Ludwigslust : Fünfer-Runde mit Dreier-Team

Wie arbeiten Ludwigslust, Grabow und Neustadt-Glewe zusammen und was haben die Bürger davon? – Ein Gespräch

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29. März 2014, 07:00 Uhr

Die Energiewende macht es deutlich: Anliegen der Menschen machen nicht Halt an Gemeindegrenzen. Wie gehen die Städte Ludwigslust, Grabow und Neustadt-Glewe damit um? Die SVZ-Redakteure Kathrin Neumann und Uwe Köhnke sprachen darüber mit den Bürgermeistern Reinhard Mach (Ludwigslust), Stefan Sternberg (Grabow) und Arne Kröger (Neustadt-Glewe).

Frage: Wie sieht die Zusammenarbeit der Städte heute aus? Reinhard Mach: Die Städte Grabow und Ludwigslust arbeiten seit 1991 ganz eng zusammen. Sie haben gemeinsame Stadtwerke und einen gemeinsamen Abwasserzweckverband, den AZV Fahlenkamp.

Stefan Sternberg: Es liegt in der Natur der Sache, dass es einen größeren und einen kleineren Partner gibt. In diesem Fall ist Ludwigslust der größere Partner. Trotzdem ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass wir auf Augenhöhe kooperieren. Den Vorsitz des Aufsichtsrates der Stadtwerke stellt traditionell Ludwigslust und Grabow den Verbandsvorsteher des Abwasserzweckverbandes. Ein anderes Beispiel: Ludwigslust versorgt die Alte Post über ein Blockheizkraftwerk mit Energie. Das greifen wir in Grabow auf. Die Mitarbeiter unseres Bauamtes haben sich das angeschaut und wir wollen das gleiche Prinzip auch für unser später dann saniertes Schützenhaus und das Reuterhaus nutzen.

Arne Kröger: Der Kommunikationsbedarf und die tatsächliche Kommunikation sind gewachsen. Man hat in der Vergangenheit versucht, etwas in eine Form zu pressen – Stichwort Städtedreieck. Ich schließe auch nicht aus, dass es in Zukunft eine stärkere verwaltungstechnische Zusammenarbeit gibt. Aber die Eigenständigkeit wird nicht angetastet, das sage ich auch.

Es gab mal den Versuch eines Städtedreiecks. Es ist gescheitert. Kann es sein, dass die Beziehungen von Ludwigslust nach Grabow ganz anders aussehen als nach Neustadt-Glewe? Kröger: Was damals gewesen ist, darüber möchte ich jetzt keine Bewertung abgeben. Was wir heute machen: Wir arbeiten themenbezogen zusammen. Ich denke da an das Regionale Entwicklungskonzept.

Sternberg: Auf Initiative der Stadt Ludwigslust haben wir darüber nachgedacht, wie wir im Zuge der A 14 die Region an der Autobahn weiter gestalten. Jede Stadt hat ihre Vorstellungen, was die Ansiedlung von Gewerbegebieten betrifft. Nach einem Gespräch von Herrn Mach im Wirtschaftsministerium ist die Idee des Regionalen Entwicklungskonzeptes (REK) entstanden. Seitdem kommen wir drei Bürgermeister regelmäßig themenbezogen zusammen.

Mach: Was wir auch gemeinsam anpacken ist die Machbarkeitsstudie zur Breitbandversorgung der nächsten Generation. Wir haben die Signale aus der Wirtschaft, die Erwartungen an uns hat, dass wir nicht erst fünf Jahre später dran sind als Köln oder Hamburg. Gerade Unternehmen, die in der Fläche angesiedelt sind, haben besondere Bedürfnisse bei der Kommunikationsanbindung. Das wird zum Standortfaktor für junge Leute. Wir reden da nicht von zwei, sondern von 50 bis 100 Mbit.

Wie ist der Stand dieser Machbarkeitsstudie zum schnellen Internet? Sternberg: Bis Jahresende soll sie fertig sein. Im Moment werden die neuen Veränderungen auf Bundesebene abgeglichen.

Welche Rolle spielt die Metropolregion in der Zusammenarbeit? Mach: Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam von Hamburg aus mehr wahrgenommen werden.

Sternberg: Wir haben festgestellt, dass wir drei Städte ganz unterschiedliche Ansätze in der Eigenwerbung haben. Da wollen wir mit Beginn der Saison 2015 ebenfalls enger zusammengehen. Ebenfalls mit einem gemeinsamen Tourismuskonzept.

Mach: Was die Vermarktung der touristischen Vorzüge angeht, ist es wichtig, dem Kunden ein Paket anzubieten.

Kröger: Wenn es gelingt, mehrtägige Angebote in der Region vorzuhalten, dann haben alle Bürger was davon. Egal, wo das stattfindet. Wenn wir den Reiseanbietern ein Paket von beispielsweise drei Tagen anbieten, haben alle was davon. Hauptsache, die Wertschöpfung findet in unserer Region statt. Das ist auch ein Teil Beschäftigungssicherung.

Ist die Kooperation der Städte für die Bürger überhaupt von Interesse? Sternberg: Auf alle Fälle. Einen Grabower treffe ich auch auf dem Burgfest in Neustadt-Glewe. Auf dem Kleinen Fest im großen Park bin ich ganz viel am Guten-Tag-Sagen. In Grabow zum Stadtfest sehe ich viele Ludwigsluster und Neustädter. Die Grenzen, die wir im Kommune-Denken haben, die gibt es nicht bei den Leuten. Wir haben einen gemeinsamen Sportverein SG 03 Ludwigslust/Grabow. Die Menschen arbeiten in den jeweiligen Nachbarstädten. Diese Städte sind seit Jahrhunderten verbunden.

Mal weg vom Tourismus. Die Windenergie ist in aller Munde. Potenzielle Eignungsflächen sind übergemeindlich von Bürgerinteresse. Wäre das nicht ein Ansatz für Zusammenarbeit? Kröger: Das ist eine Angelegenheit des Regionalen Planungsverbandes. Ich denke, wir sollten uns bei der Zusammenarbeit auf die Themen konzentrieren, die uns wichtig sind und die wir beeinflussen können.

Mach: Es stimmt, am Ende haben wir nichts zu sagen. Aber Ludwigslust ist ja umzingelt von potenziellen Windeignungsgebieten. Wir haben deshalb eine Arbeitsgruppe gebildet und laden dazu auch Grabow oder den Bürgermeister von Groß Laasch ein, um uns abzustimmen. Aber das Problem ist komplexer. Da gibt es noch viele andere Interessen von umliegenden Gemeinden.

Vielen Dank für das Gespräch!

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