“ redet, spricht ihn Regina Prey, damals für Bündnis 90/Grüne in der Stadtvertretung, an. Ob er sich vorstellen könne, sich als Stadtvertreter genauso zu engagieren? Wenig später zieht er im ersten Anlauf mit nur 21 Jahren ins Stadtparlament. „Ich habe damals gelernt, dass Engagement für die Sache nicht von einer Partei abhängig ist.“

Er studiert in Greifswald Politik, Wissenschaft und Philosophie, wird für die Grünen in den Kreistag gewählt und arbeitet später im Landtagsbüro der Partei in Schwerin. Nach Stuttgart zog Hintz nur, weil seine Frau hier in der Heimat keine Arbeit fand. Seit März ist er wieder zurück. Sein zweiter Sohn ist gerade geboren. Hintz arbeitet heute als Leiter des Landtagsbüros der Grünen in Schwerin und ist Referent für Landtagsabgeordnete Silke Gajek.

Wenn er in Ludwigslust seine grüne Strandflagge neben dem Wahlstand am Markttag aufbaut, ist er nie lange allein. „Schön, dass er wieder da ist“, sagt Regina Prey. „Robert ist verantwortungsbewusst ohne polemisch zu werden. Erfrischend eben und noch unverdorben.“

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