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Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 16:13 Uhr

Grabow : Für Kids, die mehr Zuwendung brauchen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Arbeiterwohlfahrt betreibt den sozialpädagogischen Hort in der Grabower Kita „Märchenland“ / Geld für gemeinsame Veranstaltungen wird benötigt

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 15:48 Uhr

Ein Mädchen fehlt sehr oft in der Schule. Es mag nicht dorthin gehen. Heike Scheufler arbeitet mit dem Kind und erreicht, dass innerhalb eines längeren Zeitraums die Fehlzeiten deutlich weniger werden.

Der sozialpädagogische Hort in der Awo-Kita „Märchenland“ in Grabow mit derzeit fünf Plätzen ist für Kinder, die besondere Bedürfnisse haben. Wenn Eltern das erkennen, oft auch durch Informationen der Lehrer und Erzieher darauf gestoßen werden, haben sie die Möglichkeit, beim Fachdienst Jugend der Kreisverwaltung einen Antrag auf Hilfen zur Erziehung zu stellen, von denen der sozialpädagogische Hort eine Möglichkeit ist.

Die Probleme seien ganz unterschiedlich, erzählt Heike Scheufler, die die Einrichtung betreut. „Beispielsweise haben Eltern in der Kindergartenzeit beobachtet, dass ihr Kind schlecht Kontakte knüpfen kann. Ein anderes hat wenig Selbstbewusstsein. Oder Kinder sind besonders ängstlich. Es gibt auch Eltern, die Ängste haben, dass ihre Kinder die Schule nicht bewältigen, denn das ist ein Einschnitt im Leben. Manche Kinder haben Schwierigkeiten, sich selbst zu reflektieren. Sie sehen sich selbst als Buhmann, die an allem Schuld tragen, dabei haben sie doch ganz tolle Qualitäten“, umreißt Heike Scheufler das weite Spektrum der Erziehungsarbeit.

Für sie spielt die Zusammenarbeit mit den anderen Erzieherinnen eine große Rolle. Sie beobachten die Kinder in ihrem Umfeld – gleichgültig, welche Altersgruppe – und stellen dabei fest, welches Kind besondere Zuwendung braucht. Und Heike Scheufler ist des Öfteren in der Schule, hospitiert dort, um ein umfängliches Bild zu bekommen. „Ich spreche dann die Eltern an, und sie können frei entscheiden, ob sie Hilfen für ihr Kind in Anspruch nehmen möchten“, erzählt Heike Scheufler. Momentan sind im sozialpädagogischen Hort vier Kinder aus der ersten und eines aus der zweiten Klasse.

Sie sind nicht isoliert, sondern können sich innerhalb der Einrichtung frei bewegen. Ob im Kreativraum, Entspannungsraum, Bauraum, Theaterraum – die Kinder klicken sich auf einer Tafel ein, und so wissen die Eltern stets, wo sie ihre Sprösslinge abholen können. Diese haben praktisch eine Doppelbegleitung. Einmal durch die Erzieherinnen in den einzelnen Gruppen, andererseits dann noch einmal die sozialpädagogische Extra-Betreuung. Heike Scheufler arbeitet oft situationsbedingt. Sie beobachtet mit in den Gruppen und greift ein, wenn es erforderlich ist. „Wir klären es dann gemeinsam. Da haben dann auch die anderen Kinder was davon“, so Heike Scheufler.

Jedes halbe Jahr wird entschieden, wie die Hilfen weitergehen oder ob sie nicht mehr nötig sind. Jedes Kind hat einen Hilfeplan, bei dem alle Beteiligten ihre Aufgaben haben, Eltern, Erzieher und das Kind selbst.

Die Kinder sind bei weitem nicht immer aus so genannten Problemfamilien. Das ganze Spektrum der Gesellschaft ist erfasst. Hohe Arbeitsbelastung der Erwachsenen und daraus resultierender Zeitmangel führt zur Sorge der Eltern, dass ihre Kinder ins Hintertreffen geraten. Heike Scheufler ist der Überzeugung, dass viele gar nicht wissen, dass es diese Möglichkeit der Erziehungshilfen gibt. Auch der Weg zum Fachdienst Jugend ist für viele eine große Hürde. Seit vier Jahren arbeitet Heike Scheufler in diesem Beruf. Sie ist eigentlich Lehrerin, seit über 20 Jahren, hat in der früheren Evangelischen Schule Spornitz gearbeitet. Jetzt steht sie kurz vor dem Abschluss ihrer Erzieherausbildung.

Als die Spornitzer Schule schloss, verwirklichte die Lehrerin ihren Berufswunsch der Erzieherin, den sie eigentlich schon immer gehegt hatte. Heike Scheufler ist der Meinung, dass durch den Lehrplan-Druck die individuelle Hinwendung zum Kind auf der Strecke bleibt. Deshalb hat sie, die aus Sachsen-Anhalt stammt, diese Richtung noch einmal eingeschlagen. „Zwar habe ich als Lehrerin schon viele Erfahrungen machen können, aber als Erzieherin, das ist doch noch mal eine andere Sache. Ich hatte das Glück, einen sehr guten Fachberater an meiner Seite zu haben. In der Einrichtung bin ich ebenfalls sehr gut aufgenommen worden“, erzählt die Erzieherin.

Materielle Geschenke zum Fest brauchen die Kinder des sozialpädagogischen Horts nach ihrer Meinung nicht. Sie haben alles. Finanzielle Zuwendungen für gemeinsame Veranstaltungen wären sinnvoller.

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