Dömitz : Für den Fall der Mauer gedankt

Von beiden Seiten der Elbe waren die Menschen zum Festgottesdienst in die Dömitzer Johanneskirche geströmt.  Fotos: K. Neumann
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Von beiden Seiten der Elbe waren die Menschen zum Festgottesdienst in die Dömitzer Johanneskirche geströmt. Fotos: K. Neumann

Festgottesdienst in der Johanneskirche vereint Menschen von beiden Seiten der Elbe / Propst lenkt Blick auf Umgang mit Flüchtlingen

svz.de von
10. November 2014, 20:55 Uhr

Bläser aus Ost und West. Rechts- und linkselbische Chöre. Menschen aus unterschiedlichen Bundesländern und Landeskirchen. In der Dömitzer Johanneskirche war gestern Nachmittag vereint, was ein Vierteljahrhundert zuvor noch getrennt war. Getrennt durch die innerdeutsche Grenze. „Wir schauen dankbar zurück auf das Wunder, das vor 25 Jahren geschah und erst ermöglicht hat, dass wir diesen Gottesdienst gemeinsam feiern können“, sagte Pastor z.A. Markus Hasenpusch zu Beginn des ökumenischen Festgottesdienstes anlässlich der 25. Wiederkehr des „Falls der Mauer, des Endes von Stacheldraht und Schießbefehl“.

Aus Quickborn und Damnatz, Karenz und Neu Kaliß, Dömitz und Dannenberg waren Hunderte Menschen in die Dömitzer Kirche geströmt. Propst Dirk Sauermann erinnerte in seiner Festpredigt auch an das Friedensgebet in der Johanneskirche am 27. Oktober 1989, zu dem Diakon Christophorus Baumert und Pastor Harald Kunas eingeladen hatten. Sie hatten Raum bieten wollen zum Reden, der erst zögerlich, aber doch gefüllt worden sei. „Alles war aber noch von Angst begleitet“, so Propst Dirk Sauermann. „Wie gut, dass es die Kerzen gab, mit denen die Machthaber nicht gerechnet hatten.“ Wer eine Kerze in der Hand hält, könne diese nicht zur Faust ballen.

Auch gestern hatte die Festgemeinde Gelegenheit ein Licht anzuzünden – im Dank für das während oder infolge der Wende Erlebte. „Ich war in Ludwigslust dabei, als wir uns in der Stadtkirche zum Friedensgebet trafen“, sagte Christa Gerlach aus Karenz. „Es waren so viele Menschen, dass keine Nadel mehr dazwischen gepasst hätte. Junge Männer kletterten auf die Säulen, um Platz zu machen.“ In der Nacht zu gestern habe sie kaum geschlafen, weil sie im Fernsehen die Sendungen zum Mauerfall verfolgt hatte. „Es ist gut, dass alles so gekommen ist“, sagte Christa Gerlach. Das sieht Dirk Wasserkamp nicht anders. „Ich bin dankbar, dass ich auf dieser Seite der Elbe eine neue Heimat gefunden habe“, sagte er, nachdem er ein Licht angezündet hatte. Vor zehn Jahren war er von Nordrhein-Westfalen nach Niendorf gezogen. „Ich habe Land und Leute lieben gelernt.“

Propst Sauermann lenkte den Blick aber auch auf die aktuelle Situation in der Welt. Der 25. Jahrestag des Mauerfalls falle in ein Jahr, in dem es einem nicht gleichgültig sein könne, was für himmelschreiendes Unrecht in der Welt geschehe. Viele Menschen kämen als Flüchtlinge zu uns. „Nehmen wir sie nicht nur auf, sondern auch an“, so der mecklenburgische Propst. „Wehren wir allen, die in den Herzen und Köpfen neue ideologische Grenzen, Vorurteile und Hass gegen Fremde, Flüchtlinge, Ausländer… erzeugen.“




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